Reale Marktkräfte bedrohen langfristig Goldpreis

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gold(c) AP (Kirsty Wigglesworth)
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Der Goldpreis jagt von einem Rekordpreis zum nächsten. Doch Experten waren vor einem jähen Abfall - denn Schmuckhersteller steigen verstärkt auf andere Materialien um. Außerdem laufen bald viele Hedging-Deals ab.

Spätestens seit Ausbruch der Finanzkrise hasten Investoren in Scharen zu den Goldhändlern, um sich mit dem als besonders sicher geltenden Edelmetall einzudecken. Seither steigt der Goldpreis mit kleinen Schwankungen fast stetig und erklimmt einen Rekordwert nach dem anderen. Erst am Freitag knackte Gold die Marke von 1279 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Sicher gegen alles - außer der Basis

Mittlerweile gilt Gold als resistent gegen praktisch alle  Preisgefahren, die vom Finanzmarkt oder den Volkswirtschaften ausgehen. Auch wenn Investoren-Legende George Soros noch zu Jahresbeginn vor Gold als "ultimativer Blase" warnte.

Das auf Edelmetalle spezialisierte Beratungshaus GFMS warnt aber vor einer fundamentalen Gefahr für den Goldpreis, wie die "Financial Times Deutschland" berichtet: Goldproduzenten haben in jüngster Vergangenheit massiv ihre Sicherungsgeschäfte gegen sinkende Preise aufgelöst - zum Beispiel Termingeschäfte mit fixierten Preisen. Diese "Hedging"-Geschäfte stützten den Goldpreis in den vergangenen Monaten. Wenn nun diese Geschäfte auslaufen, ist mehr Gold zu "ungesicherten" und damit potenziell niedrigeren Preisen am Markt.

Gold nicht mehr schmuck

Eine weitere, eigentlich naheliegende Gefahr geht von wichtigen Goldkäufern aus: Den Schmuckherstellern. Ihnen wurde Gold schlicht zu teuer, weshalb sie weniger Gold in ihren Produkten verarbeiten. Dadurch sinkt die Nachfrage nach Gold. Außerdem stoßen Anleger ihre Goldreserven auch in Österreich zunehmend ab. So konnte die Münze Austria von Jänner bis August 2010 um über 40 Prozent weniger "Philharmoniker" verkaufen als noch vor einem Jahr.

Wenn die Goldhersteller auch noch ihre Produktion erhöhen, wie GFMS es erwartet, etwa weil durch den hohen Preis auch teurer zu gewinnendes Gold rentabel wird, treffen zwei fundamentale Marktkräfte in die gleiche Richtung aufeinander: Mehr Angebot und weniger Nachfrage, was normal zu sinkenden Preisen führt. Wann die Trendwende kommen könnte, sei allerdings schwer zu prognostizieren. Die meisten Experten gehen aber davon aus, dass die Goldpreise noch über die nächsten Monate hoch bleiben, wenn nicht sogar noch steigen werden.

(ebl)

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