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FILE PHOTO: Greenpeace's Arctic Sunrise ship navigates through floating ice in the Arctic Ocean
Leserstimmen

"Dagegen wär' die Pandemie ein Lercherl": Leserbriefe zur Klimapolitik

Die Klimabewegung in Österreich gab mit Demos am Freitag ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Auch unter „Presse"-Lesern wird viel über das Thema Klimapolitik debattiert. Eine Auswahl an Leserbriefen.

Böse Kombination von agrarischen Absurditäten

S
olang ein geschlagenes Drittel unserer Lebensmittel im Müll landet, glaube ich nicht an den ewigen Steigerungswahnsinn. Früher hat die Landwirtschaft in jedem europäischen Staat die eigene Bevölkerung weitgehend ernährt, weil es "nur" um Subsistenz gegangen ist. Dann kamen die tollen arbeitserleichternden technischen Errungenschaften daher, und die Landwirtschaft wurde ganz mit Absicht reduziert.
Ich will hier nicht auf die fatalen Auswirkungen politischer Einmischungen eingehen, aber wir stehen nun vor einer bösen Kombination von agrarischen Absurditäten: Überproduktionen, epidemisches Bauernsterben, tonnenweise Vernichtung von Lebensmitteln, Bodenverbrauch außer Rand und Band bei vollständigem Fehlen eines gesamtösterreichischen Konzepts, negative Auswirkungen auf Umwelt und Biodiversität, von unserem Klima gar nicht zu reden, gentechnische Manipulationen, unentwirrbare internationale Export-Import-Beziehungen und das immer zahlreichere Auftauchen ortsfremder Lebewesen aller Arten - all dies (und viel mehr noch) simultan.
Auf die Lösung, den Ausweg aus diesem Pallawatsch, bin ich sehr gespannt.
Ursula Berreis, 1130 Wien

Wunder Punkt unserer Wegwerfgesellschaft

Der tägliche Besuch der omnipräsenten Supermärkte führt dazu, dass die Menschen mehr und mehr jeglichen Bezug zur Entstehung und zur Wertigkeit der Nahrung verlieren. Andernfalls wäre es nicht vorstellbar, dass jeder Bundesbürger im Schnitt jährlich rund 85 kg Lebensmittel wegwirft.
Mehr als 2,2 Mrd. Euro landen jährlich im Müll. "Man ist, was man isst" - diesen Grundsatz sollten sich vor allem jene vor Augen halten, die stets die billigsten Aktionswaren suchen und sich damit die Bäuche vollstopfen, aber ansonsten einen sehr individuellen Lebensstil praktizieren.
Ohne funktionierende Landwirtschaft, ob Viehhaltung, Obst-, Gemüse- oder Getreidebauern, gibt es keine Lebensgrundlage. Die Landwirte sorgen für unser Wohlergehen, bekommen aber Schandpreise für ihre Produkte. Via Brüssel, Länder, politische Organisationen etc. werden dann die entzogenen Erträge wieder verteilt. Eine sinnlose bürokratische Vorgehensweise, die nichts mit "freiem Unternehmertum" zu tun hat.
Josef Landlinger, 5330 Fuschl

Mit allen Mitteln, die zur Verfügung stehen

Matthias Auer schreibt in der „Presse", dass Paris "eine heikle Weichenstellung vor sich herschiebt: Baut Frankreich neue Atomkraftwerke, oder setzt das Land doch auf Wind, Sonne und Wasser?" Damit wird der Eindruck erweckt, es müsse eine Wahl getroffen werden. Im Kampf gegen den Klimawandel geht es aber darum, CO2-Emissionen so rasch wie möglich zu reduzieren, und dazu muss jedes Land die Mittel nutzen, die ihm zur Verfügung stehen. Für Frankreich gehören dazu seine Flotte von 56 betriebsbereiten Kernreaktoren und das technische Know-how, sie zu bauen und sicher zu betreiben. Das heißt aber nicht, dass Frankreich nicht gleichzeitig auf erneuerbare Energieformen setzt.
Aus Daten der Internationalen Energieagentur geht z. B. hervor, dass die Anzahl der durch Windenergie erzeugten Kilowattstunden in Frankreich im Zeitraum von 2016 bis 2019, der größtenteils in Macrons Regierungszeit fällt, um 62 % gestiegen ist. Damit lag Frankreich sogar noch vor Österreich, wo das Wachstum in diesem Zeitraum auch nicht unerhebliche 42 % betrug. Es ist zu beobachten, dass Frankreich auf mehrere kohlenstoffarme Energiequellen setzt, um die Ziele des Pariser (!) Klimaabkommens zu erreichen.
Dr. Aliki van Heek, 1220 Wien

Dagegen wär' die Pandemie ein Lercherl

Zum Gastkommentar: "Koalition: Grüne brauchen eine Exit-Strategie Klima"
Ich hoffe sehr, dass dieser grüne Gastkommentar nicht der Linie der Redaktion der von mir seit Jahrzehnten sehr geschätzten "Presse" entspricht! Was die Ex-Geschäftsführerin von Global 2000 an einer Schlüsselstelle der Regierung bietet, kann analog zur Position des Herrn Grebenjak bezogen auf den Klimaleugner nur als Realitätsleugnerin bzw. Realitätsverweigerung gegen besseres Wissen bezeichnet werden. Ich mache mir große Sorgen wegen der ständig steigenden Blackout-Gefahr. Dagegen wäre die Coronapandemie nur ein Lercherl für unsere Wirtschaft und Gesellschaft . . .
Diese völlig unrealistische "klimaneutrale" Energiepolitik als Mustervorzugsschüler in Europa wird uns noch gewaltige Ernüchterung bescheren. Einen Tag nach einem hoffentlich nicht baldigen Blackout wird es zu einer realistischen Energiepolitik kommen. Aus Schaden erst wird man klüger werden. Leider erst dann.
DI Rudolf Haubenhofer, 8045 Graz

Raumordnung: Druck lokaler Interessen

Die Österreichische Bundesverfassung überlässt die Raumordnung dem eigenen Wirkungsbereich der Gemeinden. Die Mehrheitsfraktion im Gemeinderat entscheidet daher über den Flächenwidmungsplan und damit über die Umwidmung von Freiland in Bauland oder (höchst selten) über die Rückwidmung. Die Genehmigung des Flächenwidmungsplans durch die übergeordnete Landesbehörde kann erfahrungsgemäß meist als bloße Formalität gelten.
Ein sorgsamer Bodenverwendung zugeneigter Bürgermeister befindet sich unter dem ständigen Druck lokaler Interessen der Vorteilsmaximierung durch (steuerfreie!) Vervielfachung des Bodenwerts im Fall der Baulandwidmung. Hingegen wird der vorwiegend auf Wählergunst bedachte Ortschef die Baulandwidmung gern als Lockmittel gegenüber örtlichen Clans nutzen. Dieser formalrechtlich gedeckte Sachverhalt bedingt die Erfolglosigkeit aller Appelle und Initiativen im Sinne einer sparsamen Bodenverwendung. Die Verunstaltung ganzer Landstriche, klimaschädliche Grünlandabnahme und der Verlust der Selbstversorgung gebieten lokaler Großmannssucht und privater Gewinnoptimierung sicher auch weiterhin keinesfalls Einhalt.
Steuerungsversuche mit Grundverkehrsgesetzgebung und mit der Beschränkung von Zweitwohnsitzen scheitern einerseits weitgehend am EU-rechtlichen Primat, anderseits an geschickter Umgehung. Die einzige wirksame Möglichkeit bestünde in der verfassungsmäßigen Übertragung der Raumordnungskompetenz an die von lokalen Wählerinteressen wesentlich unabhängigeren Länder. Da dies aber realpolitisch an bisherigen Besitzständen und an Ausflüchten der Parlamentarier eher scheitern wird, sind weiterhin die ungebremste Verhüttelung und Zersiedlung der Landschaft und die Versiegelung des Bodens abzusehen.
Dr. Helmut Rainer, RA em., Innsbruck

Bitte global nachhaltig

Die europäische Klimapolitik zielt darauf ab, CO2-intensive Prozesse nach China und Indien auszulagern, um damit das europäische Klimaziel zu erreichen. Das zeigt sich auch in der Statistik. Bestes Beispiel dafür ist der Batterieautowahnsinn. Klimaschutz ja, selbstverständlich, aber bitte mit Methoden, die einen global nachhaltigen Erfolg bringen.
Bernhard Ibi, 2533 Klausen-Leopoldsdorf

Die Lithiumbatterie ist der falsche Weg

Es ist hochinteressant, wie fast täglich die Elektromobilität als das Allheilmittel zur Fortbewegung angepriesen wird. Kein Wort verliert man über die Gewinnung des Elements Lithium, welches für die E-Batterie erforderlich ist. Die Gewinnung dieses Rohstoffs hinterlässt Wüsten in Asien, der Betrieb der E-Batterie auf Lithium-Basis ist extrem gefährlich, und über ihre Entsorgung hört man kein Sterbenswort (eine Anlage gibt es in Rotterdam). Die Lithiumbatterie ist der falsche Weg!
Diese Euphorie über E-Mobilität erinnert mich an den Atomenergie-Hype in den 1960er- und 1970er-Jahren, wobei damals auch diese Art der Energieerzeugung die Probleme der Menschheit lösen sollte. Tschernobyl 1986 hat, glaube ich, uns allen vor Augen geführt, welch irriger Glaube hier verfolgt wurde.
Dr. Reinhard Preininger, 9580 Drobollach

Mit Halbwissen gegen Dieselmotoren

Seit dem Dieselskandal haftet dem Dieselmotor der Ruf des Unsauberen an. Tatsächlich stieß der Dieselmotor über Jahrzehnte bei Volllast für jeden erkennbare Rußwolken aus - trotzdem wurde er wegen des geringen Verbrauchs seines Verbrennungssystems staatlich gefördert. Heute sehen wir eine totale Umkehr des Systems: Moderne Dieselmotoren können vom Schadstoffausstoß die gleichen Werte erreichen wie Ottomotoren. Sie zeichnen sich nach wie vor durch einen geringeren Verbrauch aus, aber die ganze Härte der Umweltschützer und des Gesetzgebers trifft sie in ungerechtfertigter Weise.
Hochgelobt und hoch gefördert wird dagegen der Elektroantrieb. Dabei ist inzwischen allen Wissenden klar, dass bei holistischer Betrachtung unter Einbeziehung aller Faktoren der Elektroantrieb heute nicht weniger Schadstoffe generiert als ein Dieselantrieb. Allerdings nicht am Ort seines Einsatzes.
Die jetzige Gesetzgebung für Fahrzeuge, die zukünftig in den Verkehr gebracht werden, beruht auf Emotionen und Halbwissen. So bringen die Legislativen in Brüssel und vielen Staaten das immer noch sparsamste Antriebssystem aus Inkompetenz um.
Prof. DI Dr. h. c. Jürgen Stockmar, 1030 Wien

Im Umweltministerium träumt man lieber

Die Frau Bundesminister für Umwelt ist voll Optimismus über den Umstieg auf E-Mobilität und "die enormen Chancen für die österreichische Wirtschaft"! Dieser Zuruf auf Entfernung wird weder einen Arbeitsplatz schaffen noch die gigantische Auswirkung auf die bestehende Industriestruktur in Österreich positiv beeinflussen.
Wer sagt der Frau Umweltminister, dass unsere Stromnetze weder im Winter noch im Sommer fit sind für massive Stromversorgung von zusätzlicher E-Mobilität, dass wir nicht einmal die Stromnetze dafür haben, dass die Rohstoffe für die Batterietechnik derzeit weltweit Raubbau darstellen? Wer klärt sie darüber auf, dass die reine Energieerzeugung für E-Mobilität in absehbarer Zeit total fossil geprägt sein wird?
Richard Ramsauer, 8611 St. Katharein

EU-Maßnahmen bleiben global wirkungslos

Während in Europa Kohle als "Teufelszeug" eingeschränkt und mittelfristig als Energieträger verboten werden soll, ist China abhängig von diesem Energieträger und setzt weiterhin auf ihn. Was bringen Einschränkungen hierzulande, solang in China allein der Zuwachs an CO2 ein Vielfaches des österreichischen Gesamtausstoßes beträgt? Unrealistische EU-Ziele wie "Klimaneutralität" innerhalb von maximal drei Dekaden zu übernehmen, belasten die Volkswirtschaften und bewirken großräumige Produktionsverlagerungen und damit Arbeitsplatzverluste auch in den vor- und nachgelagerten Segmenten. Letztlich haben die wohlstandsmindernden Kosten für die "Energiewende" die Konsumenten zu tragen.
Solang andere Kontinente weiterhin individuelle Mobilität auf Verbrennungsbasis forcieren - eine Opec-Studie erwartet bis 2045, dass noch immer mehr als die Hälfte des weltweiten Energieverbrauchs aus Öl/Gas kommt, die Regenwälder primär in Südamerika gnadenlos abgeholzt werden oder in China, überspitzt formuliert, fast wöchentlich ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb geht -, sind die vorauseilenden EU-Maßnahmen für Klimaneutralität global völlig wirkungslos und nicht einmal ein Nullsummenspiel.
Mag. Martin Behrens, 1230 Wien

Gelassener Realismus und Verantwortung

zu „Parents for future"

Die Liebe der Eltern zu ihren Kindern ist grenzenlos. Ja, so ist es. Das Glück und die Zukunft dieser schwinden zu sehen wegen angeblich zu nachlässigen Umgangs der österreichischen Regierung mit CO2-Zielen zeugt von begrenztem Realismus und dem Abschieben von Verantwortung. Auch eine jährliche CO2-Neutralität Österreichs würde letztendlich bei der absehbar gleichbleibenden Entwicklung der großen Emittenten die "Klimakatastrophe" lediglich verzögern. Laut IPCC-"Restbudget" von ca. 350 Gigatonnen und derzeit 35 Gigatonnen (steigend) pro Jahr wäre es nicht einmal ein Tag (0,8 Gigatonnen). Bringen wir unseren Kindern gelassenen konstruktiven Realismus und persönliche Verantwortung im Handeln und nicht im emotionalen Fordern bei. Dann sind deren Möglichkeiten grenzenlos.
Mag. Jürgen Hampel BA, 2352 Gumpoldskirchen

Eine fremde Welt außerhalb von Marktinteressen

zum Gastkommentar: „Ohne Freihandel verlieren wir mehr, als wir gewinnen“ von Michael Löwy

Wenn Agrar- und Industriegrößen NGOs und andere Idealisten für weltfremd erklären, frage ich mich gelegentlich, von welcher Welt die Herren sprechen. Von der Welt des Marktes? Die Spielregeln der kommerziellen Profitschlacht zu kennen und sie bedienen zu können, heißt also, die Welt zu kennen.
Wie weltfremd muss aber jemand sein, der allen Ernstes glaubt, EU-Mercosur könnte als Hebel für den Klimaschutz wirken? Die Staatschefs vom Schlag eines Bolsonaro, Morales oder Arce werden freudig mit der Aufforstung des Regenwalds beginnen, weil es so im Vertrag steht? Genau.
Wie weltfremd muss man sein, wenn man glaubt, die internationale Handelspolitik sei der beste Garant für hohe Standards im Umweltschutz und im Sozialbereich? Wie soll das gehen, solange Profitinteressen regieren und aufgrund der Größe der Freihandelszonen niemand mehr irgendetwas kontrollieren kann? Wie "weltfremd" muss jemand sein, der glaubt, wir könnten auf dem aktuellen Niveau weitermachen oder es noch steigern, ohne unsere Lebensgrundlagen zu zerstören?
Für einen NGO ist die Welt der Märkte, des Wettbewerbs, der Kapitalströme und Profitinteressen nicht die Welt. Diese Weltsicht ist ihm tatsächlich genauso fremd wie Ihnen, Herr Löwy, die Welt außerhalb von Marktinteressen.
Mag. Gertrud Stix, 4849 Puchkirchen

Gute, weise, humane Diktaturen gibt es nicht

Was der Ruf nach weniger (Konsum, Warentransport, Flüge, Reisen etc.) mit sich bringt und von vielen begrüßt wird, erfahren wir gerade mit ca. zehn Prozent Rückgang der Wirtschaftsleistung. Wenn die Ursache dahinter eine live erlebbare Pandemie ist, versteht ein Großteil der Menschen die Maßnahmen der Regierung und akzeptiert sie. Wenn es sich aber um einen bei uns noch nicht dramatisch spürbaren Klimawandel ("eh nur in Ozeanien und an den Polen") handelt und unvergleichlich länger dauert (= keine Impfung), wäre es mit jeglicher Zustimmung aus, die Regierung wäre mit der nächsten Wahl weg vom Fenster. Für extrem in das gewohnte Leben der Bürger eingreifende Maßnahmen (Beispiel Ein-Kind-Politik Chinas) sind unsere Demokratien wohl nicht geeignet, und gute Diktaturen, die weise, human, gerecht und nicht korrupt sind, gibt es nicht.
DI Rudolf Lamprecht, 1080 Wien