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Film

Schauspiel-Shootingstar Englander: "Ich hab viel Wut in mir"

In London ging er als Brite durch, in Paris (immerhin) als Halbfranzose: der wandelbare Lucas Englander. ⫻
In London ging er als Brite durch, in Paris (immerhin) als Halbfranzose: der wandelbare Lucas Englander. ⫻Bonnie Doman
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Der Wiener Schauspieler Lucas Englander wird in Paris als Shootingstar gefeiert. An seinem Akzent stört sich niemand. Der Weg dahin war nicht ganz leicht.

Er ist gerade einer der international gefragtesten jungen österreichischen Schauspieler, aber das ist hierzulande kaum bekannt – und im Ausland kaum ein Thema. Lucas Englander schafft es nämlich, wo er auch hinkommt, als lokaler Schauspieler gefeiert zu werden. In London wurde er von seinen Agenten als Brite verkauft, in Paris zuletzt als halb Amerikaner, halb Franzose. Erst vor wenigen Wochen ist er nach Frankreich gezogen. Zum Einstand wurde er gleich in die Vorauswahl der besten Nachwuchsdarsteller bei den Césars aufgenommen, dem wichtigsten Filmpreis des Landes.

Ein Preis ist sich am Ende nicht ausgegangen, aber der 28-Jährige kann nicht klagen: Nach einer Nebenrolle in der Netflix-Serie „The Witcher“ und einer tragenden Rolle in der französisch-belgisch-deutsch koproduzierten Comedy-Serie „Parlament“ hat er gerade einen französischen Fernsehfilm abgedreht. Er steigt als Hauptfigur in die nächste Staffel der französischen Science-Fiction-TV-Serie „Missions“ ein.

Und er ist für eine Amazon-Serie gebucht. Wie auch für eine Hollywood-Produktion, über die er noch gar nicht sprechen dürfe. „Ich bin glücklich, dass mir die Filmwelt in Frankreich gerade Raum gibt, dass ich mich zeige, dass ich ich bin“, sagt er im Videotelefonat. „Und dass ich im vergangenen Jahr diesen Ort in mir gefunden hab, der sich das traut. Ich hatte lange Angst, mich zu zeigen.“

Als Spross einer österreichisch-tschechisch-amerikanischen Familie (sein Großvater war im Krieg aus Prag in die USA geflüchtet und Jahre später erneut aus Tschechien nach Österreich) ist Englander im ersten Wiener Bezirk aufgewachsen. Dort habe er oft das Gefühl gehabt, eine bestimmte Haltung wahren zu müssen. Beim Vorsprechen am Reinhardt-Seminar scheiterte er. „Und wie! Ich hatte immer Probleme mit Autorität, was dazu geführt hat, dass ich eine Arroganz in mir kreiert habe, die nicht echt war.“ Betont cool trat er vor die Kommission. Nach 30 Sekunden wurde er unterbrochen. „Den zweiten Monolog wollten die gar nicht mehr hören. Ich verstehe es. Ich war schrecklich. Ich hätte mich auch abgebrochen.“