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Die Ich-Pleite

C-Culture und verbotene Worte

Carolina Frank
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Als ich ein Kind war, haben die Leute am Land das N-Wort noch relativ ungeniert verwendet. Ich bin froh, dass diese Zeiten vorbei sind.

Heute will ich einmal ohne das C-Wort auskommen. Es soll um das Lachen gehen. Und im Zusammenhang mit dem C-Wort gibt es nichts zu lachen. Also ich meine nicht Corona. Darüber lach ich doch! Sondern die Hüterin der Korrektheit unserer Sprache und Witze, um nicht zu sagen: die C-Culture. Die hat viel Positives bewirkt. Als ich ein Kind war, haben die Leute am Land das N-Wort noch relativ ungeniert verwendet. Ich bin froh, dass diese Zeiten vorbei sind. Aber ganz sauber bin ich auch nicht, denn mich schreckte die Meldung, dass ein Redakteur der "New York Times" seine Stelle verloren hat, weil er das N-Wort in einem Zitat wiedergegeben hat.

Als Kind waren es Mama-Papa-Oma-Lehrer-Pfarrer, die sehr genau aufgepasst haben, dass man falsche Begriffe nicht verwendet hat. Besonders heikel war der gesamte Themenbereich der Verdauung. Das S-Wort war verboten, das A-Wort war verboten, das Z-Wort war verboten. Kurz, alles Interessante war von A bis Z verboten.
Für ein Kind war es dann natürlich eine Challenge, alles Verbotene trotzdem zu sagen. Man war ja im Trotzalter. Also hat man die Autoritäten vielleicht mit Raffinement provoziert: "Gell, Mama, B darf man nicht sagen."

Meine Mutter wäre bestimmt stolz auf mich gewesen, hätte sie geahnt, dass ich mich mit dieser Zitierweise als Redakteurin bei der "NYT" qualifizierte. Aber meine Mutter kannte ja nur die "TT". Dort sind damals übrigens auch viele Dinge gestanden, die man heute nicht mehr sagen kann. Über Fremde, über Frauen, über Menschen mit Behinderung, über Wiener. Ups, das war jetzt wohl Wiener-Shaming. Und Tiroler-Shaming. Zwei Gruppen, denen ich selbst angehöre und über die man Witze machen darf. Gell, Mama, das geht gerade noch.