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Kunst des Führens: Der Weg zum Offizier

Seit mehr als 20 Jahren bildet der Fachhochschul-Studiengang den wesentlichen Teil der Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie.
Seit mehr als 20 Jahren bildet der Fachhochschul-Studiengang den wesentlichen Teil der Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie.(c) Mario Pernkopf
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Ausbildung. An der Theresianischen Militärakademie Wiener Neustadt werden mit dem FH-Bachelorstudiengang „Militärische Führung“ und einem Truppenoffizierslehrgang Offiziere ausgebildet – ab 2022 auch IKT-Offiziere.

Wer in seinem Beruf gern Entscheidungen trifft und Verantwortung übernimmt, dem bietet das Österreichische Bundesheer mit der Offiziersausbildung die Möglichkeit für eine ebenso anspruchsvolle wie attraktive Karriere an. „Als Offizier ist man Teil der Führungskräfte und für die Ausbildung von Soldaten sowie für das Vorbereiten und Durchführen von Einsätzen verantwortlich. Die Aufgaben und Tätigkeitsfelder sind mannigfaltig und reichen vom Piloten eines Kampf-Jets bis zum Kommandanten einer Kompanie“, erläutert Oberst Thomas Lampersberger von der Theresianischen Militärakademie Wiener Neustadt, an der man 2021 das 65-Jahr-Jubiläum der ersten Ausmusterung des ÖBH der Zweiten Republik feiert (siehe Infokasten).

Geschichte der Militärakademie

„Mach’ er mir tüchtige Offiziere und rechtschaffene Männer darauß“ lautete vor 270 Jahren der Auftrag von Maria Theresia an den ersten Kommandanten der Theresianischen Militärakademie, Feldmarschall Leopold Joseph von Daun. Mit dem Gründungsdatum 14. Dezember 1751 ist sie die älteste aktive, durchgängig der Offiziersausbildung gewidmete Militärakademie der Welt, mit Sitz in der Burg in Wiener Neustadt.

65 Jahre ist es her, dass am 3. Februar 1956 mit der sogenannten „A-Klasse“ die ersten Offiziere des Österreichischen Bundesheeres der Zweiten Republik ausgemustert wurden. Die Verankerung der Offiziersausbildung im tertiären Bildungssystems des Landes datiert aus dem Jahre 1998, als mit Wirkung vom 1. Jänner der sechssemestrige Fachhochschul-Studiengang „Militärische Führung“ als Teil der Truppenoffiziersausbildung eingeführt wurde.

16.881 junge Männer – und seit 1999 auch Frauen – wurden an der Militärakademie bis dato zu Offizieren ausgebildet. Mit dem FH Bachelorstudiengang Militärische Führung, der IKT-Offiziersausbildung (ab 2022) sowie einer großen Anzahl an Lehrgängen und Seminaren ist die Akademie eine moderne und zukunftsorientierte Bildungseinrichtung mit internationaler Reputation.

Grundlagen & Spezialisierung

Sind die Grundvoraussetzungen erfüllt (Österreichische Staatsbürgerschaft, maximal 36 Jahre alt bei Beginn der Ausbildung, Matura bzw. Berufsreife- oder Studienberechtigungsprüfung, keine Vorstrafen), steht dem Start zur vier Jahre andauernden Ausbildung nichts mehr im Wege. Im ersten von gesamt drei Abschnitten (Kaderanwärterausbildung Teil 1, Beginn im September) werden fünf Monate lang die wichtigsten militärischen Grundlagen wie der richtige Umgang mit der Ausrüstung oder das Zurechtfinden im Gelände vermittelt. Die Kaderanwärter übernehmen erste Führungsaufgaben und werden so an ihre zukünftige Rolle als Teamleader herangeführt. Am Beginn des fünften Monats kommt es zur Beförderung zum Gefreiten.

Im zweiten Abschnitt (Kaderanwärterausbildung Teil 2), der sich über sieben Monate erstreckt, werden jene, die eine Karriere als Berufsoffizier anstreben, zusammengeführt und am Institut Jäger in Bruckneudorf, Burgenland, gemeinsam ausgebildet. Die nunmehrigen Berufsoffiziersanwärter erweitern hier ihr Know-how in den fachspezifischen Fertigkeiten ihrer ausgewählten Spezialisierung und lernen, wie sie Soldaten im Einsatz führen. Sie werden dabei nicht nur zum Kommandanten einer Jägergruppe ausgebildet und erfahren dabei, wie verschiedene Waffen wie das Maschinengewehr, das Granatgewehr oder das Scharfschützengewehr sicher handzuhaben sind, sondern steigern auch ihre physische und psychische Leistungsfähigkeit.

Auswahl- & Aufnahmeverfahren

Um nach dem Jahr der grundlegenden militärischen Ausbildung die dreijährige Truppenoffiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wr. Neustadt beginnen zu können, müssen die Auszubildenden an einem Auswahl- und Aufnahmeverfahren teilnehmen. „Die Anforderungen an einen Offizier sind hoch. Dementsprechend suchen wir die Bestqualifiziertesten“, weist Oberst Lampersberger auf die strengen Selektionskriterien hin. So ist am Ende der Kaderanwärterausbildung 2 eine Prüfung in schriftlicher und praktischer Form abzulegen, welche die Fächer „Waffen-, Geräte- und Fachausbildung“ sowie „Führen und Aufgaben im Einsatz“ umfasst. Es folgt die Zulassungsprüfung zur Truppenoffiziersausbildung mit den Fächern „Führungsausbildung Teil 1“ und „Körperausbildung“: Während im Bereich der Führungsausbildung überprüft wird, ob die Grundlagen zum Führen eines Jägerzugs beherrscht werden, wird bei der Körperausbildung das Erbringen sportlicher Limits (2400 Meter Lauf, Liegestütz, Hindernislauf, Schwimmen) gefordert. Dazu kommen ein militärspezifischer Test (Soldatenparcours, Gepäcksmarsch) und die Zulassungsprüfung für das Militärfallschirmspringen.

Beim Aufnahmeverfahren für den Fachhochschul-Bachelorstudiengang „Militärische Führung“ müssen die künftigen Militärakademiker schließlich unter Beweis stellen, dass in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist steckt und dass sie die für die Offizierslaufbahn entscheidenden Grundkompetenzen mitbringen. Auf dem Programm stehen Einzel- und Gruppenaufgaben zu Themenfeldern wie Inhaltsanalysen von Texten und Filmen, schlussfolgerndes Denken und Sprachlogik, Präsentieren und Interagieren, Sprachverstehen Deutsch, Englisch und zweite Fremdsprache sowie Orientieren im Gelände.

Studium zur Führungskraft

Haben die Berufsoffiziersanwärter die vorbereitende Ausbildung mit anschließendem Auswahlverfahren erfolgreich absolviert, folgen im Rahmen der Offiziersausbildung nun an der Theresianischen Militärakademie der Fachhochschul- Bachelorstudiengang und der Truppenoffizierslehrgang. „Der sechssemestrige FH-Studiengang ist der wissenschaftliche Teil der Ausbildung zum Offizier. Aus einem breiten Spektrum von Sozial- und Geisteswissenschaften wird vermittelt, was es zur Verbesserung der militärischen Führungskompetenz braucht“, erklärt Lampersberger. Dazu gehören unter anderem die Bereiche Pädagogik und Psychologie, um die menschliche Seite des Führens zu verinnerlichen, Rechts-und Wirtschaftswissenschaften, soweit sie zur Umsetzung militärischer Aufgaben benötigt werden, sowie Sprachen (vor allem Englisch und Französisch), um für internationale Einsätze fit zu sein. Außerdem sind ein nationales Berufspraktikum und ein internationales Praktikum bei einem Partnerverband im Ausland vorgesehen.

Oberst Thomas Lampersberger, Theresianische Militärakademie Wiener Neustadt.
Oberst Thomas Lampersberger, Theresianische Militärakademie Wiener Neustadt.(c) HBF/Daniel TRIPPOLT

Beim Truppenoffizierslehrgang, der den wissenschaftlichen Studienteil ergänzt, wird das militärische Handwerk in praktischer Form vermittelt. Die angehenden Ofiziere werden zwischen den Fachhochschulsemestern darauf vorbereitet, einen Zug (in der Regel rund 40 Soldaten) in ihrer Waffengattung zu führen. An der jeweiligen Waffenschule findet die Fachschulung im Spezialgebiet statt. Je nach Waffengattung wird gelehrt, einen Kampfpanzer zu bedienen und im Gefecht richtig einzusetzen, den Luftraum zu überwachen, größere Verbände mit allem Notwendigen zu versorgen oder Cyberangriffe abzuwehren. Komplettiert wird der Truppenoffizierslehrgang durch eine Gebirgsausbildung sowohl im Winter als auch im Sommer, eine zweiwöchige Fahrschule mit verschärftem Geländetraining – und einen Tanzkurs: Schließlich soll ein österreichischer Offizier und Gentleman auch im Ballsaal bestehen können, etwa zum Anlass der Eröffnung des Balls der Offiziere. Am Ende der gesamten Ausbildung stehen die Verleihung des akademischen Grades Bachelor of Arts in Military Leadership“ und die Beförderung zum Leutnant.

Ausbildung zum IKT-Offizier

„Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein. Daher muss sich unser Heer und somit auch die Theresianische Militärakademie laufend verbessern und verändern.“ Mit diesem Satz leitete Verteidigungsministerin Klaudia Tanner am 1. März 2021 eine Pressekonferenz zur Vorstellung der neu gestalteten Ausbildung der IKT-Offiziere ein. Ab dem Wintersemester 2022 wird (vorbehaltlich der Akreditierung durch die AQ Austria) an der Militärakademie der Fachhochschul-Bachelorstudiengang „Militärische Informations- und Kommunikationstechnologische Führung“ angeboten.

Der grundsätzliche Ablauf der Ausbildung ist ident mit jener der Offiziere in anderen Waffengattungen und Fachrichtungen, dauert ebenso vier Jahre und besteht aus den drei Abschnitten Kaderanwärterausbildung Teil 1, Kaderanwärterausbildung Teil 2 und Truppenoffiziersausbildung (IKT-Offizier). „Diese Ausbildung soll die zukünftigen IKT-Offiziere zu Experten für den Einsatz von IKT-Systemen, der Elektronischen Kampfführung (ELOKA) sowie zu Spezialisten für den Betrieb, die Überwachung und die Steuerung von militärischen Einsatznetzwerken formen“, so Oberst Lampersberger. Ihre Aufgaben werden somit das Herstellen und Halten von Verbindungen am digitalisierten und eng vernetzten Gefechtsfeld der Zukunft sein.

Die Absolventen werden im Rahmen ihrer Erstverwendung als IKT-Zugskommandanten (ein IKT-Zug mit rund 30 Soldaten hat die Aufgabe, weiträumige Einsatznetzwerke mittels Richtverbindungen und LANs zu errichten und zu betreiben), als stellvertretende Kommandanten einer Führungsunterstützungskompanie (umfasst rund 100 Soldaten und stellt die Funk-, Richtfunk-, LAN- und SAT-Verbindungen einer Brigade sicher) oder in Führungsfunktionen im ELOKABereich tätig sein. Einsätze im Bereich der Cyberabwehr sind als Flgeverwendung und nach weiterer Ausbildung möglich. Neben den IKT-spezifischen Aufgaben sind natürlich auch die allgemeinen Aufgaben eines Offiziers wahrzunehmen (Ausbildung von Soldaten in nicht IKT-spezifischen Bereichen, Verwaltung, Führung der unterstellten Soldaten und Bediensteten . . .). Abgeschlossen wird die neue Ausbildung mit dem Dienstgrad Leutnant und dem akademischen Grad „Bachelor of Science“.

Verdienst

Während der ersten zwölf Monate der Ausbildung (Kaderanwärterausbildung Teil 1 und 2) verdienen alle gleich viel, egal ob eine Karriere als Unteroffizier oder als Offizier angestrebt wird. Der Einstiegsbezug beträgt 1100 Euro netto monatlich, also lohnsteuerfrei. Zusätzliche Vorteile ergeben sich aus der kostenlosen Verpflegung und Unterkunft, der Freifahrt mit den ÖBB und dem Anspruch auf Familienunterhalt. Wer die Karriere als Berufsoffizier einschlägt, verdient ab dem 13. Monat der Ausbildung (also ab dem ersten Tag an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt) rund 2350 Euro brutto (zuzüglich Urlaubs- und Weihnachtsgeld). Zur Verfügung stehen darüber hinaus Gästezimmer und Naturalwohnungen.

> > > Nähere Informationen unter: karriere.bundesheer.at/ wehrdienstberatung