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Smartphone-Test

Kamera unter dem Display: Nicht jede Innovation ist marktreif

ZTE
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Moderne Smartphones bieten ganz schön viel Display und wenig Rand. Wäre da nicht der Notch für die Selfie-Kamera. ZTE hat sie im Axon 20 versteckt.

Der chinesische Hersteller ZTE stand lange Zeit außerhalb der Heimat immer im Schatten des großen Mitbewerbers Huawei. Durch den US-Bann hat ZTE die Möglichkeit aus diesem herauszutreten. Das versucht man mit dem Axon 20, einem Smartphone zu einem attraktiven Preis und einer unsichtbaren Frontkamera. Im Praxistest der „Presse am Sonntag“ kann das 5G-Handy nicht alle Versprechen halten.

Es ist unschwer zu erkennen, welchen Stellenwert Kameras in heutigen Smartphones haben. Die Triple-Quad-Super-Kameras von Apple, Samsung, Huawei und Co. sind auf der Rückseite nicht zu übersehen. Wo Hersteller immer mehr an Linsen, Pixel und Blenden verbauen, wird vielerorts die Ästhetik sträflich vernachlässigt. Immerhin gelten für die Frontseite strengere Maßstäbe. Hier durchbricht meist ein Loch oder Balken das Display. Bei ZTE ist selbst das nicht mehr der Fall.

Zumindest wenn man ein Auge zudrückt und nicht ganz genau schaut. ZTE hat als einer der ersten Hersteller die Kamera unter das Display verfrachtet. Und wäre es gelungen, dass die Bilder auch einer 32 Megapixel Kamera gerecht werden, könnte man über die Sichtbarkeit der Kamera hinwegsehen. Die Bilder wirken verwaschen und mit einem Schleier überdeckt. Bei Sonnenschein kommt noch Spiegelung dazu.

Kein High-End-Gadget. ZTE veranschlagt für sein Axon 20 350 Euro. Das ist gemessen an den Kamera-Boliden wirklich günstig. Dementsprechend müssen auch die Ansprüche runtergeschraubt werden. Für gestochen scharfe Selfies muss man tiefer in die Tasche greifen. Dasselbe gilt für die Hauptkamera, denn auch hier wird der geneigte Nutzer mit DSLR-Ansprüchen mit dem Axon 20 nicht glücklich werden.

Sonst ist das ZTE-Handy auf dem aktuellsten Stand der Technik, in einem ansehnlichen Gewand. Der turmähnliche Kamera-Aufbau auf der Rückseite ist ungewöhnlich schmal und dezent gehalten. Der positive Eindruck wird dadurch geschmälert, dass sie weit herausragt. Blickt man dann auf die Frontseite, wird man wieder entschädigt. Das durchgehende Display, das beachtlich nah an der Sieben-Zoll-Marke schrammt, liefert eine sehr gute Auflösung.

Und wie auch die Kamera ist der Fingerprintsensor unter das Display gewandert. Der reagiert angemessen zuverlässig. Ähnlich zuverlässig präsentiert sich der 4220 mAh starke Akku. Mit einem Achtkernprozessor und sechs Gigabyte Arbeitsspeicher kommt das Axon 20 nicht leicht in Bedrängnis.

Und wer auf der Suche nach erweiterbarem Speicher ist, findet hier einen microSD-Slot, der bis zu zwei zusätzliche Terabyte sicher aufbewahrt. Sonst bleibt ZTE bei den Anschlüssen puristisch. Ein USB-C-Anschluss, ein SIM-/microSD-Slot und drei Hardware-Knöpfe zum Lautstärke regulieren und Ein- und Ausschalten. Einen Klinkenstecker-Anschluss für die heute schon altmodisch anmutenden kabelgebundenen Kopfhörer sucht man vergeblich.

Keine großen Ansprüche. Wer bei seinem Smartphone eine kompakte Kamera mit Telefonfunktion sucht, sollte nicht zum Axon 20 greifen. Sonst kann das Gerät jenen empfohlen werden, die ein günstiges Smartphone suchen und keine allzu großen Ansprüche an die neuesten Must-haves der Industrie stellen. Das Design ist nichts Besonderes, die Selfie-Kamera ist höchstens aufgrund ihres Untergrund-Daseins ein Highlight, weiß aber sonst nicht zu glänzen und für die Hauptkamera muss man Geduld haben.

Für das Gerät spricht die solide Verarbeitung, das große Display mit guter Auflösung und der wirklich günstige Preis von knapp 350 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2021)