Er ist Mitglied im Kirchenchor, kämpft für Mundart und Automobilstandort und ist auch an der CDU-Basis populär: Winfried Kretschmann, der erste und einzige grüne Ministerpräsident Deutschlands, steht in Baden-Württemberg vor einem Wahltriumph.
Stuttgart. Vor einigen Jahren besuchte der damalige ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg. Die beiden verstanden sich prächtig und plauderten stundenlang. Mitterlehner soll sich danach gewundert haben, wie später andere ÖVP-Politiker auch. Tenor: Dieser eher wirtschaftsliberale Landesvater soll ein Grüner sein? So erinnert es ein Delegationsmitglied.
Am Sonntag wählt der wohlhabende Südwesten Deutschlands. Und wenn die Umfragen nicht völlig daneben liegen, werden Kretschmanns Grüne in der einstigen CDU-Hochburg wie 2016 auf Platz eins gewählt. Die Frage in Stuttgart lautet in diesen Tagen nicht, ob Kretschmann künftig regiert, sondern eher, mit wem er das tun wird. Weiter mit der CDU? Oder mit FDP und SPD? Oder reicht es für Grün-Rot?