Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Infektionslage

Lockern oder Lockdown? So steht Österreich derzeit da

Outbreak of the coronavirus disease (COVID-19) in Vienna
Dass die Schanigärten in ganz Österreich bald öffnen können, ist angesichts der Infektionslage eher unwahrscheinlich.(c) REUTERS (LISI NIESNER)
  • Drucken

Überlastete Intensivstationen, steigende Inzidenz und die sich immer weiter ausbreitende, gefährliche Virusvariante B.1.1.7 machen Lockerungen immer unwahrscheinlicher. Ein Überblick über die aktuelle Corona-Situation.

Endlich Lockerungen oder doch noch einmal den Lockdown verlängern? Die österreichische Bundesregierung steht wieder einmal vor der gleichen Frage. Am Montag wird bei einem Gipfel im Bundeskanzleramt gemeinsam mit den Landeshauptleuten über das Vorgehen in der Corona-Krise entschieden. Große Lockerungen wie die Öffnung der Schanigärten, die bereits für kommenden Samstag angekündigt waren, scheinen angesichts der sich verschlechternden Infektionslage nicht wahrscheinlich - auch wenn sich das manche wie Wiener Stadtrat Peter Hacker immer noch vorstellen können.

Doch wie steht Österreich derzeit da? Wo steigen die Zahlen derzeit besonders? Und wie sieht es in Krankenhäusern und Intensivstationen aus?

Am Sonntag wurde mit 2713 Neuinfektionen erneut ein Zuwachs gegenüber der Vorwoche (2503) verzeichnet. Auch am heutigen Montag war die Zahl mit 2412 Neuinfektionen hoch. Es ist der höchste Wert an einem Montag in diesem Jahr. Vergangene Woche waren es am Montag, an dem die Zahlen üblicherweise aufgrund geringerer Wochenend-Meldungen niedriger sind, noch 1896 Neuinfektionen, in der Vorwoche 1910 Fälle.

Die Sieben-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner kletterte am Sonntag auf 236. Vor genau einer Woche lag der Wert noch auf 207,8, die Woche davor sogar erst bei 175,6. Wie man in der Grafik gut erkennen kann, stieg die Inzidenz kurz nach der Öffnung der Schulen und des Handels Mitte Februar. Seitdem ist sie nahezu ungebremst im Höhenflug.

Mittlerweile gilt als wahrscheinlich, dass die Regierung ihre Strategie der regionalen Maßnahmen weiter fortsetzt. So hat Vorarlberg schon vor zwei Wochen erste Öffnungsschritte setzen können. Welches Bundesland folgen könnte, ist jedoch mehr als unklar. Sieht man sich die Sieben-Tages-Inzidenz an, liegen alle Länder außer Vorarlberg bei relativ hohen Werten.

Wien hat Salzburg mittlerweile eingeholt und liegt mit einer Inzidenz von 314 an der Spitze. Salzburg folgt jedoch relativ dicht dahinter mit 305,7. Relativ hohe Werte weisen auch Burgenland (258,8) und Niederösterreich (257,7) auf. Oberösterreich liegt bei 204,7. Unter 200 zu bleiben schafften nur die Steiermark (183,9) und Kärnten (184,6). Vorarlberg hält sich relativ konstant unter 100, mit einer Inzidenz von derzeit 62,2.

 

Neuer Rekord an Wiener Intensivstationen

Ausschlaggebend sein für die Entscheidung der Regierung und der Landeshauptleute wird wohl auch die Situation in den Intensivstationen. Als „zunehmend dramatisch“ beschrieb Klaus Markstaller, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) diese am Sonntag. Besonders im Osten seien die Stationen bereits weitgehend oder sogar vollständig ausgelastet.

Am Montag befanden sich österreichweit 437 Patienten in Intensivstationen. Deren Zahl stieg innerhalb der vergangenen Woche um ein Fünftel, in Summe kamen 73 Patienten hinzu. Besonders auffällig die Zahlen aus Wien: Hier waren es mit 165 Patienten sogar mehr Patienten als beim bisherigen Höchststand (162) am 21. November 2020. Auch das Burgenland nähert sich dem bisherigen Rekordwert an. Es verzeichnete am 30. November die seit Beginn der Pandemie meisten Schwerkranken mit 22. Am Montag befanden sich im östlichsten Bundesland bereits 16 Patienten auf Intensivstationen.

Das aktuelle Bild sei eine Konsequenz der Tatsache, dass die Mutation B.1.1.7 zunehmend zur dominierenden Variante wird, sagte Markstaller. Diese sei deutlich infektiöser und auch das Mortalitätsrisiko dürfte signifikant höher sein, und zwar im Durchschnitt um etwa 60 Prozent, wie große Studien nahelegen. Dies gehe auch mit schwereren Verläufen bei Personen einher, die bisher nicht zu den Risikogruppen gezählt wurden.

"Die Patientinnen und Patienten kommen sehr viel rascher nach Auftreten der ersten Symptome auf die Intensivstation, sie sind schwerer krank, und sie sind auch deutlich jünger", sagte Markstaller. Die Vorstellung, nur alte und schwer vorerkrankte Menschen seien gefährdet, stimme jetzt weniger denn je.

Burgenland bei Virusvarianten Spitzenreiter

Die Virus-Variante B.1.1.7 stellt also zunehmend ein Problem für Österreich, insbesondere die östlichen Bundesländer, dar. Wie die neuesten Zahlen der Ages zeigen, machte der Anteil der problematischen Virusvarianten in der Woche vom 8. bis 14. März in fast allen Bundesländern mehr als die Hälfte aus. Die britische Variante B.1.1.7 ist laut Ages die am häufigsten verbreitete.

Im Burgenland waren gar schon rund 95 Prozent der positiven Fälle auf B.1.1.7 oder andere Varianten zurückzuführen. Auch in Kärnten und Wien sind über 80 Prozent der Fälle nicht mehr dem ursprünglichen „Wildtyp“ zuzurechnen.