Ruth Elsner: Die Kämpferin wider Willen

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Ruth Elsner's Kampf dauert bereits mehr als dreieinhalb Jahre: Sie will ihren Mann, Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner, aus dem Gefängnis holen. Am Dienstag könnte Ruth Elsner am Ziel sein. Sie zeigt sich zuversichtlich.

Die Worte „mein Mann“ hört man von ihr ziemlich oft. Wenn sie „mein Mann“ sagt, schwingt ein mahnender, ja kämpferischer Unterton mit. Ihr Mann ist Helmut Elsner. Die Öffentlichkeit kennt ihn als Ex-Bawag-Chef oder Ex-Bawag-General und sehr bald wohl auch als Ex-Gefängnisinsassen. Am Dienstag (21.9.) werden sich für den im 76. Lebensjahr stehenden U-Häftling aller Voraussicht nach die schweren, grünen Gefängnistore der Justizanstalt Wien-Josefstadt öffnen. Dann wird Helmut Elsner – so der Haftrichter zustimmt – als einer der ersten Fußfessel-Träger Österreichs geradewegs in sein privates Domizil, das umstrittene Penthouse in der Wiener City, Tuchlauben 7/12, gebracht werden. „Ich bin zuversichtlich, dass mein Mann nach Hause kommt“, sagt Ruth Elsner.

Die 53-Jährige ist seit 22 Jahren verheiratet. Mit 25 hatte sie als Schalterangestellte in der Bawag-Zentrale begonnen. Und Helmut Elsner kennen gelernt, der damals noch in zweiter Ehe verheiratet war. Goldene Jahre folgten. Schließlich wurde Helmut Elsner als Zentralfigur des größten Wirtschaftsprozesses, den Österreich je hatte, eingesperrt. Das war vor mehr als dreieinhalb Jahren. Seither macht seine Gattin mobil. „Meine Frau kämpft wie eine Löwin für mich“, schleuderte Elsner während des Bawag-Prozesses seiner Richterin, der jetzigen Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, entgegen.

Zur Frontfrau geworden

Von Ruth Elsners altem Leben ist nicht mehr viel übrig. Die modebewusste Dame, die früher sosehr im Schatten ihres mächtigen Mannes stand, dass selbst Society-Kenner passen mussten, ist längst zur Frontfrau geworden. Die Kunstfreundin, die etwa das Werk Oskar Werners hoch schätzt, hat gelernt, der bissigen Abneigung vieler Mitbürgerinnen zu trotzen. Sie hat gelernt, mit 1300 Euro monatlich aus der ASVG-Pension ihres Mannes zu haushalten, das Vermögen ist eingefroren. Sie kennt das Gefühl, finanzielle Zuwendungen von Freunden anzunehmen. Über den Unternehmer Martin Schlaff sagte sie zur „Presse“: „Den rechne ich zu den sehr, sehr engen Freunden.“

Sie hat gelernt, sperrige Gerichtsakten zu dechiffrieren und Anwälten Beine zu machen. Sie hat gelernt, die Macht der Medien für ihre Zwecke einzusetzen. Dabei überschreitet sie ihrem Mann zuliebe mitunter Schmerzgrenzen, indem sie sich genau jenem Boulevard offenbart, der den „Häfen“-Insassen Helmut Elsner einst verhöhnt hatte. Und doch ist sie die Frau des „Generals“ geblieben, der in den zweimal 30 Minuten Besuchszeit pro Woche die aktuelle Marschroute vorgibt.

Demnach wird derzeit Wolfgang Flöttl, der Mann, der die Bawag-Gelder in den Sand der Karibik setzte, ins Visier genommen. „Ich habe den massiven Verdacht, dass die Darstellung, die Herr Flöttl im Prozess gab, nicht stimmt. Das belegen auch meine Recherchen“, erklärt Ruth Elsner, die Kämpferin wider Willen. Zur Erinnerung: Helmut Elsner wurde wegen Untreue, schweren Betruges und Bilanzfälschung zu neuneinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Flöttl, der sich im Gegensatz zu Elsner kooperativ zeigte, erhielt nur zehn Monate unbedingte Haft (den Rest der Strafe, 20 Monate, bekam er auf Bewährung). Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Einst führte Ruth Elsner das 278 Quadratmeter große Tuchlauben-Penthouse als Salon. Sie selbst kochte für Geschäftspartner und Freunde ihres Mannes. Der „Herr Flöttl“, mit dem die Elsners damals per Du waren, lobte sogar vor Gericht die Kochkünste der Dame des Hauses. Indessen mutierte der Spekulant zum Feindbild. Und Kochen konnte Ruth Elsner lange Zeit nicht einmal für ihren Mann, obgleich sie sich dies – auch das erfuhr das Gericht – sehnlich gewünscht hätte.

In Kürze dürfte dem Salon wieder Leben eingehaucht werden. Zwar hat die Bawag dafür gesorgt, dass der Kaufvertrag, mit dem die einstige Bank-Immobilie 2005 an Ruth Elsner überging, gerichtlich als „unwirksam“ deklariert wurde; dennoch haben die Elsners vorerst nicht vor auszuziehen. Monatlich wird an die Bank eine Art Benützungsgebühr überwiesen. Das funktioniert. Muss es auch: Eine fixe Unterkunft ist für das Projekt „Fußfessel“ unabdingbar. Nun war die Justizwache im Haus. Eine Überwachungsstation, die die Signale des in die Fußfessel eingebauten Senders registrieren soll, wurde getestet. Alles o. k., bestätigt Ruth Elsner.

Der Kampf, den die „Löwin“ seit der Inhaftierung ihres Mannes am 13. Februar 2007 führt, geht also zu Ende. Frei ist ihr Mann jedoch nicht: Die U-Haft bleibt aufrecht – sie darf nur, so der Haftrichter will, als Hausarrest fortgesetzt werden. An der Fluchtgefahr sei nicht zu rütteln, meint das Oberlandesgericht Wien zornig – und wird dabei persönlich. Es hält Helmut Elsner für „skrupellos“ und „unverfroren“. Für Ruth Elsner haben solche Wertungen Methode. Sie glaubt immer noch an die Schuldlosigkeit ihres herzkranken Mannes und fragt mit Blick auf die verschwundenen Gelder: „Warum ermittelt die Justiz nicht vollständig?“ Immer wieder sind es angebliche Charaktereigenschaften Helmut Elsners, die mit dem Bawag-Skandal in einem Atemzug genannt werden. Oskar Werner (1922-1984) sagte: „Ich glaube, dass unser Charakter unser Schicksal ist.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2010)

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