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Psychische Probleme

Die fragile seelische Gesundheit der Kinder

Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen haben in der Pandemie seelische Probleme entwickelt, warnen Experten.Die Presse/Fabry
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Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen ist in der Pandemie massiv gestiegen, warnen Experten. Die Stadt Wien will darauf mit neuen Projekten reagieren.

Dass sich die Pandemie auch auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen schlägt, ist bekannt. In welchem Ausmaß das der Fall ist, erstaunt dann doch. Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen habe in der Pandemie „relevante Probleme“ im psychischen Bereich entwickelt, sagt Georg Psota, Chefarzt der Psychosozialen Dienste in Wien (PSD), bei einer Pressekonferenz am Mittwoch im Wiener Rathaus. Dem will die Stadt Wien nun entgegenwirken.

Gemeinsam mit Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr, Gesundheitsstadtrat Peter Hacker und Caroline Culen, Geschäftsführerin der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, hat Psota das Maßnahmenpaket der Stadt zur psychosozialen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen präsentiert.

Wiederkehr versteht dieses als „zusätzliches Rettungspaket“ für junge Menschen. Er habe es sich zum Ziel gesetzt, Wien zur kinder- und jugendfreundlichsten Stadt zu machen, so der Vizebürgermeister, der aber auch betont, dass man zu Beginn der Pandemie psychosoziale Faktoren zu wenig gesehen habe. Kinderpsychiatrische Behandlung sei nur die Spitze des Eisberges. Ziel sei es, es gar nicht so weit kommen zu lassen.

Im Rahmen des Maßnahmenpaketes widmet sich die für Bildung und Jugend zuständige Magistratsabteilung 13 der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, etwa in Form von Workshops. Neben bestehenden Angeboten wie der Corona-Sorgenhotline, den Servicestellen der Kinder- und Jugendhilfen sowie Familien- und Jugendzentren soll in Zukunft auch für Jüngere psychologische Beratung unter der Servicenummer 4000-8011 angeboten werden (täglich acht bis 18 Uhr).

Behandlung zu Hause

Neu hinzu kommt auch das Projekt „Home Treatment“. „Wir versuchen damit die Behandlung für psychiatrische Erkrankungen nach Hause zu bringen“, erklärt Stadtrat Peter Hacker. In Kooperation mit dem PSD und dem Allgemeinen Krankenhaus gibt es dabei derzeit zwei Teams mit sechs Personen, die zwischen drei und sechs Monate lang bei einer betroffenen Familie tätig sind. Derzeit laufen noch Gespräche mit der Österreichischen Krankenkasse bezüglich der finanziellen Beteiligung. Mindestens 50 Personen sollen mit diesem Projekt in den nächsten Jahren betreut werden. Zielgruppe sind etwa Kinder, die das Bett nicht mehr verlassen oder den Kontakt zur Schule verloren haben.

Psota sieht darin durchaus ein zukunftsträchtiges Modell, das den Vorteil hat, dass auch die Familien der betroffenen Kinder betreut werden. Er beobachtet bei jungen Menschen unter 25 Jahren eine „massive Erhöhung von ängstlichen und depressiven Reaktionsbildern. Das heißt nicht, dass sich daraus eine depressive Erkrankung entwickeln muss, aber das Risiko, dass sie eintritt, ist hoch.“

Caroline Culen berichtet von einem Drittel mehr Kontaktaufnahmen bei der Servicestelle Rat auf Draht im ersten Lockdown. Außerdem berichten Jugendzentren, dass mindestens 80 Prozent der Jugendlichen, mit denen sie zu tun haben, stark von der Pandemie betroffen sind.

Ruf nach Ausbildungsplätzen

„Kinder und Jugendliche haben in der Pandemie erstaunlich kooperativ, solidarisch und vernünftig reagiert. Leider wurde es ihnen nicht gedankt“, sagt Culen, Sie hat bei den Jungen vor allem Hoffnungslosigkeit, Mutlosigkeit, sozialen Rückzug, massive Ängste und auch den Verlust der Hoffnung in die Zukunft beobachtet. „Wir sehen, dass sich die psychischen Belastungssymptome chronifizieren, und das macht uns Sorge“, so Culen.

Stadtrat Hacker forderte einmal mehr den Ausbau der Ausbildungsplätze in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die derzeitige Situation sei „alles andere als befriedigend“. Es gebe genug Menschen, die sich ausbilden lassen wollen, ebenso sehr gute Ausbildner. „Das Thema liegt seit eineinhalb Jahren auf dem Tisch, die Ärztekammer und das Gesundheitsministerium müssen sich etwas einfallen lassen“, so Hacker. Er erwarte sich noch vor dem Sommer eine entsprechende Entscheidung des Gesundheitsministers.

(ks)