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Annemarie

Kleine und große Ärgernisse

Carolina Frank
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Nur eine Extremindividualistin ärgert sich angesichts des großen Ärgernisses noch über einen geschlossenen Park.

Die großen Ärgernisse sind die Feinde der kleinen. Das kleine Ärgernis ist das seit einem halben Jahr geschlossene Ambrosi-Areal im Wiener Augarten. Früher hätte man über solche Dinge sogar Kolumnen geschrieben, womöglich in anklagendem Ton. Man hätte gesagt: Aha, öffentliche Einrichtungen glauben jetzt offenbar, sie brauchen nicht mehr öffentlich zu sein, nur weil wir andere Sorgen haben. Und es stimmt ja auch. Nur eine Extremindividualistin ärgert sich angesichts des großen Ärgernisses noch über einen geschlossenen Park. Eigentlich ist es ja nur der Teil eines Parks. Trotzdem, früher, als es das große Ärgernis noch nicht gab, hätte man sich als Burghauptmannschaft nicht so leicht getraut, einen öffentlichen Park einfach zuzusperren. Man hätte den Widerstand der Parkbenützerinnen gefürchtet.

Die Unterschriftenaktionen, das Gezeter in den sozialen Netzwerken, die Einmischungen vonseiten der Bezirkspolitik. Und wirklich, das alles hat es auch gegeben. Aber bei der Burghauptmannschaft hat man sich offenbar gedacht: Da brauchen wir uns nicht zu fürchten. Was sind schon 800 Unterschriften von verärgerten Parkanrainern angesichts der großen Lockdown-Impfverzögerung-Covid-Demo-Ärgernisse! Das sitzen wir einfach aus. Und weil es gerade niemanden kratzt, ärgern wir die Leute gleich noch mehr. Wir schließen uns im Ambrosi-Areal ein und machen so viel Lärm, wie geht. Wir veranstalten Sägehappenings und eröffnen ein Open-Air-Versuchslabor, um zu erforschen, wie viele Tage man auf einem Areal von 2000 Quadratmetern das Laub von einem Eck ins andere blasen kann. Wir fällen Bäume und nehmen den Leuten damit den Schatten weg. Und einmal am Tag stellen wir uns ans Tor und machen ganz laut: Ellapätsch!