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Von Spielkarten zum Freizeitpark

Sogar eine Super-Mario-Kart- Strecke gibt es im neuen Freizeitpark.
Sogar eine Super-Mario-Kart- Strecke gibt es im neuen Freizeitpark.APA/AFP/PHILIP FONG
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Die Welt des Italo-Helden mit Schnauzbart ist in Osaka zum Leben erweckt worden. Der Freizeitpark Super Mario World feierte schlussendlich verspätet Eröffnung.

Seit knapp 40 Jahren ist Prinzessin Peach ständig in Nöten und Installateur Mario schlupft durch wirklich jede Röhre auf der Suche nach ihr oder Münzen und stellt sich dabei jeder fiesen Schildkröte und kämpft auch jedes Mal gegen Bowser. In die Rolle des unermüdlichen Italo-Helden kann man künftig voll und ganz eintauchen. Also wenn Reisen wieder möglich sind und Osaka in Westjapan nicht mehr nur ein Punkt auf dem Globus ist.

Mit langer, pandemiebedingter Verzögerung hat die „Super Nintendo World“ nun eröffnet. Dabei hat sich der japanische Spieleprofi einiges einfallen lassen, um die Herzen der Mario-Fans höher schlagen zu lassen. Die Gebäude in dem Park sind entsprechend der Optik des alten Nintendo-Videospiels kastenförmig gebaut. Außerdem läuft überall die aus dem Spiel bekannte Musik, und die Besucher können über ein Armband, das mit dem eigenen Smartphone beim Eintritt gekoppelt wird, Münzen sammeln, indem – wie im Spiel – Blöcke zerschlagen werden. In der Attraktion „Mario Kart“ können die Besucher Rennen fahren wie sonst über den Fernseher.

Nintendos lange Reise. 132 Jahre ist Nintendo bereits im Geschäft. Zu Beginn wurden handgemachte Spielkarten (für das japanische Hanafuda-Spiel, siehe Bild) produziert. Doch Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde dem damaligen Firmenchef Hiroshi Yamauchi klar, dass das Spielkartengeschäft seine Grenzen hat. Diverse vergebliche Ausflüge in andere Geschäftsbereiche (sogar als Taxiunternehmen und Nahrungsmittelproduzent) trieben das Unternehmen fast in den Ruin. Doch mit dem Fokus auf elektronische Spiele fand Nintendo schließlich ab Ende der Siebzigerjahre seine wahre Berufung.

Durch clevere Marketingtaktiken und schlaue Produkte, wie die hierzulande als „tricOtronic“ bezeichneten tragbaren Videospiele und das Nintendo Entertainment System wurde Nintendo in den Achtzigern zum Quasimonopolisten der Branche, trotz einer intensiven Rivalität mit dem Konkurrenten Sega. Sonys Playstation würde es ohne Nintendo gar nicht geben.

Ursprünglich wollte Sony eine Snes-Konsole mit Laufwerk bauen. Die Zusammenarbeit scheiterte, Nintendo entschied sich für Philips als Partner. Und Sony behielt den Projektnamen bei und brachte die erste Playstation auf den Markt. Voriges Jahr wurde die einzige voll funktionsfähige Nintendo-Playstation für mehr als 36.000 Dollar versteigert.

Deutlich teurer war das aktuellste Projekt der Japaner. 461 Millionen Dollar kostete der Freizeitpark, der nun offiziell Teil des Vergnügungsparks Universal Studios ist. Die offizielle Eröffnung musste aufgrund der Pandemie mehrmals verschoben werden. Ursprünglich sollte er schon vergangenes Jahr eröffnet werden und im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele in Tokio zahlreiche Zuschauer anlocken.

Weitere Länder sollen folgen. Super-Mario-Freizeitparks wie in Japan sind auch in den US-Universal-Studio-Parks in Orlando und Hollywood geplant. Ankündigungen für ähnliche Pläne in Europa gibt es bislang nicht.

Da müssen die digitalen Abenteuer ausreichen. Hier sorgt Nintendo für Abwechslung: Wie zuletzt mit „Super Mario Kart Live: Home Circuit“, das die eigene Wohnung zur Rennstrecke macht. Außerdem ist eine Pro-Version der Erfolgskonsole Switch im Gespräch. Langweilig wird es mit Mario im Nintendo-Universum also auch nach knapp 40 Jahren nicht. ⫻

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2021)