Abschluss. Offene Haftungsfragen sorgten bis zum Schluss für Differenzen zwischen Cerberus und ÖGB.
wien (dom/ju/APA). Die Bawag ist endgültig an den US-Fonds Cerberus verkauft, Generaldirektor Ewald Nowotny bekommt einen Fünfjahresvertrag und bleibt auch unter dem neuen Eigentümer Bawag-Chef, für seinen Stellvertreter Stephan Koren ist das aus derzeitiger Sicht nicht so sicher. So sieht die Situation der Gewerkschaftsbank zum Jahreswechsel aus.
Der endgültigen Unterschrift unter die Bawag-Kaufverträge, die Freitagabend und damit gerade noch vor dem Jahreswechsel erfolgte, war freilich ein zwei Wochen langes Ringen zwischen dem Bawag-Verkäufer ÖGB und dem US-Fonds vorausgegangen, der wesentlich handfestere Gründe hatte als die von der Gewerkschaft angegebene "Verzögerung bei der Übersetzung der Verträge": Wie aus Verhandlerkreisen zu erfahren war, sollen nach der Paraphierung der Verträge am 14. Dezember noch Haftungsfragen für mögliche Risken (unter anderem bei Bawag-Töchtern) aufgetaucht sein, um deren Übernahme bis zum Schluss verbissen verhandelt wurde.
Der US-Fonds Cerberus dürfte dabei in der entschieden besseren Position gewesen sein, denn der Gewerkschaft, die den Verkaufserlös aus der Bawag dringend benötigt, lief die Zeit davon. Das Faktum, dass die Unterschrift unter einen derart umfangreichen Vertrag ohne große Formalitäten am Abend des letzten Werktages des Jahres und ohne Teilnahme von Top-Managern von Cerberus (die, ebenso wie ÖGB-Chef Hundstorfer, auf Weihnachtsurlaub weilen) durchgezogen wurde, ließ Gerüchte aufkommen, der ÖGB würde den Abschluss aus Gründen der Bilanzierung unbedingt noch vor Jahresschluss benötigen.
Der ÖGB dementierte allerdings diese Gerüchte, denen zufolge der Gewerkschaft bei einem späteren Abschluss ab Jahresbeginn 2007 die Überschuldung (und damit die Insolvenz) gedroht hätte.
Unterschrieben wurde der Verkaufsvertrag von ÖGB-Finanzchef Clemens Schneider und von Heinz Gehl, dem Chef der ÖGB-"Schuldenholding" AVB, der die Bawag formell gehört. Für Cerberus setzte ein Vertreter der niederländischen Tochtergesellschaft seine Unterschrift unter den "schwierigsten Bankenverkauf Europas", wie ÖGB-Chef Hundstorfer den Deal bezeichnet hatte. Wie berichtet bezahlt Cerberus für die Bawag 3,2 Mrd. Euro, davon gehen 2,6 Mrd. Euro direkt an den derzeitigen Eigentümer ÖGB.
Fest steht, dass der US-Fonds zum Zeitpunkt des "Zuschlags" der Bawag noch nicht über alle Dokumente verfügt hat. Unter anderem wurde der für den Deal nicht ganz unwichtige Bericht der internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG über die Bawag den Cerberus-Vertretern erst am 15. Dezember übergeben. Cerberus-Vertreter zeigten sich in den Tagen vor dem "Signing" sichtlich verärgert über die Vorgangsweise der Gewerkschaft und deren Investmentbank Morgan Stanley.
Wie berichtet enthält der Vertrag auch eine Vorbehaltsklausel für noch auftretende Risken: Bis zu 400 Mio. Euro müssen diese von Cerberus "geschluckt" werden, darüber hinaus haftet der ÖGB, dem vom Bawag-Erlös von 2,6 Mrd. Euro freilich nichts übrigbleiben dürfte.
Offenbar ausgeräumt sind die Probleme zwischen ÖGB und Bayerischer Landesbank. Der ÖGB schuldet den Bayern noch 400 Mio. Euro aus dem Rückkauf der Bawag-Anteile im Jahr 2004, in München wird man sich mit der Rückzahlung aber noch gedulden, bis der Kaufpreis geflossen ist.
Unmittelbar nach der Übergabe der Bank im Frühjahr wird es auch zu personellen Umwälzungen im Bawag-Management kommen. Ewald Nowotny, der nach dem Auffliegen der Malversationen seiner Vorgänger als "Krisenfeuerwehr" an die Spitze der Bawag gekommen war, wird, wie gestern bekannt wurde, einen Fünfjahresvertrag bekommen und weiter Vorstandschef des Instituts bleiben. Nowotny hatte sich als Krisenmanager in der Bawag einen ausgezeichneten Branchenruf erworben. Der derzeitige Vertrag Nowotnys läuft bis zum Jahr 2008, Nowotny hatte sich darin allerdings ausbedungen, jederzeit aussteigen zu können.
Unklar ist die berufliche Zukunft der übrigen Vorstandsmitglieder. Dem Vernehmen nach hat Vizechef Stephan Koren weniger gute Karten, auf seinem Posten zu bleiben. Entschieden ist aber noch nichts. Der jetzt fünfköpfige Vorstand soll umgebaut und aufgestockt werden.
Dem Cerberus-Konsortium gehören wie berichtet auch Wüstenrot, Generali, die österreichische Post und ein Industriellenkonsortium um Hannes Androsch an.