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Russland

Bericht: Ex-Außenministerin Kneissl im Verwaltungsrat von Ölkonzern Rosneft

RUSSIA-AUSTRIA-POLITICS-DIPLOMACY
Karin Kneissl als Außenministerin 2018 bei ihrem russischen Gegenüber Sergei Lawrow in Moskau.APA/AFP/YURI KADOBNOV
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Russische Nachrichtenagentur Tass meldet neuen Job für die frühere Diplomatin und Ministerin unter der türkis-blauen Regierung.

Die ehemalige österreichische Außenministerin und Diplomatin, Karin Kneissl, soll laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Tass einen Job beim Ölkonzern Rosneft (Sitz in Moskau) antreten. Laut Tass ist sie für einen Sitz im Aufsichtsrat nominiert. Kneissl wollte am Mittwoch keinen Kommentar abgeben und war für die „Presse" nicht erreichbar.

Kneissl (56) hatte auf einem „Ticket" der FPÖ von 2017 bis 2019 in der türkis-blauen Koalitionsregierung (Kabinett Sebastian Kurz 1) amtiert. Nach deren Auflösung im Zuge der „Ibiza"-Affäre fand sie nicht mehr in die Politik zurück. Seit dem Vorjahr arbeitet Kneissl, die auch Bücher schreibt und Vorträge hält, als Gastautorin für den russischen Staatssender Russia Today und tritt dort in Sendungen auf. Ihr wurden stets gute Beziehungen mit Moskau nachgesagt. Sie könnte die erste Frau in dem Rosneft-Gremium werden.

Der legendäre Tanz in den Weinbergen

Dass Russlands Präsident Wladimir Putin im Sommer 2018 zu Kneissls Hochzeit in der Südsteiermark erschien und mit ihr tanzte, wurde ziemlich kontrovers kommentiert. Für den Kreml war es eine Gelegenheit, Österreich als engen Verbündeten zu präsentieren. Die Ehe ist mittlerweile geschieden.

Während Kneissl im heimischen politischen Alltag keine Rolle mehr spielt, herrscht in Russland weiterhin die Vorstellung, sie sei ein „angesehener europäischer Politiker" (Agentur Interfax).

Kneissl ist indes nicht die einzige österreichische Ex-Politikerin, die in Russland anheuert. Ex-Finanzminister Hans Jörg Schelling wirbt bei Gazprom für die Pipeline Nord Stream 2. Ex-Kanzler Christian Kern sitzt im Aufsichtsrat der russischen Staatsbahn RZD. Und Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel ist nach dem Telekommunikationskonzern MTS nun für den Rohstoff-Konzern Lukoil tätig.

Der frühere deutsche SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder ist seit 2017 Aufsichtsratsvorsitzender von Rosneft; das Gremium hat derzeit elf Mitglieder. Aus Schröders Angaben ist zu schließen, dass er etwa 600.000 Euro im Jahr für seine Tätigkeit erhält. Das Engagement steht in der Kritik: Rosneft ist von der EU mit Sanktionen belegt. Rosneft-Chef Igor Setschin ist enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin.

Auch andere österreichische Ex-Politiker haben in den vergangenen Jahren in Russland angeheuert: Ex-Finanzminister Hans Jörg Schelling bei Gazprom, Ex-Kanzler Christian Kern ist Aufsichtsrat bei der russischen Bahn, Wolfgang Schüssel beim Ölkonzern Lukoil.

Rosneft hatte (2019) etwa 330.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von umgerechnet etwa 80 Milliarden Euro.

Rosneft-Zentrale in MoskauNVO/CC BY 3.0

 

(APA/som)