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Rechtsstreit

Schafferer gegen Pecik: Geschichte einer langsamen Entzweiung

Ronny Pecik kaufte ein Aktienpakt im Alleingang
Ronny Pecik kaufte ein Aktienpakt im AlleingangDie Presse/Fabry
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Eine gemeinsame Übernahme eines Aktienpakets an der s Immo kam 2017 nicht zustande, Pecik übernahm das Paket im Alleingang. Wie das Gericht entscheidet, wird sich weisen.

Das Jahr 2017 hätte für den Tiroler Immobilienentwickler Markus Schafferer den großen Einstieg am Wiener Börsenparkett bringen sollen. Er trat an den Wiener Investor Ronny Pecik mit einem tollen Angebot heran: Er, Schafferer, habe eine Option darauf, das vom russischen Investor Roman Abramovich gehaltene Aktienpaket an der s Immo zu erwerben und suche einen erfahrenen - und finanzstarken - Partner, um den Deal zu heben. Es ging immerhin um etwa 90 Millionen Euro.

Die Verhandlungen liefen im Jänner 2017 intensiv, man traf sich mehrmals, Schafferer stand jedes Mal mit dem Gefühl vom Tisch auf, Pecik wolle und werde das Geschäft mit ihm machen. Wobei sich die Tiroler Seite vorstellte, dass die Einfädlung des Deals gleich viel Wert sei wie das Aufbringen des dafür nötigen Kapitals. Schafferer wollte praktisch kein Geld einbringen, aber die Hälfte, in einer Phase sogar etwas mehr als die Hälfte des für das Aktienpaket zu gründenden Joint Ventures. Das sei die längste Zeit unstrittig gewesen, erst am Ende habe Pecik "50+" Anteile gewollt, so Schafferer vor Gericht.

Im April kaufte Pecik aber ohne Schafferer das ganze Paket, das rund 11 Prozent der s Immo ausmachte. Die damaligen Vorgänge sind jetzt gerichtsanhängig, weil sich Schafferer übervorteilt fühlt.

Nicht Klartext gesprochen

Das Grundproblem war zweifellos, dass nicht Klartext gesprochen wurde. Es begann wohl damit, dass Schafferer von einer "Option" auf das Aktienpaket sprach, so ein rechtlich verbindliches Instrument hätte aber öffentlich bekannt gegeben werden müssen. Ob Schafferer bewusst war, welche rechtlichen Konsequenzen seine Wortwahl hatte blieb in der Zeugenbefragung unklar, Schafferer gab aber selber zu Protokoll, dass er sich "kryptisch" geäußert habe. Mit der Zeit ging Schafferer darauf zurück, er habe "Zugriff" auf die Aktien. Für die Anwälte Peciks klingelten aber die Alarmglocken, eine nicht bekanntgegebene Option würde zum Verlust der Stimmrechte führen.

Es wurde zwar viel gesprochen und geschrieben, handfeste Vereinbarungen gab es aber nicht. So wollten beide Seiten eine Vertraulichkeitsvereinbarung, unterschrieben wurde keine. Dennoch hatte Schafferer auf Basis des E-Mail-Austausches das Gefühl, es sei Vertraulichkeit vereinbart worden. Es lagen Termsheets am Tisch, eine Einigung auf die Konditionen der Zusammenarbeit gab es nicht. Schafferer forderte regelmäßig ein neues Termsheet ein, während aus Sicht Peciks der Vorschlag vom 20. Jänner 2017 durchgehend Gültigkeit besessen hätte und lediglich von Schafferer angenommen hätte werden müssen. Auch die Option blieb ein mündliches Versprechen.

Von beiden Seiten bestätigt ist ein Schreiben Schafferers von Mitte Februar, in dem er den Deal als "erledigt" bezeichnet und einen Vermittler um die Nennung anderer Investoren bittet. Schafferer will es aber nur geschrieben haben, um Pecik unter Druck zu setzen und den Deal mit ihm abzuschließen, wie der Tiroler bei seiner Befragung, die bereits im November 2020 stattfand, sagte, Pecik wiederum will dies als "Anfang vom Ende" des Deals erlebt haben. Seine Befragung fand wegen einer coronabedingten Unterbrechung erst heute Dienstag statt.

Pecik griff zu

Miteinander gewollt hätten beide bis zum Ende, sagten die Fast-Geschäftspartner aus. "Ich bin immer davon ausgegangen, dass mit Pecik der Deal über die Bühne geht", so Schafferer, "Ich hätte ihn jederzeit noch dazugenommen", so Pecik, selbst noch in der Phase, als ihm das Aktienpaket von anderer Seite angeboten wurde.

Schafferer habe aber von Jänner bis März "nicht geliefert", also seinen Zugriff auf das Aktienpaket nicht belegt, die Vertraulichkeitsvereinbarung nicht unterzeichnet und nicht belegt, dass er alleinigen Zugriff auf das Aktienpaket hat, kritisiert Pecik. Und Schafferer hat wohl außerdem zu viel verlangt - die Hälfte der Anteile bei praktisch keinem Geldeinsatz wäre für Pecik nicht akzeptabel gewesen, machte er in der Befragung deutlich. So eindeutig und direkt scheint das aber nicht kommuniziert worden zu sein, jedenfalls nicht schriftlich.

Daher griff Pecik zu, als ihm das Paket von anderer Seite angeboten wurde - und machte den Deal Anfang April 2017 alleine. Schafferer erfuhr davon erst unmittelbar vor der allgemeinen Öffentlichkeit und war nach eigenem Bekunden wütend. Eine schriftliche Reaktion an Pecik blieb aber aus.

Prozess im Hotel

Und die Kontakte der beiden Männer blieben geschäftlich-freundschaftlich. Schafferer sei noch "zwei Jahre lang bei mir ein und ausgegangen", sagt Pecik und habe ihm noch bei anderen Deals eine Zusammenarbeit angeboten, es sei aber nie zu einem Geschäft gekommen. Auch jetzt hält Pecik viel von Schafferer, das Verhältnis sei immer gut gewesen.

Erst 2019 beschloss Schafferer, Pecik zu klagen. Aus Schafferers Sicht, weil Pecik in einem Gespräch eingeräumt habe, dass sein Umgang mit dem Deal 2017 nicht in Ordnung gewesen sei. So eine Aussage habe es nicht gegeben, gibt demgegenüber Pecik zu Protokoll.

Wie das Gericht entscheidet, wird sich weisen - falls noch ein Zeuge aus den USA befragt wird, kann das auch noch ein Jahr dauern. Dabei hatten die beiden Streitparteien vereinbart, dass der Verlierer die Kosten für die Anmietung eines Raums im Hotel Hilton übernehmen, damit der Prozess trotz Corona über die Bühne gehen kann. Heute wurden alle Teilnehmer getestet und behielten die Masken auf, auch im Zeugenstand.

(APA)