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Die Ich-Pleite

Zu jung zum Impfen

Carolina Frank
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Sicher bin ich im Moment nicht die Einzige, die sich so jung fühlt. Zu jung eigentlich.

Seit einigen Wochen fühle ich mich wieder richtig jung! Ich könnte nächtelang durchtanzen! Tagsüber bin ich dann leider zu müde für die Schule. Außerdem habe ich keine Zeit zum Lernen wegen der Instagram-Videos. Ich will ja nicht, dass meine Freundinnen mehr Likes bekommen als ich. Meine Pickel machen mir Sorgen, und meine Eltern finde ich doof. Sicher bin ich im Moment nicht die Einzige, die sich so jung fühlt. Zu jung eigentlich. Zu jung zum Impfen auf jeden Fall. Meine Tante zum Beispiel würde ihre gesamten Rotweinvorräte hergeben, um so alt wie ihre Schwester zu sein. Über 80 nämlich. Aber da ist die Geburtsurkunde natürlich unerbittlich. Dafür ist meine Tante Kettenraucherin. Aber ich weiß nicht, ob das als "Vorerkrankung" gilt oder ob das ein falsches Signal an die Jugend wäre, die derzeit ja besonders viel Geduld braucht.

Geht es nach den Prioritätskriterien in der Impfschlange, sind wir, die 16-Jährigen und ich, Priorität 7, also letzte Priorität. Meine Lateinlehrerin würde sagen: Das kann man aber nicht mehr als "Priorität" bezeichnen. "Prior" heißt "der Erste". Das Bundesministerium würde vermutlich antworten: Alle Menschen sind Erster. Manche halt ein bisschen ersterer. Priorität 1 bis 6 sind alle über 60 und alle zwischen 16 und 60, die nicht krank, schwanger oder mit Kranken, Schwangeren oder Pflegebedürftigen zusammen sind oder in Politik, Verwaltung, Infrastruktur, Blaulichtorganisationen, Bildung, Handel, Tourismus, dem Spitzensport oder auf der Bühne arbeiten. Da könnte man jetzt fragen, wer bleibt dann überhaupt noch für "Priorität 7"? Alle 16- bis 60-Jährigen. Das Gute an uns Jugendlichen ist: Sollten wir uns mit Corona anstecken, sollten wir eigentlich mit milden Symptomen durchkommen.