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Der neue Seat Leon
Fahrbericht

Seat Leon: Ein Spanier als besserer Deutscher

Was sich bei Seat in den vergangenen Jahren getan hat, ist bemerkenswert. Das einstige Sorgenkind des VW-Konzerns bricht Verkaufsrekorde und überzeugt mit Design und Ausstattung. Den jüngsten Beweis liefert der Leon.

Wien. Man ist als Autofahrer ja nicht ganz frei von Vorurteilen. Wenn es beispielsweise um die Beurteilung der Fahrweise anderer Verkehrsteilnehmer geht – „typisch XY-Fahrer“ – oder auch, wenn es um Automarken geht.

Seat war in unseren Augen immer die Billigstmarke des VW-Konzerns, vor allem qualitativ ein Problemfall. Spricht maximal Junge an, weil die noch wenig Ansprüche stellen. Dachten wir.

Und dann steht der neue Seat Leon vor der Tür, und man muss all seine Vorurteile über Bord werfen. Um das Fazit des Tests gleich vorwegzunehmen: Es ist schwer, ein Kaufargument für ein anderes kompaktes Schwestermodell aus dem Volkswagen-Konzern zu finden. Der Leon sieht gut aus, er fährt sich gut, hat einen ansprechenden Innenraum und bietet alles, was man braucht.

Hochwertiger Innenraum
Hochwertiger Innenraum(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Wer freilich glaubt, mit einer spanischen Version des Golf ein Schnäppchen zu ergattern, hat sich geirrt. Zwischen dem neuen Leon und dem neuen Golf sind mittlerweile nur noch kleine Preisunterschiede. Startpreis beim Leon sind 18.990 Euro, beim Golf 19.070 Euro. Für die Topausstattung (FR- bzw. R-Line bei VW) mit einem 2.0-TDI-Motor mit 150 PS und DSG bezahlt man beim VW Golf 34.460 Euro, beim Seat Leon sind es 31.890 Euro.

Das preisliche Selbstbewusstsein hat gute Gründe. Den ersten merkt man gleich nach dem Einsteigen: Nichts im Innenraum erinnert an eine Billigmarke, es gibt weiche Kunststoffe, Leder an der Türverkleidung, Sportsitze mit gestepptem Stoff, rote Ziernähte, einen großen Touchscreen. Das geht alles schon in Richtung Premium.

Akzente setzt der Leon mit dem über das gesamte Cockpit und entlang der Türen umlaufenden Lichtbogen. Je nach Fahrmodus (Lenkung, Motoransprechverhalten, nicht Fahrwerk) ändert er die Farbe – Rot für Sport, Türkis für Eco – und dient auch als Toter-Winkel-Assistent.

Kleiner Ganghebel dank Shift by Wire
Kleiner Ganghebel dank Shift by Wire(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Shift by wire hält nun auch im Seat Einzug, die Siebengang-DSG wird also nicht mehr mechanisch, sondern elektronisch gesteuert. Das erlaubt einen kleinen Schalthebel und entsprechend mehr Platz für Ablagen. Natürlich auch für induktives Laden des Handys, das man auch an einen der vier USB-Anschlüsse (zwei im Fonds) anstecken kann.

Apropos Handy: Der Leon ist das derzeit smarteste Fahrzeug im Fuhrpark. Apple CarPlay wird sogar kabellos unterstützt. Es gibt ein eingebautes Online-Infotainment-System und etliche Apps, mittels einer (Seat Connect App) kann der Fahrer via Handy auf die Daten des Fahrzeugs zugreifen und sich sogar einen Alarm schicken lassen, wenn eine bestimmte Geschwindigkeit überschritten oder das Auto außerhalb eines festgelegten Bereichs bewegt wird (zum Schutz vor Diebstahl oder vor Kindern, die sich unerlaubt das Auto ausleihen).

Äußerlich fällt die langgezogene Motorhaube auf, die dem Leon ein sportlicheres Aussehen verleiht und in Zusammenspiel mit dem Kühlergrill- und Scheinwerfer-Design an Mazda erinnert. Das durchgängige Lichtband gibt es auch am Heck, dazu dynamisch Blinkerund vorn Voll-LED-Scheinwerfer.

Hinten gibt es ein durchgehendes Leuchtband
Hinten gibt es ein durchgehendes Leuchtband(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

In der Länge ist die vierte Generation um fast neun Zentimeter gewachsen, das bringt mit dem größeren Radstand (2,86 Meter) mehr Platz für die Passagiere im Fonds und mehr Kofferraumvolumen: 380 Liter minimum, 1301 Liter bei umgelegten Sitzen.

Kein GTI

Ein GTI ist der Leon nicht, mit mehr als 150 PS wird er nicht angeboten. Unser Testmodell begnügte sich mit einem Dreizylinder-Benzinmotor mit 110 PS. Das typische Schnarren drang auch bei bemüht sportlicher Fahrweise nur sanft in den gut gedämmten Innenraum. Ein Mild-Hybrid-System übernahm hin und wieder das sanfte Gleiten. Am Ende blieb ein Verbrauch von 6,2 Liter auf 100 Kilometern. Beeindruckend arbeitet sich die DSG durch die sieben Gänge. Man musste sich schon konzentrieren, um den Gangwechsel zu bemerken.

Der Leon ist ein bemerkenswertes Auto, das die beeindruckende Entwicklung bei Seat in den vergangenen Jahren – noch beeindruckender als jene bei Škoda – beweist. Mitverantwortlich für den Erfolg war Luca de Meo, der auch der Vater der Seat-Sportwagenmarke Cupra ist. Er leitet seit vergangenem Jahr die Geschicke von Renault. Warten wir ab, was dort möglich ist . . .

 

 

Daten: Seat Leon FR 1.0 eTSI DSG

Maße. L/B/H: 4368/1800/1456mm; Radstand: 2686mm; Wendekreis: 10,5 m; Gepäckraumvolumen: 380 bis 1301 Liter. Leergewicht: 1330 kg.
Motorisierung. Dreizylinder-Benzinmotor; Hubraum: 999 cm3; 81 kW/110 PS; 0–100 km/h: 10,8 Sekunden; Siebengang-DSG.
Verbrauch. 5,5–5,8 Liter/100 km; CO2: 124–132 g/km; Testverbrauch: 6,2 Liter.
Preis. Ab 18.990 Euro. Preis des Testautos: 32.109 Euro.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2021)