Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Zecken

"Rekordhoch" an FSME-Fällen: Wie man sich schützen kann

Auffällig viele Fälle der "Zeckenkrankheit": Am meisten Erkrankungen gab es im Vorjahr in Tirol mit 51 Fällen, gefolgt von Oberösterreich mit 50 Fällen.dpa/Patrick Pleul
  • Drucken

Im Vorjahr gab es mit 215 Fällen der Erkrankung so viele wie nie zuvor. Auch das veränderte Freizeitverhalten in der Coronakrise könnte ein Grund dafür sein. Ein Überblick zu den wichtigsten Fragen und Antworten.

Im Wald, im hohen Gras oder in Gebüschen: Dort tummeln sich Zecken besonders gerne, hierzulande am häufigsten die Art „Gemeiner Holzbock“.

Am Mittwoch schlugen Experten bei einer Pressekonferenz Alarm: Im Vorjahr gab es mit 215 FSME-Erkrankungen (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ein „Rekordhoch". 2019 waren es 108 gemeldete Erkrankungen, 2018 wurden 154 Fälle registriert. In Zeiten von Corona, wo die einzige Freizeitgestaltung oft in die Natur führt, sei in Österreich die FSME-Impfung wichtiger denn je. In den letzten sieben Jahren stieg die Anzahl der Fälle an. Auch der Klimawandel, der für eine längere FMSE-Saison sorgt, begünstige die Verbreitung.

In welchen Gebieten ist die Gefahr hoch, sich anzustecken?

Die meisten Erkrankungen gab es im Vorjahr in Tirol mit 51 Fällen, gefolgt von Oberösterreich mit 50 Fällen. „Dort ist die Durchimpfungsrate noch relativ schlecht“, erklärt sich der Wiener Reise- und Tropenmediziner Herwig Kollaritsch die „Hotspots“. Auch im Gebiet von Kärntner Seen und in Teilen der Steiermark sei das Risiko hoch.

Zecken, die FSME übertragen können, treten sehr lokal auf: „Es gibt kleine Grätzel mit vielen infizierten Zecken und 200 Meter daneben findet man keine einzige mehr“, so Kollaritsch. Grund sei unter anderem, dass die Krankheit in einzelnen „Zeckendynastien“ weitervererbt wird.

Die wenigsten gemeldeten Erkrankungen gab es im Burgenland (kein einziger aufgezeichneter Fall) und in Wien (drei Fälle). Sich als Burgenländer oder Wiener nicht zu impfen sei aber trotzdem keine gute Idee: „Nur jemand, der beispielsweise nur in Wien bleiben und bestenfalls zum Donaukanal fahren würde, hätte keine hohe Gefahr“, sagt Kollaritsch. Schon in der Lobau und im Wienerwald bestehe ein Risiko, so der Experte, der im Alter von zwölf Jahren ehemals selbst an einer FSME erkrankte. „Ich war vier Wochen im Spital, hatte wochenlang Lähmungen an den Beinen und jahrzehntelang Migräneanfälle", sagt Kollaritsch.

Welche Symptome treten bei FSME auf?

Im Falle einer Infektion nach einem Zeckenstich stellen sich häufig schwere Symptome ein. „30 Prozent der Infizierten haben keine Symptome. Bei etwa zwei Drittel kommt es zu einer Erkrankung, davon bei der Hälfte zu neurologischen Symptomen“, sagt Bettina Pfausler, Neurologin an der Universitätsklinik Innsbruck. „Davon wiederum erkrankt die Hälfte an einer Meningitis (Gehirnhautentzündung; Anm.) mit unter anderem Kopfschmerzen, hohem Fieber und Übelkeit. Bei 40 Prozent verläuft die Erkrankung dramatisch mit einer Enzephalitis (Gehirnentzündung; Anm.)." Besonders schwer ist eine Beteiligung des Rückenmarks und des Stammhirns, was bei den Symptomen an die Kinderlähmung erinnert.

Bei 49 Prozent der Patienten wurde in Österreich vergangenes Jahr eine schwere Erkrankung festgestellt, bei dem das Zentralnervensystem stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. 20 Patienten wiesen eine besonders schwere Verlaufsform auf. 2020 starben insgesamt drei Menschen in Folge der Erkrankung.

Was muss man zur Impfung wissen?

Der einzige Schutz ist die Impfung: Die Grundimmunisierung besteht aus drei Teilimpfungen. Der Impfschutz liege bei einer FSME-Impfung übrigens bei fast 100 Prozent, wenn Personen vollständig geimpft sind und ihr Immunsystem normal funktioniert. Vor ernsten Nebenwirkungen muss man keine Angst haben: „Wir haben mittlerweile einen Überblick über viele Jahre und es sind keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten“, so Kollaritsch.

Empfohlen wird bei einer zusätzlichen Impfung gegen Covid ein Abstand von 14 Tagen zwischen den beiden Impfungen. Nicht wegen möglicher Wechselwirkungen, sondern um im Zweifelsfall Impfreaktionen auf eine der beiden Vakzine unterscheiden zu können.

Die diesjährige FSME-Impfaktion läuft noch bis 31. August. Die Krankenkassen gewähren Zuschüsse, die beim Kauf des Impfstoffs in der Apotheke sofort abgezogen werden. Sie kosten so knapp 36 Euro für Erwachsene und 31 Euro für Kinder.