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Coronavirus

Intensivmediziner Hasibeder für Lockdown in ganz Österreich

Coronavirus - Intensivstation
Auf den Intensivstationen liegen immer mehr junge Menschen.APA/dpa/Sebastian Gollnow
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Der Präsident der Intensivmediziner rechnet mit einem exponentiellen Anstieg in ganz Österreich und plädiert für einen zweiwöchigen Lockdown. Schuld sei die britische Variante, aber auch der relativ sorglose Umgang in der Bevölkerung.

Die von der Regierung verordnete „Osterruhe“ für Wien, Niederösterreich und das Burgenland greift für den Intensivmediziner Walter Hasibeder viel zu kurz. Im Ö1-Morgenjournal sprach er sich für eine Ausweitung des Lockdowns auf ganz Österreich aus. Es sei nur „eine Frage der Zeit“ bis dieser notwendig werde, sagte der neue Präsident der Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI).

Der sechs Tage dauernde Lockdown im Osten werde zudem nicht ausreichen, glaubt Hasibeder. Er empfiehlt einen harten Lockdown über 14 Tage, „dann gehen die Infektionszahlen auch wirklich wieder hinunter“.

Hasibeder, der auch die Intensivmedizin im Krankenhaus St. Vinzenz in Zams ist, sagte, dass alle Intensivfälle auf seiner Station derzeit von der Virusvariante B.1.1.7 verursacht wurden. Diese „britische“ Mutante gilt als viel ansteckender und tödlicher und somit auch gefährlicher für junge Menschen. „Viele kommen nun volé von der Notaufnahme in die Intensivstation." Zudem ging Hasibeder davon aus, dass schon viele Fälle der zweiten Infektionswelle auf diese Virusvarianten zurückzuführen gewesen seien.

Exponentielles Wachstum auch in Tirol

Auch in Tirol, wo die Inzidenzzahlen und die Patientenanzahl in den Krankenhäusern in den vergangenen Wochen relativ konstant geblieben sind, würden nun „sehr rasch, exponentiell“ nach oben gehen, sagt Hasibeder.

Das liege einerseits an der britischen Variante, aber andererseits an dem relativ sorglosen Umgang mit dem Virus, wie man es etwa an Bildern vom vollen Donaukanal in Wien sehe. Das sei „eine der Hauptfaktoren“ für die steigenden Zahlen. „Eine Gefahr, die man nicht unmittelbar erkennt, ist nicht existent“, sagt Hasibeder. „Jeder vergisst, dass es ihn am nächsten treffen kann."

Nicht-Covid-Patienten machen Sorgen

Sorgen bereiten Hasibeder auch die zahlreichen Nicht-Covid-19-Patienten, die von einer Überlastung von Intensivkapazitäten betroffen sind. Ob Akutfälle, wie die Folgen eines schweren Unfalls oder einer schweren Infektion, oder nicht akut lebensnotwendige, aber medizinisch erforderliche Operationen, die verschoben werden müssen: Immer mehr Menschen könnten und werden von der mehr als angespannten Versorgungslage betroffen sein, sagte Hasibeder in einer Aussendung der ÖGARI.

Auch ganz ohne Zusatzbelastungen wie eine Pandemie seien die Kapazitäten zu etwa 85 bis 90 Prozent ausgelastet. "Oder anders gesagt, wir haben einen Puffer von etwa zehn bis 15 Prozent." Hasibeder. "So etwas wie freie Intensivbetten gibt es schon zu 'normalen' Zeiten kaum, und schon gar nicht während einer Pandemie."

Man habe von Beginn der Krise an alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen, um die bestehenden Intensivressourcen auszuweiten, meinte auch Intensivmedizin-Kollege Klaus Markstaller. "Doch eine solche Ausweitung hat natürlich Grenzen durch die personellen Ressourcen, die nicht beliebig vermehrbar sind. Intensivmedizin und -pflege sind hochspezialisierte Aufgaben, die eine mehrjährige Ausbildung erfordern."

Durch „unser aller Verhalten beeinflussbar"

Der Aufbau zusätzlicher Intensivkapazitäten bedeute auch, dass Personal aus anderen Bereichen abgezogen werden muss, vorwiegend Anästhesiepersonal, was zwangsläufig zu einer Reduktion der chirurgischen Eingriffe führe. Sind alle Erweiterungspotenziale der Intensivstationen erschöpft und hält der hohe Bedarf an, müssten sogenannte Überbelagsbetten geschaffen werden – ohne zusätzliches Personal. Im schlimmsten Fall stehe am Ende die "harte Triage".

"Die sogenannten Kollateralschäden und anderen negativen Auswirkungen überlasteter Intensivstationen auf Patientinnen und Patienten mit und ohne COVID-19 sind keine Folge eines 'falschen' Pandemiemanagements", meint Markstaller. Sie seien einzig und allein Folge zu hoher Infektionszahlen. "Das ist bis zu einem gewissen Grad schicksalshaft, ab einem gewissen Grad aber nachweislich durch unser aller Verhalten beeinflussbar."

(red./APA)