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Zeichen der Zeit

Olga Flors moderne Vampire

Protokollantin einer Gesellschaft auf Distanz: Olga Flor
Protokollantin einer Gesellschaft auf Distanz: Olga FlorMarko Lipus / picturedesk.com
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Die österreichische Autorin Olga Flor lässt in ihrem Roman „Morituri“ moderne Blutsauger und ihre Opfer auftreten. Ein biomedizinisches Zentrum auf dem Land wirbt mit der Verjüngung von alten Zellen, eine Bürgermeisterin verstrickt sich in russische Geldgeschäfte – grandios, böse und komisch.

Das Land ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Aber was war es einmal? Eine idyllische Ansammlung von blumengesäumten Häusern mit Satteldach und rechtschaffenen, hart arbeitenden Menschen darin, die aufeinander schauen, oder ein unheimliches Konglomerat von hässlichen Persiflagen auf ebensolche Häuser, umzäunt von kränkelnden Thujenhecken? Mit Bewohnern, die täglich in die nächstgelegene große Stadt pendeln müssen und durch ihre mobilitätshörige Lebensweise das dörfliche Leben ad absurdum führen?

Zwischen diesen beiden Extrempositionen befindet sich wohl das wahre Landleben oder das Ländliche oder auch: Es ist die Summe aller Vorstellungen, die sich die Menschen darüber machen. Mit diesen operiert die österreichische Autorin Olga Flor in ihrem jüngsten Roman „Morituri“ und packt wieder ihr wohlbekanntes literarisches Sezierbesteck aus. Sie setzt eine Handvoll Protagonisten auf einem moorigen Landstrich aus – eine Versuchsanordnung –, denn Olga Flor ist auch Naturwissenschaftlerin. Ihrem mikroskopischen Blick entgeht nichts.