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Vom Logisthai zum „Butroller“

Kampf gegen die Papierflut. Die Digitalisierung macht auch vor der Buchhaltung nicht halt – Kenntnisse einschlägiger Software ist für Buchhalter in Zukunft Pflicht.
Kampf gegen die Papierflut. Die Digitalisierung macht auch vor der Buchhaltung nicht halt – Kenntnisse einschlägiger Software ist für Buchhalter in Zukunft Pflicht.Getty Images/iStockphoto
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Digitale Buchhaltung. Sammelten die Buchhalter im Griechenland des fünften Jahrhunderts noch Schlussabrechnungen, geht heute alles mit wenigen Klicks. Doch die wollen gelernt sein.

Für die Logisthai, wie die Vorläufer der Buchhalter im alten Griechenland hießen, war es natürlich unvorstellbar, die Schlussabrechnungen der Kassenbuchhalter des attischen Seebundes mittels PC zu erledigen. Aber auch Anfang der 2000er-Jahre sammelten Buchhalter noch postalisch übermittelte Belege, werteten sie aus und archivierten sie. „Das, was wir heute automatisiert machen, hat Mitte der 2010er-Jahre Fahrt aufgenommen“, sagt Leopold Fischl, CFO von Ibis Acam. Durch die Geschwindigkeit und Effizienz von digitalisierter Buchhaltung gewinne man viele verschiedene Auswertungsmöglichkeiten. „Ein mittelständisches Unternehmen kann beispielsweise mit der entsprechenden Vorgangsweise die Monatsabläufe so verkürzen, dass bereits ab dem fünften Tag eines Monats die aktuellen Zahlen vorliegen“, erklärt Fischl.

 

Kleine nutzen noch Papier

Das Schwesterunternehmen ARS bietet dazu das Seminar „Digitalisierung, Rechnungswesen und Verwaltung für mittelständische Betriebe“ an. Darin wird wahlweise online oder im Präsenzunterricht vermittelt, in welchen Bereichen digitale Transformation stattfindet, wie Digitalisierung im Rechnungswesen konkret aussieht und wie man sie in der Organisation verankert. „Der Digitalisierungsgrad in der Buchhaltung ist sehr von der Betriebsgröße abhängig. Bei den Kleinst- und Kleinunternehmen bis zu 50 Mitarbeitern, die ich in meiner langjährigen Tätigkeit als Buchhalter überblicken kann, wird nach wie vor auf die altbewährte Papierbuchhaltung gesetzt“, sagt Armin Wanke, Wifi-Trainer für Buchhaltung, Bilanzierung und Buchhaltung mit PC. Das gehe sogar so weit, dass digitale Belege ausgedruckt und weiterbearbeitet würden. Bereits länger bestehende Unternehmen seien etwas zögerlicher bei der Umstellung auf das papierlose Büro. „Neu gegründete Unternehmen haben weniger Berührungsängste und starten oft von Beginn an mit der digitalen Buchhaltung.“ In Ober- und Niederösterreich sowie in der Steiermark bieten die Wifis Praxisseminare zu digitaler Buchhaltung an. Dabei bekommen die Teilnehmer einen Handlungsleitfaden für die erfolgreiche Umstellung von der klassischen Buchhaltung auf die vollständig digital organisierte. An den Wifis in Tirol, Kärnten und Salzburg wird „Buchhaltung am PC mit RZL inklusive Digitalisierung“ angeboten (Anm.: RZL ist ein Softwareprogramm). Dieses Seminar verbindet Buchhaltungskenntnisse mit den Möglichkeiten der Digitalisierung in der Buchhaltung.

 

Vorschriften als Bremser

„Warum wir im Bereich der Digitalisierung noch nicht weiter sind, liegt möglicherweise auch an ehemaligen steuerlichen Beschränkungen. Bis 2012 war es für den Vorsteuerabzug notwendig, dass eine Papierrechnung vorlag. Elektronische Rechnungen mussten eine amtliche Signatur aufweisen – das war für viele eine Hürde“, erklärt Wanke.

An der Campus Wien Academy startet im Herbst 2021 das Zertifikatsprogramm „Digitalisierung im Steuer- und Rechnungswesen“. In neun Modulen werden Interessierte anhand praxisorientierter Szenarien mit den Kerntechnologien der Digitalisierung, deren rechtlichen Rahmenbedingungen sowie entsprechenden Tools und Einsatzmöglichkeiten vertraut gemacht. Buchhaltungs-, Steuer-, Rechnungswesen-, Finanz- und IT-Experten würden künftig interdisziplinär an Lösungen arbeiten müssen, sagt Franz Gatterer, Leiter der Campus Wien Academy: „Das kann nur funktionieren, wenn sie die ,gleiche Sprache‘ sprechen. Aus diesen Bedürfnissen heraus hat sich das Berufsbild des Digital Translators entwickelt.“ Dieser versteht die Inhalte aus beiden Fachbereichen und kann so eine digitale Lösung für ein meist analoges Problem herbeiführen.

 

Buchhalter wird Controller

„Das ist für veränderungswillige Buchhalter den Weg vom Buchhalter zum ,Butroller‘ – Buchhaltung verschmilzt mit Controlling. Weiters sind mit dem digitalen Wandel eine enorme Zeitersparnis und damit raschere, tagfertige Informationsverfügbarkeit verbunden“, erklärt Roland Beranek, Leiter der BMD-Akademie. Gemeinsam mit der Akademie für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bildet man in drei Modulen Diplom-Buchhalter mit BMD aus. Einzigartig sei dabei die nahtlose Umsetzung von Echtbelegen in die Software. Diese Belege buchen die Teilnehmenden selbst am Computer um. So sei ein Wissenstransfer von der Theorie in die Praxis garantiert.

Neben einem fundierten Basiswissen müssen Personen, die im Rechnungswesen tätig sind, fähig sein, „Zahlenwerke, die sie erstellen, auch zu ,verkaufen‘ und – da sie ein Gesamtbild über das Unternehmen erstellen – auch bereit sein, in Teams und Netzwerken zusammenzuarbeiten und vor allem ihren Wissensstand rechtzeitig und laufend zu erneuern“, sagt Helga Hanslik-Czadul, Vizepräsidentin des Bundesverbands österreichischer Bilanzbuchhalter. Wenn es gelinge, „Kunden“ möglichst rasch und verständlich mit den für Entscheidungen notwendigen Informationen zu versorgen, und das unter der Prämisse, zeit- und kostensparend zu arbeiten, könne man von einem erfolgreichen Buchhalter sprechen.

LINKS

Ausbildungen für digitale Buchhaltung (Auswahl):

• Akademie für Recht u. Steuern www.ars.at

• Wifi: www.wifi.at

• Campus Wien Academy www.campusacademy.at

• Akademie der Steuer- und Wirtschaftsprüfer: www.akademie-sw.at

• Bundesverband für Bilanzbuchhalter

www.boeb-austria.at/weiterbildung

• BDM-Akademie: www.bmd.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2021)