Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Militärdiktatur

Burma: Sicherheitskräfte erschießen über 100 Menschen

Verwüstete Straßen in Mandalay.(c) REUTERS (STRINGER)
  • Drucken

Die Lage eskalierte am Tag der Armee. Aus Russland kam indes eine Delegation zur Parade.

Das jüngste Opfer ist gerade einmal ein Jahr alt. Mit einem Gummigeschoss wurde das Baby am rechten Auge getroffen. Die Bilder des Säuglings wurden am Samstag zigfach in den sozialen Medien geteilt.
Die Lage in Burma (Myanmar) eskaliert weiter. Während die Armee sich am Samstag selbst mit einer Parade feierte, gingen wieder Tausende Burmesen auf die Straßen.

Schon am Freitag hatte der burmesische Militärfernsehsender verkündet, dass die Demonstranten Kopfschüsse riskieren würden. Die Soldaten machten die Drohung wahr: Mindestens 114 Menschen, darunter auch Kinder, sollen in mehreren Städten getötet worden sein.

Nach Angaben der Vereinten Nationen war es der "blutigste Tag" seit dem Putsch Anfang Februar. "Die Gewalt ist völlig inakzeptabel und muss sofort aufhören", hieß es in einer Mitteilung. Die Europäische Union sprach in den sozialen Medien von einem Tag des "Terrors und der Ehrlosigkeit". Das Töten unbewaffneter Zivilisten und Kinder sei unentschuldbar. Auch der US-Botschafter in Myanmar verurteilte das Vorgehen des Militärs: "Das Blutvergießen ist grauenvoll," schrieb Thomas Vajda auf Twitter. Das Militär Myanmars habe Schande über sich gebracht, indem es auf "unbewaffnete Zivilisten" geschossen habe, schrieb der britische Botschafter Dan Chugg auf Twitter.

Die neuen Proteste fanden am Tag der Armee statt, den das Militär mit einer Parade in der Hauptstadt Naypyidaw beging. Die Generäle hatten unbeirrt ihre jährliche Parade anlässlich des Gedenktages der Armee abhalten lassen. Auch Vertreter des russischen Militärs waren angereist – laut Reuters die einzige Delegation aus dem Ausland.

Russische Delegation bei der Parade

An der Parade nahm laut Staatsagentur Tass auch der russische Vize-Verteidigungsminister Alexander Fomin teil. Demnach wollen Russland und Myanmar ihre Beziehungen verstärken. Beide Staaten wollten eine militärische und militär-technische Zusammenarbeit ausbauen. Fomin nannte Myanmar einen "zuverlässigen Verbündeten und strategischen Partner in Südostasien und pazifischen Raum". Myanmars Oberbefehlshaber, Min Aung Hlaing, sagte laut der britischen BBC, dass Russland ein "wahrer Freund" sei.

Russische Medien berichteten, dass neben Russland auch Länder wie China, Indien, Pakistan, Vietnam und Thailand Vertreter entsandt hätten. Die Einladung Russlands sei eine Reaktion auf die Teilnahme Myanmars an der Militärparade in Russland im vergangenen Sommer gewesen. Russland ist den Berichten zufolge nach China der zweitgrößte Waffenlieferant Myanmars. Die USA, die Europäische Union und Großbritannien hatten nach dem Militärputsch vom 1. Februar Sanktionen verhängt.

Die Hilfsorganisation für politische Gefangene AAPP hatte am Freitagabend die Zahl der Getöteten seit dem Putsch auf mindestens 328 geschätzt. Mit den Toten vom Samstag würde die Zahl 400 übersteigen. Die Zeitung "The Irrawaddy" sprach von 59 Toten am Samstag, unter ihnen drei Kinder im Alter von sieben, zehn und 13 Jahren. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist nicht möglich.

"Dieser Krieg ist erst zu Ende, wenn wir ihn gewonnen haben", sagte ein Aktivist, der anonym bleiben wollte, bei einer Demo in der Nähe der berühmten Sule-Pagode in der größten Stadt Yangon. "Wir hören nicht auf, bis es Freiheit und Gerechtigkeit gibt."

Seit dem Militärputsch gibt es fast täglich Proteste gegen die Machtübernahme. Die Demonstranten fordern Demokratie sowie die Freilassung der festgesetzten De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Ihre Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) hatte bei der Wahl im November einen erdrutschartigen Sieg gefeiert. Das Militär erkennt diesen jedoch nicht an, da es nach seiner Darstellung Wahlbetrug gegeben haben soll, und entmachtete Anfang Februar die zivile Regierung.

 

(APA)