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Mit Bäumen zeigt man jetzt, was man hat.
Gestaltung

Im Garten: „Bäume sind der neue Luxus“

Markise war gestern, jetzt sitzt man unter schattigen alten und teuren Bäumen. Diese werden notfalls per Kran aufgestellt.

Die neuesten Statussymbole in den Gärten sind alt, groß und teuer: Mit Bäumen zeigt man jetzt, was man hat – aber nicht mit irgendwelchen kleinen Gehölzen, sondern mit prächtigen Vertretern ihrer Art, unter deren Kronen es sich schattig sitzen lässt. „Bäume sind der neue Luxus“, berichtet Gertraud Monsberger, Inhaberin des gleichnamigen Gartenarchitekturunternehmens in Graz. „Dazu gehören etwa der Tulpenbaum oder die Silberlinde, die bis zu 20 Meter hoch und 15 Meter breit werden können und 5000 bis 20.000 Euro kosten dürfen.“

Weg von Alu-Konstruktionen

Auch Bernhard Kramer, Inhaber von Kramer und Kramer, bestätigt diese Entwicklung: „Der Trend geht weg von Aluminiumkonstruktionen, weil Schatten immer ein starker Eingriff in die Architektur ist – und mit Natur kann man nichts falsch machen.“ Für ihn gehört die Felsenbirne in Schirm- oder Spalierform zu den perfekten Schattenspendern, genauso wie mehrstämmige Trauerweiden, die nicht nur Schatten schaffen, sondern auch verwunschen wirken.

„Der Trend geht weg von Aluminiumkonstruktionen, weil Schatten immer ein starker Eingriff in die Architektur ist – und mit Natur kann man nichts falsch machen.“

Bernhard Kramer, Inhaber von Kramer und Kramer.

„Und Sumpfeichen machen überhaupt ganz perfekte Dachformen und Schattenszenarien“, fügt er hinzu. Wobei „perfekt“ in diesem Zusammenhang nicht „bonsaigeschniegelt“ meint, wie er betont. „Sondern vielmehr für alte, skulpturelle Bäume, ausdrucksstarke Charakterstämme und uralte Obstbäume steht, an denen vielleicht Kindheitserinnerungen hängen.“

Schattenspender

Für Birgit Fischer-Radulescu, Inhaberin von Purpurgrün Gartenarchitektur, sind vor allem ausgefallene Baumsorten schöne Schattenspender und entsprechend nachgefragt. „Zum Beispiel rotlaubige oder solche, die Blätter mit weißen Rändern haben, oder an geschützten Orten der Taschentuchbaum mit seinen schönen weißen Blüten“, berichtet sie. „Momentan suche ich gerade für einen Kunden eine Spanische Eiche, die es auch in Schirmformen gibt.“ In den Katalogen der Baumschulen werden für solche Exemplare mit 45 Zentimeter Stammumfang und sieben bis acht Meter Höhe über 6000 Euro aufgerufen – die auch gezahlt werden.

Gewusst wann . . .

Wer weiß, wie es geht, kann allerdings die Auswahl in der Baumschule seines Vertrauen noch deutlich vergrößern, wie Peter Baumgarten, Projektleiter bei der Begründer Gartengestaltung, verrät. „Für den Kauf großer Bäume ist der März ein besonders guter Zeitpunkt – was vielen Gartenbesitzern gar nicht bewusst ist“, sagt der Experte. „Dann hat man nämlich bei den Baumschulen noch die ganze Auswahl vom Feld.“ Denn Baumschulen verkaufen naturgemäß immer nur einen bestimmten Prozentsatz ihrer Bäume pro Jahr. „Das sind häufig lediglich um die zehn Prozent, und diese Bäume werden jetzt unterstochen, damit man sie verkaufen kann“, verrät er.

„Momentan suche ich gerade für einen Kunden eine Spanische Eiche, die es auch in Schirmformen gibt.“

Birgit Fischer-Radulescu, Inhaberin von Purpurgrün Gartenarchitektur.

Wer also früh bei der Baumschule vorstellig werde, habe noch die Gelegenheit, vom ganzen Feld zu wählen, da noch nichts oder erst wenig vorgestochen ist – andererseits aber bei den Bäumen noch keine Blüte begonnen hat. Denn in so einem Fall kann der Baum zumindest einmal eine Zeit lang nicht mehr schadlos ausgegraben werden. Technisch sind dem keine Grenzen gesetzt, und das alte Sprichwort vom alten Baum, den man nicht mehr verpflanzt, ist längst überholt. „In den Baumschulen werden die Bäume regelmäßig verpflanzt, damit sie lernen, mit dem kleinen Ballen zu leben“, erklärt Fischer-Radulescu.

Und wenn man sich ein ganz besonders beeindruckendes Exemplar ausgesucht hat, wird es eben standesgemäß wie ein neues Statussymbol geliefert: „Dann kommt notfalls ein Sattelschlepper und der Baum wird mit einem Kran aufgestellt“, erzählt die Gartenarchitektin. Aber auch für etwas kleinere Szenarien ist natürlicher Schatten in jeder Form jetzt gefragt wie nie, wie Monsberger berichtet: „Das liegt daran, dass Markisen häufig nicht mehr ausreichen“, so die Gartenarchitektin. „Daher sind auch überwachsene Pergolen ein ganz großes Thema oder Kletterpflanzen an den Wänden, um die Räume zu kühlen.“ (SMA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2021)