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Coronavirus

Legt die Ischgl-Studie wirklich eine hohe Durchseuchung nahe?

Die Schätzungen darüber, wie viele Menschen sich in Österreich bisher mit dem Coronavirus infiziert haben, gehen weit auseinander.Clemens Fabry
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Dass sich bereits knapp drei Millionen Menschen in Österreich infiziert haben, hält Virologin und Leiterin der Ischgl-Studie Dorothee von Laer zwar nicht für ausgeschlossen, aber für eine doch „sehr optimistische Annahme“, die „an der oberen Grenze" des Möglichen angesiedelt sei.

Auf rund 30 Prozent schätzt Franz Allerberger, Leiter der Abteilung für Öffentliche Gesundheit der Ages, die Durchseuchung in der österreichischen Bevölkerung. Das hieße, dass sich bisher knapp drei Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben – die meisten von ihnen, ohne es zu bemerken, denn die Zahl der bestätigten Fälle liegt aktuell bei rund 453.000. Grundlage für diese Annahme ist die Sterblichkeitsrate von 0,26 Prozent, die in Ischgl ermittelt wurde, einem der am gründlichsten getesteten Orte der Welt. Dort hatten sich bereits während der ersten Welle im Frühjahr vergangenen Jahres 42,7 Prozent der Bevölkerung (etwa 1600 Einwohner) angesteckt, zwei Menschen starben. Österreichweit sind bisher 8394 Menschen mit dem Coronavirus im Körper gestorben. Bei einer Letalität von 0,26 Prozent ergäbe das eine Durchseuchung von besagten 30 Prozent.

Mehrere Faktoren berücksichtigen

Eine Schätzung, die Dorothee von Laer, Leiterin des Instituts für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck und Initiatorin der Ischgl-Studie, zwar nicht für ganz ausgeschlossen, aber auch nicht für sehr wahrscheinlich hält – zum einen, weil sie auf Basis von nur zwei Todesopfern ermittelt wurde – bereits ein Todesfall mehr hätte die Sterblichkeitsrate deutlich erhöht; zum anderen, weil die Letalität nicht das einzige Kriterium ist, um Rückschlüsse auf die Dunkelziffer zu ziehen. Auch Studien, die andere Faktoren beleuchten, müssten berücksichtigt werden – beispielsweise die vom Bildungsministerium in Auftrag gegebene und im November 2020 durchgeführte Antikörperstudie der Statistik Austria sowie des Österreichischen Roten Kreuzes mit 2229 zufällig ausgewählten Personen ab 16 Jahren.