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Die Opfer haften weiter für die Täter

Solange Aktionäre von schlecht arbeitenden Banken nicht in die Pflicht genommen werden, ist jede Regulierung zum Scheitern verurteilt.

Nun zählt es zweifellos zu den schwierigeren Aufgaben, mit den Globalisierungsgegnern von Attac einer Meinung zu sein. Wenn die etwas eigenartig argumentierenden Vertreter der Organisation allerdings meinen, die staatlichen Notenbanken und Kontrollore hätten in Sachen „Regulierung der Finanzmärkte“ bis dato herzlich wenig zustande gebracht, liegen sie völlig richtig.

Bestes Beispiel dafür sind die am Wochenende in Basel verschärften Richtlinien. So müssen Banken künftig für Kredite nicht mehr zwei, sondern sechs Prozent Eigenkapital auf die Seite legen. Quasi als eine Art sichere Reserve („Kernkapital“). Wer nun meint, die Finanzbranche sei damit stabiler geworden, sollte einen Blick in die Vergangenheit riskieren. Kurz bevor die Investmentbank Lehman in die Pleite schlitterte, lag ihre Kernkapitalquote bei elf Prozent.

Das fundamentale Problem bleibt unangetastet: Die Aktionäre der Banken werden auch künftig nicht zur Verantwortung gezogen, falls deren höchste Angestellte Mist bauen. Diese Rolle ist weiterhin den Steuerzahlern zugedacht. Die Politik hat es nämlich verabsäumt, dafür zu sorgen, dass schlecht wirtschaftende Banken möglichst geräuschlos aus dem Markt genommen werden können. Keine Steuer und keine Eigenkapitalvorschrift der Welt könnte Banken besser zähmen als die Aussicht für deren Aktionäre, im Fall des Falles mit ihren Anteilen zu haften. (Bericht: Seite 15)


franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2010)