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Corona-Impfungen

AstraZeneca: 29 Millionen Dosen Impfstoff nahe Rom entdeckt

AstraZeneca kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen.
AstraZeneca kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen.APA/AFP/ANP/PIROSCHKA VAN DE WOU
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Nur 17 Millionen statt mindestens 90 Millionen vertraglich zugesicherter Dosen hat AstraZeneca bisher geliefert. Ein Fund in Italien sorgt für Unmut.

Einen Tag vor dem Europäischen Rat am Donnerstag, bei dem es hauptsächlich um die stockenden Impfkampagnen in den EU-Staaten gehen wird, sorgte der Pharmakonzern AstraZeneca erneut für Negativschlagzeilen. Bei einer Inspektion im Werk des Zulieferers Catalent in der Gemeinde Anagni südöstlich von Rom fanden italienische Beamte 29 Millionen lieferbereite Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs gegen Covid-19. Anlass dieser Razzia war ein Ersuchen aus Brüssel gewesen. Thierry Breton, EU-Binnenmarktkommissar und Chef von deren Impf-Arbeitsgruppe, hatte Italien um Nachschau in der Fabrik gebeten. Der Konzern ist gegenüber der Kommission, mit der er das Vorkaufsabkommen geschlossen hat, so intransparent in der Weitergabe von Produktionszahlen, dass Breton sich so ein klares Bild über die Probleme bei der Einhaltung des Vertrages machen möchte.

„Nur sehr kleinen Teil erfüllt“

Und die Probleme sind noch größer als bisher angenommen. Denn AstraZeneca wird bis Ende nächster Woche nicht einmal jene 30 Millionen Dosen an die EU geliefert haben, welche es nach langem Hin und Her zugesagt hatte. Laut der täglich aktualisierten Statistik des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) waren bis Dienstag nur knapp mehr als 17 Millionen Dosen an die Mitgliedstaaten überstellt worden. Österreich erhielt davon laut ECDC 388.800 Dosen (laut dem Gesundheitsministerium waren es 369.600 Dosen).

Selbst wenn es in der Übermittlung dieser Daten immer reiner logische Zeitverzögerung gibt, ist das eine fatale Zwischenbilanz. „AstraZeneca hat nur einen sehr kleinen Teil seiner Verpflichtungen erfüllt. Es ist sehr weit weg von seinen vertraglichen Verpflichtungen“, warnte EU-Handelskommissar Valdis Dombrovskis am Mittwoch. Zur Erinnerung: in seinem Vertrag vom August vorigen Jahres verpflichtete sich das Unternehmen, im ersten Quartal, also bis Ende März, mindestens 90 Millionen Dosen zu liefern.

In Brüssel verfestigt sich der Eindruck, dass AstraZeneca wissentlich oder zumindest mutwillig uneinhaltbare Zusagen an die EU gemacht hat. „Das Unternehmen bringt uns in enorme Probleme“, sagte ein EU-Diplomat aus einem grundsätzlich freihandelsfreundlichen Mitgliedstaat. „Es hat offensichtlich an mehrere Länder Dinge versprochen, die es nicht gleichzeitig einhalten kann.“

16 Millionen Dosen für die EU

Was genau mit diesen 29 Millionen Dosen passieren soll, die in Italien entdeckt wurden, klärte das Unternehmen am Mittwoch erst nach einer mehr als sechsstündigen Schrecksekunde. Sämtliche Dosen seien außerhalb der EU produziert und in Italien abgefüllt worden. Sie würden nun einer letzten Qualitätskontrolle unterzogen. Sobald diese erfolgt ist, sollen 16 Millionen an EU-Staaten gehen: rund zehn Millionen noch im März, der Rest im April. Die übrigen 13 Millionen Dosen wiederum seien für die internationale Covax-Initiative bestimmt, die mit Unterstützung der EU armen Ländern kostenlos Impfstoffe zur Verfügung stellt. Das bestätigte auch Kommissar Breton im Interview mit dem spanischen Radiosender „Cadena Ser“ vor seiner Visite eines pharmazeutischen Werks in Barcelona.

Kein „Basar“ beim EU-Gipfel

Der EU-Diplomat erklärte übrigens auf Frage der „Presse“ übereinstimmend mit einem zweiten, dass die Umverteilung von Impfstoffen an jene Länder, die wegen AstraZenecas Lieferversagen Impfrückstand haben, nach Möglichkeit nicht beim Gipfel angegangen werden soll, sondern schon vorher in der Steuerungsgruppe der Vertreter der nationalen Gesundheitsministerien: „Wir hören, dass es es die starke Meinung des EU-Ratspräsidenten Charles Michel ist, diese Lösung nicht dort zu finden. Das ist nicht der Ort dafür.“

Am Donnerstag und Freitag steht ein EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs auf dem Programm. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) warnt vor einer Spaltung Europas aufgrund der Frage der Verteilung von Corona-Impfstoffen. "Wir können kein Interesse daran haben, dass sich die Kluft innerhalb der Europäischen Union bei der Durchimpfung der Bevölkerung immer mehr vergrößert und wir somit EU-Mitgliedstaaten zweiter Klasse schaffen", sagte Kurz der deutschen Tageszeitung "Welt“ am Mittwoch.