Bawag-Verkauf fixiert: US-Fonds Cerberus erhält den Zuschlag

Das Cerberus-Konsortium zahlt mehr als drei Milliarden Euro. Dem ÖGB sollen 2,6 Milliarden zufließen. Die Pläne sehen keine Filetierung der Bank und keinen massiven Jobabbau vor. Die sanierte Bawag soll nach fünf Jahren an die Börse.

WIEN. Die Bieterschlacht um die Bawag ist entschieden: Der Zuschlag geht an das Konsortium des US-Fonds Cerberus. Mit im Boot hat der Höllenhund die Generali Versicherung und die heimische Wüstenrot-Gruppe. Ebenfalls mit an Bord ist die Österreichische Post, die sich mit bis zu zehn Prozent an der Bawag beteiligen wird. Die Post hatte sich erst am Dienstag entschieden, sich bei Cerberus zu engagieren. Eine weitere,  "feine" österreichische Investorengruppe, wie ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer wörtlich meinte, ist mit von der Partie. Ex-Finanzminister und Investor Hannes Androsch hat sich mit der Tiroler Familie Marsoner und dem Fruchtsafthersteller Rauch zusammengetan und Anteile an der Bawag erworben. Wie hoch die Anteile sind, ist noch nicht bekannt.

Cerberus wurde nach der Bieterschlacht um die Bawag von der Investmentbank Morgan Stanley als Bestbieter gereiht. Die Entscheidung fiel einstimmig, teilte ÖGB-Präsident Hundstorfer Donnerstagabend die Entscheidung des ÖGB-Präsidium und des ÖGB-Bundesvorstands mit.

Mit einem Verkaufserlös von 3,2 Milliarden Euro ist der Bawag-Verkauf einer der teuersten Banken-Deals der heimischen Wirtschaftsgeschichte. Mit diesem Betrag ist der durch die Karibik-Affäre der Bawag schwer angeschlagene Gewerkschaftsbund auch finanziell einigermaßen aus dem Schneider. 2,6 Mrd. Euro sollen den ÖGB fließen, der Rest wird für die Bawag verwendet.

Der Kaufvertrag soll noch vor Weihnachten unterschrieben und ein Teil der Kaufsumme noch vor Jahresende an den in schweren Finanznöten steckenden ÖGB überwiesen werden. Wie hoch der Schuldenstand des Gewerkschaftsbundes nach der Überweisung des Verkaufserlöses tatsächlich ist, darüber wird vorerst noch spekuliert. Insider gehen davon aus, dass der ÖGB nach dem Verkauf seines Familiensilbers in etwa schuldenfrei sein wird.

ÖGB: "Historischer Tag"

"Das ist ein historischer Tag, weil nach dem Verkauf ein Großteil unserer wirtschaftlicher Probleme gelöst sein wird. Es ist aber auch ein Wermutstropfen, wenn man so eine Bank verkaufen muss", meinte Hundstorfer bei der Pressekonferenz unmittelbar nach der Verkaufsentscheidung.

Die bei Verkäufen von Industriebeteiligungen an ausländische Investoren eher empfindlich reagierenden Gewerkschafter zeigten sich in diesem Fall weniger kritisch: "Ich muss zufrieden sein. Das hätte sich vor wenigen Monaten keiner erwartet", meinte etwa Wilhelm Haberzettl, Chef der Eisenbahnergewerkschaft.

Entspannung ist auch aus Sicht der Steuerzahler angesagt: Die 900 Millionen Euro schwere Bundeshaftung wird laut Hundstorfer nach dem nun erzielten Verkaufserlös nun nicht schlagend.

"Zuckerln" für den ÖGB

Den Ausschlag für Cerberus gegeben haben dürfte neben dem Kaufpreis aber auch das strategische Konzept, das zahlreiche "Zuckerln" für den ÖGB und die Bawag enthielt. Der Fonds gibt eine Arbeitsplatzgarantie für die Bawag-Beschäftigten ab. Außerdem will er nur die bankfremden Beteiligungen - etwa Stiefelkönig, ATV oder Bösendorfer - verkaufen.

Eine Filetierung, also die Abgabe ganzer Geschäftszweige, sei in den kommenden fünf Jahren nicht möglich. Gleichzeitig wird der neue Eigentümer zwei Jahre lang keine Dividenden entnehmen.

Wie jeder Finanzinvestor ist Cerberus nur eine Zwischenlösung. Er wird die angeschlagene Bank sanieren und sie dann _ frühestens nach etwa fünf Jahren _ an die Börse bringen. Beim Börsengang will der Fonds, der etwa 15 Prozent Rendite pro Jahr auf das eingesetzte Kapital anpeilt, Kasse machen. "Der Preis ist alles andere als ein Schnäppchen. Das investierte Geld zurück zu verdienen wird nicht einfach", meinte Androsch in einer ersten Reaktion.

Enttäuschte Bayern

Die Bayerische Landesbank, die gegenüber Cerberus den Kürzeren zog, zeigte sich ob der Niederlage in einer ersten Reaktion enttäuscht. Allerdings werde die Geschäftsbeziehung mit der Bawag fortgesetzt. Was wohl auch in Wien erfreut aufgenommen werden wird. Die Bawag hat noch einen 400 Millionen Euro schweren Kredit bei den Bayern laufen.


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