„Red Man Walking“: Wohin geht der ORF?

Nicht nur in der ÖVP, auch in ORF und SPÖ regt sich Widerstand gegen sozialdemokratisch beeinflusste ORF-Postenbesetzungen.

Wer hat im ORF das Sagen? ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz? Oder doch die SPÖ, vornehmlich ihr Wiener Zweig in Person der Bundesgeschäftsführerin und Michael-Häupl-Vertrauten Laura Rudas? Gemeinsam mit Nikolaus Pelinka, der den SPÖ-„Freundeskreises“ im Stiftungsrat leitet, gibt Rudas an der größten Medienorgel des Landes derzeit den Ton an. Jüngster Schachzug: TV-Chefredakteur Karl Amon wurde zum Radiodirektor bestellt. Dieser zeigt im „Presse“-Interview kein Verständnis für „die Jammerei“ wegen Interventionsversuchen: Man könne als Journalist schließlich auch Nein sagen. Am Donnerstag wird die Chefredaktion ausgeschrieben – man wird sehen, ob sich Wrabetz Personalwünschen widersetzt.

Die Redakteure der TV-Information fordern eine „objektive und parteipolitisch unabhängige“ Entscheidung. Das würden sie nicht tun, hätten sie nicht die Sorge, dass es anders kommt. Innerhalb des ORF ortet man seit der Amon-Wahl eine „Ampelkoalition“ von Rot-Grün-Orange. Nicht nur die ÖVP warnt die Sozialdemokraten vor dem Alleingang – auch in der SPÖ gibt es Kritik: Klubobmann Josef Cap soll sich gegen den „Konfrontationskurs“ im ORF ausgesprochen haben. SP-interne Kritiker bezeichnen Wrabetz wenig schmeichelhaft als „Red Man Walking“.

Die SPÖ kann sich der ORF-Wahl 2011 keineswegs sicher sein. Koalitionen können sich ändern. Das musste schon 2006 die ÖVP erfahren. Und Entpolitisierung? Die gibt's nicht im ORF. (Interview: S. 32)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2010)

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