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Neue Ziele

Die bislang umfassendste Datenbank für Treibhausgase aus der Lebensmittelproduktionmacht deutlich, wie schwierig das Erreichen der Pariser Klimaziele ist.

Bis Lebensmittel auf unserem Teller liegen, sind sehr viele Schritte notwendig. Bei jedem werden Treibhausgase frei, und das nicht zu knapp: Sie summieren sich auf jährlich 18 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente (2015) – das sind 34 Prozent aller vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen. Diese Zahl ist das Ergebnis der bislang umfassendsten Datensammlung aller Klimafolgen der Lebensmittelproduktion („Edgar-Food“), die von einem Team um Monica Crippa am Joint Research Center der EU in Ispra erstellt wurde (Nature Food, 8. 3.).

Den größten Anteil dabei hat die Primärproduktion auf dem Acker und im Stall (39 Prozent), gefolgt von der Landnutzung bzw. Änderungen der Landnutzung (32 Prozent) und der Entsorgung von Reststoffen (8,7 Prozent). Weitere Emissionen stammen aus der Verpackung (5,4 Prozent), dem Transport (4,8 Prozent), dem Handel (3,8 Prozent; wobei fast die Hälfte davon auf Kühlschränke entfällt) und aus der Verarbeitung (rund 3,5 Prozent).

Die neue Edgar-Food-Datenbank erlaubt überdies historische Vergleiche. Und diese zeigen einen positiven Trend: Die Gesamtemissionen durch die menschliche Ernährung sind zwar zwischen 1990 und 2015 um 12,5 Prozent gestiegen, doch gleichzeitig sind die Weltbevölkerung und die Lebensmittelproduktion um rund 40 Prozent gewachsen, sodass die Pro-Kopf-Emissionen um ein Fünftel auf jährlich 2,4 Tonnen CO2-Äquivalente gesunken sind. Verantwortlich dafür sind insbesondere Effizienzsteigerungen bei der Düngung, in der Viehzucht sowie beim Energieeinsatz.

Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, ist freilich eine weitere Absenkung der Emissionen erforderlich. Aber das ist bei der Ernährung nicht trivial – nicht nur weil viele Sektoren betroffen sind, sondern auch, weil verschiedenste Treibhausgase eine große Rolle spielen. CO2 ist zwar auch in der Lebensmittelwirtschaft mit einem Anteil von 52 Prozent das bedeutsamste Klimagas, doch Methan (aus der Tierzucht und dem Reisanbau) steht für immerhin 35 Prozent der Emissionen, Lachgas (aus der Düngung) für zehn Prozent und fluorierte Gase (aus Kühlschränken) für zwei Prozent.

Diese Diversität erfordert, so betonen die Studienautoren, eine Vielzahl von spezifischen Maßnahmen zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen. „Einfach“ die fossilen durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen – wie dies in praktisch allen anderen Sektoren das Hauptziel ist – reicht im Lebensmittelbereich bei Weitem nicht aus. ⫻


Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Wissenschaftskommunikator am AIT.

meinung@diepresse.com

diepresse.com/wortderwoche

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2021)