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Corona-Maßnahmen

Tiroler Bezirk Schwaz soll durchgeimpft werden

Für Mayrhofen gilt eine Ausreisetestpflicht
Für Mayrhofen gilt eine Ausreisetestpflicht(c) APA/EXPA/ERICH SPIESS
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Um die südafrikanische Coronavirus-Mutante „auszulöschen“, will die Regierung die Bewohner von Schwaz impfen. Dafür erhält Tirol 100.000 zusätzliche Impfdosen. Die Neos kritisieren die „Triage“, Rechtsanwälte-Präsident Wolff ist skeptisch.

Über den Tiroler Bezirk Schwaz, in dem die südafrikanische Mutante B.1.351 des Coronavirus besonders stark verbreitet ist, wird eine Ausreisetestpflicht verhängt - zudem sollen seine Bewohner geimpft werden. Das gaben Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und seine Stellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) am Mittwoch bekannt. Das Durchimpfen soll wissenschaftlich begleitet und in einer Studie publiziert werden. Begonnen werden soll die Impfaktion - angeboten wird das Vakzin allen Personen ab 18 Jahren - mit der zweiten März-Woche.

Der Reihe nach: Kurz begann den Medientermin am Mittwoch mit einem Überblick über die österreichweite Coronasituation: Die Sieben-Tages-Inzidenz liege derzeit bei 160. Das bedeute: „Wir haben nach wie vor steigende Ansteckungszahlen in einem Ausmaß, das zu erwarten war.“ Er sei daher froh, so der Regierungschef, „dass die Bevölkerung die Testmöglichkeiten intensiv nützt“. Österreich sei bei den Coronatestungen „eines der führenden Länder in Europa mit über 2,5 Millionen Tests pro Woche“, beim Thema Coronaimpfung liege man EU-weit auf Platz sieben. 

Am Doinnerstag werde er nach Israel reisen und über eine Kooperation in Sachen Impfstofferzeugung sprechen. Denn: Es sei zu erwarten, dass weitere Mutanten des Erregers Sars-CoV-2 auftauchen. Aktuell verbreite sich in Österreich vor allem die britische und die südafrikanische Variante des Virus. Gerade letztere stelle eine Gefahr „für den Weg zurück in die Normalität“ dar, da einer der hierzulande eingesetzten Impfstoffe bei dieser nicht die gewünschte Wirkung erziele.

100.000 Impfstoffe für Tirol, Testpflicht für Schwaz

Insbesondere in Tirol sei das ein Problem. Hier kam es bekanntlich im Februar zu dem „größten Ausbruch der südafrikanischen Variante innerhalb der EU“, wie Kurz damals gemeint hatte, weshalb sich seither jeder, der das Bundesland verlassen will, testen lassen muss. Diese Maßnahme, die weiterhin aufrecht bleibt, habe erste Erfolge gezeigt, so Kurz am Mittwoch: Die aktiven Fälle hätten sich von 200 auf etwa 80 halbiert. Trotzdem gehe es darum, die Mutation „auszulöschen“, also „auf null zu reduzieren“. Um das zu schaffen, erhält Tirol zusätzlich zu seinem bestehenden Kontingent 100.000 Impfstoffe von Biontech/Pfizer für den besonders betroffenen Bezirk Schwaz. Das habe man mit der EU-Kommission vereinbart, so Kurz. Angeboten werden soll das Vakzin allen im Bezirk Schwaz Lebenden, die das 18. Lebensjahr bereits erreicht haben.

„Das Land Tirol ist von dieser Pandemie in besonderem Maße betroffen“, ergänzte Platter. Daher wolle man nun rasch handeln. Ab der zweiten Märzwoche soll mit der ersten Teilimpfung - sowie parallel dazu mit einer Studie - begonnen werden, um die Schritte wissenschaftlich zu dokumentieren. Nach zwei Wochen werde die zweite Dosis folgen. Außerdem werde eine Testpflicht verhängt: „Wenn man aus dem Bezirk ausreist, braucht man dann einen Test“, betonte Platter.  Sie soll rund um den 10. März beginnen.

Anschober sprach von einer „Pandemie in der Pandemie“. Der Grund dafür sei die Ausbreitung der genannten Mutanten, allen voran von B.1.1.7, also der britischen Variante. Einen „ersten Teilerfolg“ ortete er darin, dass in Tirol die Ausbreitung der südafrikanischen Variante gebremst wurde. Aber: „Wir sind noch nicht da, wo wir sein möchten.“ Daher sei es gut, dass es nun zusätzlichen Impfstoff gebe - wobei: Andere Bundesländer würden nicht benachteiligt werden, betonte der Gesundheitsminister. Ähnlich die Leiterin der Impfabteilung des Gesundheitsministeriums, Maria Paulke-Korinek: Die „extrem wichtige Studie“ in Schwaz werde viele Daten bezüglich der Wirksamkeit des Impfstoffes bringen.

Neos orten „Triage“, Anwälte-Präsident skeptisch

Völlig anderer Auffassung ist der Gesundheitssprecher der Neos, Gerald Loacker: „Jetzt haben uns große Politiker immer vor einer Triage gewarnt, also davor, dass der eine etwas kriegt und der andere nicht“, spielte er im Gespräch mit der „Presse“ auf vergangene Äußerungen von Kurz und Anschober an. „Was aber gerade passiert, das ist Triage: Der 26-jährige Schwazer wird einem 82-Jährigen aus einem anderen Bezirk, aus einem anderen Bundesland, vorgezogen.“ In anderen Worten: „Im österreichischen Impflotto hat der Bezirk Schwaz den Jackpot geknackt.“ 

Dem Argument, dass Schwaz zum Forschungsgebiet avanciere, konnte Loacker nichts abgewinnen: „Eine Studie kann es nur sein, wenn ich mir davor anschaue, wer Antikörper hat.“ Und: „Dann muss es eine verpflichtende Beteiligung an der Impfung geben, keine freiwillige - so aber ist das alles fadenscheinig“, kritisierte Loacker, der zugleich betonte, nicht für eine Impfpflicht einzutreten.

Rupert Wolff, Präsident des Rechtsanwaltkammertags, zeigte sich am Mittwoch ebenfalls skeptisch: Nach derzeitigem Stand zeige die Impfung keine sofortige Wirkung, sondern „braucht eine gewisse Anlaufzeit bis sie zu wirken beginnt“. Es könne also durchaus sein, dass sich das Virus trotz Impfung über Schwaz hinaus verbreite. Zu einer möglichen Pflichtimpfung hielt er fest: „Einen Impfzwang kann es nicht geben, das kann immer nur auf freiwilliger Basis erfolgen.“ Auf Grundlage des Covid-19-Maßnahmengesetzes hingegen sehr wohl möglich sei es dem Gesundheitsminister oder dem jeweiligen Landeshauptmann, einen Ort oder eine Region abriegeln - „sofern das die epidemiologische Situation erfordert“.

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