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Corona-Maßnahmen

Vorarlberg: Gastronomie öffnet auch indoor, Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen

Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) setzte Öffnungsschritte durch.
Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) setzte Öffnungsschritte durch.APA/HELMUT FOHRINGER
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Vorarlberg setzt ab 15. März bei den Öffnungsschritten auch auf eine Online-Registrierung von Selbsttests, die allerdings nicht für die Gastronomie gelten. Kinder- und Jugendliche dürfen damit wieder ihr Vereinsleben aufnehmen. Die Ausgangsbeschränkung ab 20 Uhr bleibt.

Das Coronavirus ist in Österreich - nach Bundesländern betrachtet -  nach wie vor unterschiedlich stark verbreitet. Derzeit am kleinsten sind seine Fallzahlen im Westen: Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in Vorarlberg derzeit bei 76, in Salzburg liegt sie indes über 200, auch Kärnten ist doppelt so hoch, wie Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) am Dienstag betonte.

Er sowie auch Experten seien daher der Meinung, dass das Land einen anderen Weg gehen könne als der Rest der Republik. Zwar seien die - teils ansteckenderen - Mutationen des Coronavirus auch in Vorarlberg zu finden, jedoch wesentlich geringer als im Rest Österreichs. Die Verhandlungen zogen sich am Dienstag in die Länge. Kurz nach 19 Uhr erklärte die Landesregierung, auf welche Schritte man sich mit dem Bund einigen konnte. Hier einige Eckpunkte:

  • Gastronomie öffnet Indoor und Outdoor am 15. März. Hier gelten die negativen Tests aus den Teststraßen als Zutrittskontrolle,  Selbsttests werden nicht anerkannt. Die Ausgangsbeschränkungen bleiben aufrecht, das heißt um 20 Uhr müssen die Gäste zu Hause sein. Betreten werden darf die Gastronomie folglich nur zwischen 6 und 19 Uhr. Pro Tisch dürfen maximal vier Personen Platz nehmen bzw. alle Personen eines Haushalts.

  • Alle Veranstaltungen bis zu einer Größenordnung von 100 Personen werden zugelassen. Es muss allerdings zugewiesene und gekennzeichnete Sitzplätze geben. Maximal 50 Prozent des Fassungsvermögens eines Raums dürfen indoor belegt sein. Es gilt eine ständige FFP2-Maskenpflicht - auch am Sitzplatz. Zwischen Haushalten muss ein Sitzplatz frei gelassen werden. Als Zutritt benötigt man einen negativen Coronatest - das kann auch ein registrierter Selbsttest sein (siehe weiter unten). Hochzeitsfeiern sind explizit nicht erlaubt.

  • Vereinsleben für Kinder und Jugendliche: Kinder und Jugendliche brauchen bei Indoor-Aktivitäten einen Selbsttest, der auch vor Ort durchgeführt werden können soll. Für Outdoor-Aktivitäten ist kein Test erforderlich. Die Aktivitäten sind bis zum vollendeten 18. Lebensjahr wieder erlaubt, außer für Sportarten mit häufigem Körperkontakt. Fußball darf also etwa mit Abstand trainiert, aber kein Match ausgetragen werden. Outdoor darf mit 20, indoor mit 10 Kindern/Jugendlichen gleichzeitig trainiert werden. Indoor herrscht außerdem eine altersgemäße Maskenpflicht (sofern das der Aktivität nicht vollkommen entgegensteht wie in der Blasmusik).

  • Bei allen genannten Bereichen gibt es eine Registrierungspflicht. Man müsse wissen, wer wo teilgenommen hat.

  • Auch Selbsthilfegruppen werden wieder möglich. Sie werden vom Veranstaltungsverbot ausgenommen. Maskenpflicht und Mindestabstand müssen eingehalten werden.

  • Für Selbsttests muss man sich auf einer Plattform registrieren. Nach einer Kontrolle durch das System wird die Ok-Bestätigung samt QR-Code auf das Handy geschickt, um den Test für einen Eintritt zu Veranstaltungen oder Jugend-Trainings einsetzen zu können. Wie auch die Schnelltests in den Teststraßen haben diese eine Gültigkeit von 48 Stunden. Eine Million dieser Selbsttests wurden vom Land Vorarlberg bestellt.

Eine Öffnung von Gastronomie und für Veranstaltungen bedeute, dass auch die Kontaktzahl wieder steige, daher sei wieder mehr Eigenverantwortung gefragt. Man müsse die bekannten Regeln wie Abstand, Maskentragen und regelmäßiges Händewaschen weiterhin befolgen.

Landeshauptmann Wallner sprach von einem Versuch, "bei steigenden Zahlen einen Öffnungsschritt zu setzen und nicht von einem Lockdown in den nächsten zu stolpern". Dazu brauche es die Mithilfe der Bevölkerung. Sollte die "Entwicklung aus den Fugen geraten", so müsste man die Öffnungen überdenken. Wallner wollte diesbezüglich aber keine Inzidenz-Zahl nennen, viele Faktoren müssten berücksichtigt werden. Es werde nach der Öffnung drei bis vier Wochen dauern, um die Auswirkungen tatsächlich festmachen zu können. Falls sich die Schritte bewähren, könnte man über weitere reden, so der Landeshauptmann. Von Bundesseite aus werde die Öffnung in Vorarlberg jedenfalls wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

In den vergangenen Tagen habe man „besonders intensiv bis tief in die Nacht hinein“ verhandelt und auch mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) habe er „sozusagen unter vier Augen“ telefoniert, führte Wallner schon tagsüber aus, um sanfte Öffnungen ab dem 15. März zu fixieren. „Wir haben dem Bund klar vermittelt: Wenn Vorarlberg etwas will, dann mit Konzept“ - und zwar einem, das nicht nur gewisse Lockerungen bringe, sondern, das verständlich und „auch gerecht“ sei. Es gehe darum, mit Vorbildfunktion voranzugehen. Das könne auch ein Lichtblick sein in einer Zeit, in der die Corona-Müdigkeit immer mehr zunehme.

Kritik von der Wirtschaft

Die Vorarlberger Wirtschaftskammer hat die anstehende Öffnung zwar als "wegweisend" gelobt, aber die Sperrstundenregelung als Wermutstropfen kritisiert. Auch die Neos bemängeln die Ausgangsbeschränkung, "als ob nach 20 Uhr die Ansteckungsgefahr steigen würde", so Neos-Gesundheitssprecher Gerald Loacker. "Wozu sollte ein Theater, ein Kino öffnen, wenn ab 20.00 Uhr die Ausgangsbeschränkungen in Kraft treten?", fragte Neos-Mann Locaker und sprach von "Scheinöffnungen". Auch für einen Gastronomen werde sich die Öffnung bis 20 Uhr in der Regel nicht rechnen. Aber wer öffnen dürfe, bekomme keinen Umsatzersatz. "So ist der Ruin von vielen Gastronomen ein sicheres Ergebnis dieser halbherzigen Öffnung", so Loacker.

 FPÖ Vorarlberg-Chef Christof Bitschi empfand verpflichtende Antigen-Eintrittstests als "massive und unnötige Einschränkung". Er wies darauf hin, dass lediglich 0,1 Prozent der Bevölkerung in Vorarlberg Covid-positiv sei. "Dass sich angesichts dessen alle Vorarlberger alle zwei Tage einem Antigen-Test unterziehen müssen, damit sie auf einen Kaffee gehen dürfen, steht in keinem Verhältnis", stellte er fest. Bitschi hätte sich zumindest eine Lösung mit Selbsttests als Zutrittserlaubnis erwartet. Auch die Sperrstunde um 20 Uhr kritisierte er. "Aufgrund der strengen Vorgaben werden die Öffnungsschritte für viele Betriebe nicht die erhoffte Rettung bringen", verlangte er Hilfe der Landesregierung für betroffene Betriebe.

In Zahlen

In Vorarlberg ist die Zahl jener, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, am Montag unverändert geblieben: Dem Dashboard des Landes zufolge standen 40 Neuinfektionen 40 Genesungen gegenüber, damit gelten derzeit weiterhin 423 Personen als Corona-positiv.

Von den landesweit zur Verfügung stehenden 52 Intensivbetten sind mit Stand Dienstagvormittag vier von Corona-Patienten belegt, 22 Intensivbetten sind für alle Patientengruppen noch verfügbar. Insgesamt werden derzeit 25 Corona-Erkrankte stationär betreut.

(klepa/hell)