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Streamingtipps

Im goldenen Käfig: Die besten fünf Filme über Edelkerker

Nicht nur Royals wie Harry und Meghan fühlen sich gefangen im Luxusleben. Auch Vorstadttöchter, Billionärsbengel und Fernsehstars leiden unter dem Joch von „Noblesse oblige“. Fünf Filmempfehlungen.

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The Virgin Suicides

Von Sofia Coppola, 1999
Zu sehen auf Amazon und Sky

Wenn sich reiche Menschen als arme Teufel gerieren, ist man geneigt, die Stirn zu runzeln: So schlimm kann es doch nicht sein im parfümierten Luxuslotterland! Entscheidend ist aber die persönliche Positionierung auf dem Parkett der Hautevolee: Während sich manche in der goldenen Hängematte räkeln, schmachten andere im goldenen Käfig. Und der muss kein Palast sein, wie die Filme von Sofia Coppola – selbst Spross eines einflussreichen Hollywood-Clans – immer wieder zu vermitteln suchen. Coppolas Œuvre widmet sich den Seelenleiden jener, denen es materiell an wenig mangelt.

Oft handelt es sich um junge Frauen: Sei es die freigeistige Kultkönigin aus „Marie Antoinette“ (auf Sky), die Tochter eines wohlstandsverwahrlosten Schauspielers in „Somewhere“ – oder, in Coppolas berückendem Debüt „The Virgin Suicides“, fünf überbehütete Schwestern aus Michigans Speckgürtel. Für die pubertierenden Buben aus der Nachbarschaft dient das Teenagerquintett als feengleiches Fantasiefutter. Äußerlich scheinen sie unbeschwert, schweben zu den Klängen von Airs „Playground Love“ über den Rasen. Auch die Sonne singt – doch hinter verträumten Fassaden verkümmert versagtes Verlangen nach Freiheit. (and)

Richie Rich

Von Donald Petrie, 1994
Zu sehen auf Netflix

Im österreichischen Fernsehen war Macaulay Culkin neben seinem Titelauftritt in „Kevin - Allein zu Haus“ wohl am öftesten als Billionärsbengel Richie Rich zu sehen. Die Comicverfilmung ist genauso drollig und sentimental wie ihre Vorlage, auch aufgrund ihrer weltvergessenen Überbrückung des Wohlstandsgefälles: Selbst Gassenkinder schließen den kleinen Krösus ins Herz. Dafür bot der Film weniger gutbetuchtem Jungpublikum seligste Wunscherfüllung: Richie hat in seinem Anwesen eine McDonalds-Filiale nur für sich, eine Privatachterbahn und wie Batman (noch so ein einsamer Pfeffersack) einen britischen Butler auf Abruf. Die Moral? Geld garantiert kein Glück, macht aber ordentlich was her. (and)

The Truman Show

Von Peter Weir, 1998
Zu sehen auf Netflix

Immer im Mittelpunkt stehen, von allen geliebt und von jedem gesehen. Gleichsam von Adel geboren, obwohl man nicht anders ist als die anderen – ist das nicht unser aller Traum im Zeitalter des Digitalnarzissmus? Dass diese Vorstellung auch ihre Tücken hat, legten Regisseur Peter Weir, Drehbuchautor Andrew Niccol und Starkomiker Jim Carrey bereits 1998 auf einprägsame Weise dar. Im Konzeptfilm „The Truman Show“ ist der künstliche Kleinstadt-Käfig, in dem die ahnungslose Hauptfigur ihr an sich angenehmes Dasein fristet, zwar nicht aus Gold, aber dank heimlicher Überwachung total transparent – und jedweder Selbstverwirklichung ebenso abträglich. In vielerlei Hinsicht prophetisch, bis heute. (and)

 

The Gilded Cage

Kurzfilm von 1915
Kostenlos zu sehen im Online-Filmarchiv der National Film Preservation Foundation

Schon im frühen Kino begegnet man dem Motiv des „goldenen Käfigs“. Meist sind es Frauen, die in Geschichten über unglückliche Ehen vor der Kamera darben müssen. Manche führten immerhin auch Regie, etwa die US-Filmpionierin Ruth Stonehouse. Erhalten ist leider nur eine ihrer Regiearbeiten. Dafür kann man im Kurzstummfilm „The Gilded Cage“, der von der Library of Congress als historisches Wertobjekt digitalisiert wurde, kostenfrei ihre Schauspielkunst bewundern. Der Film folgt den Gepflogenheiten eines klassischen Moralstücks: Eine Jungfer verschmäht ihren Liebhaber zugunsten eines reichen Freiers, der ihr aber Unglück bringt. Stonehouse gibt die anständige Stiefschwester. (and)

Swallow

Von Carlo Mirabella-Davis, 2019
Zum Leihen oder Kaufen bei diversen Anbietern, ab 3,99 Euro

Es wirkt wie eine seltsam entrückte Parallelwelt: In einer delikat durchgestylten modernen Villa umgeben von blassen Wäldern wartet Hunter (Haley Bennett), stets fein herausgeputzt, auf ihren Ehemann, der jeden Abend mit dem einzigen Auto von der Arbeit heimkehrt. Die Krawatte falsch gebügelt? Der Mann verzeiht seufzend. Ein Baby ist unterwegs. Sie sei so glücklich, sagt Hunter mit schüchternem Lächeln. Natürlich glaubt man ihr nicht. Szene für Szene enthüllt Regisseur Carlo Mirabella-Davis in provokant sanften Bildern das Ausmaß ihrer Unterdrückung: Kontrolliert von ihrem Mann und den wohlhabenden Schwiegereltern, wird Hunter keinerlei eigener Wille zuerkannt.
Sie holt sich die Kontrolle auf gefährliche Art zurück. Sie schluckt – Dinge, die nicht zum Verzehr gedacht sind: eine Murmel, einen Reißnagel, sogar eine Batterie. Das sogenannte Pica-Syndrom wird zum Symbol ihrer leisen Rebellion, und je mehr Dinge sie durch ihren Verdauungstrakt schickt (und säuberlich auf einem Tablett aufreiht), desto eher verliert sie das Porzellanpuppenhafte, desto realer wird ihre Umgebung. Ein schlau konstruiertes, perfekt gespieltes Psychodrama, das fasziniert und verstört. (kanu)

 

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