Horst Pirker: Mister Styria verlässt seine Heimat

Horst Pirker Mister Styria
Horst Pirker Mister Styria(c) APA (Harald Schneider)
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Horst Pirker hat das steirische Verlagshaus zu einem bedeutenden Medienkonzern gemacht und durch eine turbulente Umbruchzeit geführt – geradlinig, mit unternehmerischem Mut.

Sein Studium der Rechtswissenschaften in Graz absolvierte Horst Pirker in kürzester Zeit. In der Katholischen Hochschulgemeinde, in der er sich 1979 bis 1983 stark engagierte und die ihm auch danach immer ein Anliegen blieb, fiel er durch Ernsthaftigkeit und kluge Argumente in den Diskussionen auf. Er stand zu seinem Wort, wie der Autor dieser Zeilen als Studienfreund weiß. Auch in der nachfolgenden Berufslaufbahn war der aus Lind im Drautal stammende Doktor der Rechtswissenschaften, verheiratet, fünf Kinder, geradlinig und zielstrebig.

Seit 1999 ist Horst Pirker Vorstandsvorsitzender des Medienhauses Styria, seit 1984 ist er dort tätig - nach kurzen Lehrjahren als Assistent der Verlagsleitung der „Kleinen Zeitung" in Kärnten war er dort von 1986 bis 1991 Verlagsleiter. 1992 wechselte er als Verlagsdirektor nach Graz, um 1997 in den Vorstand der Styria Medien AG zu kommen und schließlich zwei Jahre später die Leitung des Gesamtkonzerns zu übernehmen. Er blieb ihm treu, trotz einiger Spitzenangebote aus Deutschland und auch vom Küniglberg. Ende des Monats aber wird er die von ihm geformte Styria Media Group verlassen - einvernehmlich, wie aus dem Konzern verlautet, aber „wegen unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung der Unternehmensgruppe", zumindest jedoch überraschend, wie erste Reaktionen zeigen. Denn Pirker zählt zu den wichtigsten Medien-Managern der Zweiten Republik, er war bis zuletzt unangefochten „Mr. Styria", ob er nun die Interessen des Konzerns vertrat, als Präsident den Verlegerverband VÖZ repräsentierte oder einfach die Medienfreiheit gegen Anfechtungen verteidigte. Die Zunft sah er in einer gewaltigen, durch die Digitalisierung hervorgerufenen Umbruchszeit, und darüber dachte er nach.

Er schrieb eine zweite Dissertation, „Zur Zukunft der Zeitung", mit der er als reifer Mann auch noch den Doktor der Ökonomie erwarb. Medienkonzerne müssen für Pirker danach trachten, ihre Inhalte in allen verfügbaren Formen an den Konsumenten zu bringen, ob für Leser, Hörer oder Seher. Beweisen musste er mit seiner wissenschaftlichen Arbeit eigentlich nichts mehr; Pirker lieferte nur die Theorie nach, die erklärte, was er in der Medienpraxis schon umgesetzt hatte: Wachstum, Umsatzsteigerungen und solide Gewinne sind sein Markenzeichen. Und unternehmerischer Mut. Aus einem regionalen Haus mit dem Zugpferd „Kleine Zeitung" hat er einen über die Grenzen des Landes agierenden Konzern gemacht, der vor allem nach Südosteuropa expandierte.

Aber auch in Wien reüssierte die Styria, im Tageszeitung- und im Magazin-Sektor. „Die Presse" war Pirker von Anfang an ein Herzensanliegen. Ein Zeichen dafür: Er übernahm in der Krise auch die Herausgeberschaft dieses Blattes. Unter seiner Leitung wurde 2009 auch „Die Presse am Sonntag" eingeführt. Pirker besteht auf hoher Qualität und Seriosität, Zufriedenheit oder gar Selbstzufriedenheit sind ihm fremd. In jeder Phase seiner Tätigkeit gelangen Pirker deshalb auch große Erfolge, seine Styria wurde zum ebenbürtigen Konkurrenten der Mediaprint. Nun sucht er offenbar neue Herausforderungen. Für die Styria ist das auf jeden Fall ein bitterer Verlust.

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Stichwort: Styria Media Group AG

Zu dem in Graz ansässigen Medienkonzern gehören 17 Wochen- und neun Tageszeitungen, darunter die "Kleine Zeitung" und "Die Presse".

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