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Künstlerin Anne Eck
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Porträts

Innovativ weiblich: Die neue Sichtbarkeit

Anne Eck vertritt mit ihrem Plattenlabel nur Künstlerinnen, Madlaina Sladecek-Dosch verkauft in ihrer Vinothek nur Wein von Winzerinnen: Statt in traditionellen Unternehmen und Institutionen auf mehr Sichtbarkeit zu warten, verschaffen sich Frauen ihre Repräsentanz neuerdings einfach selbst. Das habe nichts damit zu tun, dass sie nicht mit Männern arbeiten wollen, betonen sie: Es gehe darum, in Summe mehr Ausgewogenheit herzustellen. Fünf Porträts.

Chefin eines All-Female-Plattenlabels: »Es war ein Statement, um zu sagen: Hey, da muss sich etwas verändern«

Es begann wie bei vielen Künstlern: Mit der Suche nach einem Plattenvertrag. Irgendwann hatte Anne Eck zwar ein Angebot, „aber es hat sich nicht stimmig angefühlt. Also habe ich entschieden: Ich bring mich selbst raus.“

Das war 2019, und es blieb nicht unbemerkt: Schon nach kurzer Zeit häuften sich die Anfragen von Künstlerinnen. Sie habe, erzählt Eck, alle abgelehnt, weil zu viel Arbeit. „Aber als es ausgesprochen war, wusste ich schon, dass ich es doch mache.“ Zumal sie sich stabile Strukturen geschaffen hatte. „Ich konnte international operieren, habe keine halben Sachen gemacht. Wieso sollte ich das nicht für andere öffnen?“

Seit 2020 vertritt Eck mit Silvertree Records ausschließlich Künstlerinnen. Das habe sich aus den Anfragen ergeben – und aus der Entscheidung, wofür sie stehen wolle. Jedes Label habe seinen Schwerpunkt, ihrer seien Frauen, „weil im Musikbusiness Gleichstellung einfach noch nicht erreicht ist“. Ob Präsenz im Radio, Bookings für Festivals oder Plattenverträge – „in allen drei Bereichen, die wesentlich sind, um wahrgenommen zu werden, steht es eins zu null gegen die Frauen“, sagt Eck. Gerade in den vergangenen zwei bis fünf Jahren sei aber viel Bewusstsein entstanden. „All die neuen Plattformen würde es nicht geben, wenn es da nicht einen Mangel gäbe.“

Auch ihre Organisation sei übrigens anders als die der üblichen Labels, die Hierarchie flacher, der Austausch enger, auch unter den mittlerweile sieben Künstlerinnen. Ihr Motto „Let's get visible“ versteht Eck auch musikalisch. „Es passt nicht immer alles in Schubladen, ist nicht schwarz oder weiß, Pop oder Rock. Mit mehr Öffnung wird auch mehr Diversität möglich.“

Ihr All-Female-Zugang sei „auch ein Statement, um zu sagen: Hey, da muss sich etwas verändern“. Und er sorgt für Medieninteresse und damit für Diskurs. Dabei wurde Eck auch schon scharf angegriffen, als sexistisch und exkludierend. Gekommen sei die Kritik nur von Männern. „Was zeigt, dass das etwas bei ihnen triggert, dass sie sich gleich so angegriffen fühlen.“ Dabei würde sich manch anderes Label zwar nicht „all male“ auf die Fahnen heften, wohl aber so handeln. „Das ist ein Verdrehen von Tatsachen, ein blinder Fleck.“