Langer: "Bürgernähe ausbauen"

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Waltraud Langer, neue Magazinchefin im ORF, ist für 13 Sendungen und etwa 100 Mitarbeiter zuständig. Sie will "Themen, die das Land bewegen". Auch eine Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen ist ihr wichtig.

"Relevanz, Kompetenz und Hintergrund“ – das wünscht sich Waltraud Langer von den ORF-Magazinen, die sie seit wenigen Wochen leitet. Dass sie damit für 60.000 Sendeminuten im Jahr verantwortlich zeichnet, habe sie selbst überrascht, erzählt Langer im Interview. Demnächst werden es noch mehr werden: Am Freitag geht Peter Resetarits, der auch den „Bürgeranwalt“ moderiert, mit seiner neuen Sendung „Ein Fall für Resetarits“ an den Start. „Ich will die Bürgernähe und den Bürgerjournalismus ausbauen“, sagt Langer. „Wir wollen, dass wir für die Leute da sind, die sich schwer tun, die Hilfe brauchen, etwa weil sie sich im Paragrafendschungel verirrt haben.“ Das „Bürgerforum“, das ebenfalls Resetarits moderiert, solle sich darüber hinaus „Themen, die das Land bewegen“, widmen. „Wir wollen den Bürgern ein Forum geben, wo sie Fragen stellen und ihre Meinung sagen können.“ Die Sendung soll deshalb auch öfter als bisher laufen.

13 Sendungen, circa 100 Mitarbeiter

Langer ist für 13 Sendungen und etwa 100 Mitarbeiter zuständig – „Report“, „Weltjournal“ und „Eco“ zählen dazu. Im Wirtschaftsmagazin will sie einen Experten für Geldfragen – „einen Mr. oder eine Mrs. Money“ – einsetzen, der dem Zuschauer die Frage „Was soll ich mit meinem Geld machen und was darf ich damit nicht machen?“ beantwortet. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Hauptabteilungen ist ihr wichtig: „Am Mittwoch wird es zum Beispiel eine vertiefende Berichterstattung zum Thema Roma geben – erst in der ,ZiB2‘, dann im ,Weltjournal‘ und schließlich im ,Club2‘.“ Die Zusammenarbeit falle ihr nicht schwer. „Für mich ist es ein Vorteil, dass ich aus der Fernsehinformation komme.“ Langer war bis zu ihrer Bestellung ORF1-Infochefin und Stellvertreterin von TV-Chefredakteur Karl Amon (der nun zum Hörfunkdirektor avancierte). „Es gibt jede Woche eine gemeinsame Sitzung mit Informationsdirektor Elmar Oberhauser, wo das besprochen wird.“ Weitere sendungsübergreifende Themen könnten Migration, Energie und Politskandale sein, so Langer.

Konkrete Sparziele hat sie derzeit keine. Sie müsse aber demnächst einen „Kassasturz“ machen. Das „Bürgerforum“ werde künftig weniger oft zu den Leuten hinausgehen – „das ist extrem aufwendig“ und mache nicht immer Sinn. Aufgrund der Konkurrenzsituation – „93 Prozent der Österreicher empfangen Fernsehen via Kabel oder Satellit, die können 67 deutschsprachige Programme anschauen“ – „müssen wir alles tun, um uns zu unterschieden“. Dafür sei ein „journalistischer Aufwand“ einfach unumgänglich. Bei Kamerateams könne man zwar schon sparen – aber nur bedingt. „Ein Magazinbericht lebt von den Zwischentönen und von Kameraeinstellungen aus den verschiedensten Perspektiven“ – das müsse man auch gesondert aufnehmen. Dass mit dem neuen Computersystem im ORF Drehmaterial künftig für alle Redakteure zugänglich sei, halte sie für „sinnvoll“.

Auf ihren Führungsstil angesprochen meint Langer, es sei ihr „wichtig, das Team mitzunehmen, fördernd zu sein“ und ihre Mitarbeiter ihren Stärken gemäß einzusetzen, anstatt „sie umzupolen“. Als positive Beispiele nennt sie Christoph Varga, der mittlerweile die „ZiB“-Wirtschaftsredaktion leitet, und die neue „ZiB2“-Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher. Die dem ORF gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote von 45Prozent hält sie für hilfreich: „Wir haben viele kompetente Journalistinnen in diesem Haus – ich finde es gut, wenn die eine Chance bekommen, in Führungspositionen zu gehen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2010)

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