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Musikverein

Thielemanns Säulen in Bruckners Kuppelbau

Die Wiener Philharmoniker und Christian Thielemann
Die Wiener Philharmoniker und Christian Thielemann(c) Dieter Nag
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Die Wiener Philharmoniker und Christian Thielemann setzen ihren Bruckner-Zyklus für CD und Video mit der monumentalen Symphonie Nummer fünf fort: ein kathartisches Erlebnis.

Perfektes Timing: Die Mittagsglocken der Karlskirche schallten just in der Pause nach dem Scherzo von Anton Bruckners Symphonie Nummer fünf in den Goldenen Saal des Musikvereins herüber – und Christian Thielemann wartete lauschend eine Minute ab. Mag sein, dass manche Mitglieder der Wiener Philharmoniker nach bereits einer Stunde intensiven Musizierens den gewonnenen Moment des Innehaltens vor einem der anstrengendsten Finalsätze der symphonischen Literatur auch für ein letztes Stoßgebet genützt haben: Wenn ja, dann hat es sich gelohnt.

Bruckners Fünfte also, als vitaler Livedurchlauf vor Kameras und Mikrofonen ohne Publikum, freilich mit allen nachträglichen Korrekturmöglichkeiten für Unebenheiten: Es ist bereits der sechste Termin im aktuellen philharmonischen Projekt der ersten Gesamteinspielung der Bruckner-Symphonien des Orchesters unter ein und demselben Dirigenten; vor drei Wochen erst stand die vergleichsweise juvenile Erste auf dem Aufnahmeplan. Vereinfacht gesagt: In der Fünften entwickelt Bruckner sein riesenhaftes Symphoniemodell weiter, indem er den zyklischen Zusammenhang erhöht, den Schwerpunkt aber eindeutig in das Finale verlagert und dessen Gewicht mit den alten Künsten der Kontrapunktik untermauert – als Überhöhung und Vereinigung der Konzepte von Mozarts „Jupiter“ und Beethovens Fünfter sowie Neunter.