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Empfehlung

EMA entscheidet heute zu AstraZeneca-Impfstoff

Das Nationale Impfgremium (NIG), das in Österreich gemäß der bisherigen EMA-Einschätzung vorerst zu keinem Impfstopp geraten hat, wollte die Entscheidung für eine weitere Bewertung abwarten.
Das Nationale Impfgremium (NIG), das in Österreich gemäß der bisherigen EMA-Einschätzung vorerst zu keinem Impfstopp geraten hat, wollte die Entscheidung für eine weitere Bewertung abwarten.APA/AFP/TT NEWS AGENCY/JOHAN NIL
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Während einige europäische Länder die Impfung mit AstraZeneca ausgesetzt haben, wartet Österreich die Entscheidung der EU-Arzneimittelbehörde ab. Kanzler Kurz geht nicht von einem Stopp aus, dies wäre „ein massiver Rückschlag“.

Die EU-Arzneimittelagentur EMA will am Donnerstag eine neue Empfehlung für die Vorgangsweise mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca abgeben. Gegen 15 Uhr soll erläutert werden, welche Schritte das für die Risikoeinschätzung zuständige Komitee empfiehlt. Als Sprecher angekündigt waren u.a. EMA-Direktorin Emer Cooke, Sabine Straus vom Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) sowie Peter Arlett, Leiter der Task Force für Datenanalyse.

Das Nationale Impfgremium (NIG), das in Österreich gemäß der bisherigen EMA-Einschätzung vorerst zu keinem Impfstopp geraten hat, wollte die Entscheidung für eine weitere Bewertung abwarten. "Ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis besteht unverändert", hatte das NIG zuletzt zu noch ungeklärten Thrombose-Fällen nach Impfungen betont.

Mehrere EU-Staaten setzten die Immunisierungen mit dem AstraZeneca-Vakzin diese Woche nach vereinzelten Thrombosen und Embolien bei Geimpften vorübergehend aus. Der von dem britisch-schwedischen Pharmakonzern gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelte Impfstoff wurde in Großbritannien bereits millionenfach verabreicht. Dabei - und in vorangegangenen klinischen Studien mit Zehntausenden Probanden - waren keine Auffälligkeiten bezüglich Thrombosen festgestellt worden. Das EMA-Sicherheitskomitee PRAC (Pharmacovigilance Risk Assessment Committee) will in seiner Sitzung am Donnerstag die verfügbaren Informationen bewerten und "alle erforderlichen Empfehlungen für weitere Maßnahmen abgeben".

Direktorin „überzeugt" von Nutzen

Schon am Dienstag hatte EMA-Direktorin Emer Cooke erklärt, man untersuche mögliche Nebenwirkungen und Folgen wie Blutgerinnsel, aber im Moment sei sie „überzeugt", dass die Vorteile der Impfung die Risiken von Nebenwirkungen überwiegen.

Cooke betonte, dass eine Situation wie diese nicht unerwartet sei. Wenn man Millionen Menschen impfe, sei es unausweichlich, dass man seltene oder ernsthafte Vorkommnisse von Erkrankungen habe, die nach der Impfung auftreten. Die EMA prüfe nun, ob dies tatsächlich eine Nebenwirkung sei oder Zufall. Es brauche dazu eine wissenschaftliche Bewertung. "Wir müssen die Fakten zuerst haben." Vorher könne man nicht zu einer Schlussfolgerung kommen.

Kurz: „Stopp wäre massiver Rückschlag"

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ging in der "ZiB2" am Mittwochabend davon aus, dass sich die EMA nicht gegen das AstraZeneca-Vakzin aussprechen wird. Er rechne nicht damit, dass die EU-Arzneimittelagentur einen Stopp dieser Impfungen empfehlen werde, denn die EMA selbst habe den Impfstoff zugelassen. Der Impfstoff sei für Europa "extrem relevant", ein Stopp "wäre ein massiver Rückschlag", sagte Kurz und bekräftigte auch neuerlich, dass er AstraZeneca für sicher hält. "Es sterben in Europa täglich über 1.000 Menschen an Corona. Die Gefahr ist das Virus und nicht die Impfung."

Die Weltgesundheitsorganisation will am Freitag erneut das Wort zu AstraZeneca ergreifen, teilte ein Sprecher mit. Zuletzt hatte auch die WHO empfohlen, die Impfungen mit AstraZeneca fortzusetzen, da die Vorteile des Vakzins die Risiken überwiegen würden. Die Prüfungen des Beratergremiums für Impfstoffsicherheit dauerten aber noch an.

WHO Europa-Direktor Hans Kluge sagte am Donnerstag, die europäischen Staaten sollten AstraZeneca weiterhin nützen, um in der Corona-Pandemie Leben zu retten. "Bisher wissen wir nicht, ob einige oder alle der Gesundheitsprobleme durch die Impfung verursacht worden oder durch andere, zufällige Faktoren", betonte er. "Wir wissen aber jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt, dass die Vorteile der AstraZeneca-Vakzine die Risiken bei weitem überwiegen."

(APA)