Konjunktur

Euro-Wirtschaft wieder in Wachstumsspur

Das Barometer für die Euro-Zone zeigt erstmals seit einem halben Jahr Wachstum.

Trotz der anrollenden dritten Corona-Welle ist die Wirtschaft in der Euro-Zone wieder auf Wachstumskurs und die Industrie brummt wie nie zuvor. Das geht aus den am Mittwoch vorgelegten Einkaufsmanager-Umfragen des Instituts IHS Markit hervor. Das daraus berechnete Barometer stieg im März für die Euro-Zone auf 52,5 Zähler von 48,8 im Februar. Es liegt damit erstmals seit einem halben Jahr wieder über der Wachstumsschwelle. "Mit einem stärker als erwartet ausgefallenen Wachstum hat die Euro-Zone alle Vorhersagen übertroffen, hauptsächlich dank der Rekordsteigerung der Industrieproduktion", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson.

Angeführt wurde der Aufschwung der Industrie von der Rekordausweitung der Produktion in Deutschland sowie der höchsten Steigerungsrate in Frankreich und in den übrigen Ländern seit Januar 2018. Der Servicesektor bleibe zwar "das Sorgenkind Nummer eins", sagte Markit-Experte Williamson. Aber auch hier habe sich die Talfahrt im März verlangsamt, da die Unternehmen vom Industrie-Aufschwung profitierten. Volkswirt Christoph Weil von der Commerzbank verweist auf die erstaunliche Robustheit dieses Industriebooms: "Hieran scheinen weder die in vielen Ländern wieder steigenden Infektionszahlen noch die Lieferengpässe bei Chips in der Automobilindustrie etwas Grundlegendes zu ändern."

Auch die Geschäfte der deutschen Wirtschaft haben im März unerwartet deutlich an Schwung gewonnen. Der gemeinsame Einkaufsmanagerindex für die deutsche Privatwirtschaft - Dienstleister und Industrie zusammen - kletterte um 5,7 auf 56,8 Punkte. Das Industrie-Barometer stieg sogar um 5,9 auf das Rekordhoch von 66,6 Punkte: "Die boomende globale Nachfrage nach Industrieerzeugnissen 'Made in Germany' scheint nicht nachzulassen, und laut den Unternehmen werden zuvor verschobene Investitionen jetzt getätigt", sagte Markit-Ökonom Phil Smith. Es bestehe nun sogar die Aussicht, dass das erste Quartal 2021 besser ausfalle als erwartet.

Das Münchner Ifo-Institut geht von einem Minus von 0,7 Prozent aus, doch viele andere Ökonomen sind skeptischer und erwarten eher ein Minus von um die zwei Prozent. "Trotz der überraschend verbesserten Stimmungswerte sollte die Wachstumserwartung nicht zu hoch gesteckt werden", meint Ökonom Ralf Umlauf von der Helaba. "Insbesondere vor dem Hintergrund, dass in der ersten Aprilhälfte wieder zusätzliche Belastungsfaktoren durch verlängerte und verschärfte Beschränkungen entstehen."

Volkswirt Christoph Swonke von der DZ Bank verweist darauf, dass die Industrie derzeit gesamtwirtschaftlich hierzulande viel abfedert und die Produkte weltweit gefragt sind. Dennoch dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung in den ersten drei Monaten des Jahres um 1,5 Prozent sinken: "Ohne die gute Exportlage sähe das aber wesentlich dramatischer aus."

(APA/Reuters)


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