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Baupoesie

Kengo Kuma: Häuser wie Märchen

"Great Bamboo Wall", in der Nähe von Beijing.(c) (c) DAICI ANO / FWD
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Der japanische Architekt Kengo Kuma balanciert in seinen Entwürfen die Tradition und die Gegenwart behutsam aus. Oder manche sagen auch: poetisch. Das zeigt auch das Buch "Topography", das Kumas Ansatz porträtiert.

„Mein Hauptaugenmerk in meiner Arbeit lag in den 1990er Jahren darauf, die Architektur verschwinden zu lassen“, schreibt Kengo Kuma in der Einleitung zu „Topography“. Schon damals: Zuviel Architektur. Falsch: Schon damals zuviel gebaut, das gar keine Architektur ist. Und vor allem auch zuviel gebaut, das Ansprüche als Bauwerke ausformuliert, die alles andere als nachhaltig sind. Eher kurzsichtig und kommerziell motiviert. Kuma ist ein japanischer Architekt der globalen Architektur. Doch er setzt der globalen Architektur seine tiefe Überzeugung als Gestalter entgegen: Der Architekt muss ausgleichend wirken, zwischen dem Gebauten und der Landschaft, aber auch: zwischen der Tradition der Gestaltung und den gestalterischen Ansprüchen der Gegenwart. Und das sind nun mal auch soziale, ökonomische und ökologische. Dafür kitzelt er auch in seinen Entwürfen und Projekten die geheimnisvolle Poesie der japanischen Gestaltungskultur heraus. Wie ein Literat, der auch aus dem Alltag und vermeintlich Banalen Ästhetik und Gefühle ziehen kann, so liest Kuma als Architekt auch zwischen den Zeilen der Wahrnehmung. Wenn plötzlich in der Gestaltung Dinge in den Vordergrund rücken wie der Schatten etwa. Allein dieser steckt voller Poesie für den japanischen Architekten - wenn man ihn denn richtig lesen kann und noch dazu in Entwürfe übersetzen. Aber auch in den Materialien steckt für Kuma mehr als nur Nutzen und technische Eigenschaften. Den Materialien zollt der Architekt größten Respekt. Er „hört ihnen zu“, wie er selbst einmal gesagt hat. Er lernt von ihnen und kann sie dadurch auch dem als Alternativen gegenüber stellen, was die Welt schon viel zu hemmungslos überzogen hat, Stahl, Glas und Beton. 

Das National Stadium in Tokio, das Zentrum der Olympischen Sommerspiele diesen Jahres

Aber auch das H.C. Andersen Haus in Odense, ein Museum, das im Sommer 2021 eröffnen soll, zeugt von Kengo Kumas gestalterischem Ansatz: Schlussendlich sollen - dem Konzept nach -  Landschaft, Architektur und modernes Ausstellungsdesign überblenden zu dem, was man sich heute von Museen erwartet: Erlebnis. Ein Haus wie ein Märchen soll es im Endeffekt sein, als Neuinterpretation der Erzählung „Das Feuerzeug". Anleihen beim „Narrativ“ des großen Erzählers, das er in vielen seiner Märchen angelegt hat, hat sich der Architekt für seinen Entwurf genommen: „Die Idee hinter der Architektur ähnelt der Methode von Andersen, bei der eine kleine Welt sich plötzlich zu einem größeren Universum ausdehnt“, sagte Kuma über seinen Entwurf. 

Das H.C. Andersens Hus Museum in Odense, entworfen von Kengo Kuma

"Kengo Kuma: Topography"

Eine Monographie des japanischen Architekten, die den weiten Bogen aufblättert, den Kuma in seiner gestalterischen Karriere bereits geschlagen hat. Von der spektakulären „Bamboo Wall“ bis zum National Stadium in Tokio. Erschienen bei Images Pub.