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OECD-Vergleich: Relativ viele Schulschließtage in Österreich

Clemens Fabry
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Insgesamt waren über die Welt verteilt immerhin geschätzt 1,5 Milliarden Schüler in 188 Ländern von Schließungen betroffen.

Nach rund einem Jahr Corona-Pandemie waren im Februar in weniger als 40 Prozent jener 33 Länder, deren Daten vergleichbar sind, die Schulen tatsächlich weitestgehend und für den größten Teil der Schüler wieder geöffnet. Das ist eine Erkenntnis eines am Donnerstag vorgestellten OECD-Berichts. In Österreich gab es demnach im internationalen Vergleich im Kalenderjahr 2020 relativ viele Corona-bedingte Schließtage an Schulen.

Im Zuge der Pandemie habe sich einmal mehr gezeigt, dass "Schule nicht nur ein Ort ist, wo Schüler lernen", sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher bei einem Webinar der OECD. Auch wenn junge Menschen von schweren Covid-19-Erkrankung weniger stark betroffen seien, sind die Konsequenzen der Krise für sie ziemlich groß: "Kaum eine Gruppe war mehr von den Eindämmungsmaßnahmen betroffen", sagte Schleicher.

1,5 Milliarden Schüler betroffen

Insgesamt waren über die Welt verteilt immerhin geschätzt 1,5 Milliarden Schüler in 188 Ländern von Schließungen betroffen, heißt es im Bericht. Unter den 33 Ländern, deren Daten vergleichbar sind, ließ 2020 nur Schweden seinen Primarstufen-Bereich durchgehend offen. Generell zeigte sich, dass mit der Zunahme des Alters der Schüler die Bildungseinrichtungen eher geschlossen waren.

Über die näher untersuchten Länder hinweg ist das Bild sehr vielschichtig: So schlossen etwa 14 Staaten ihre Volksschulen ein Mal, während weitere elf dies landesweit mehrfach taten - Österreich inklusive. Dazu kommt eine Gruppe an Ländern, zu der auch Deutschland oder Italien gehörten, in denen es regional eine sehr unterschiedliche Anzahl an Schließtagen gab. Dies waren in Deutschland in der Sekundarstufe II etwa zwischen 15 bis 30 Tage, in Italien zwischen 58 und 101 Tage.

Oberstufen länger geschlossen

Österreich gehört zu jener Länder-Gruppe, wo die Oberstufen mehr als 20 Tage länger im Distance Learning waren als die Volksschüler. Hierzulande zählt die OECD knapp mehr als 80 Schließtage abseits von Wochenenden und regulären Ferien an den Oberstufen und knapp über 50 an Volksschulen im Jahr 2020. Ungefähr im Bereich Österreichs liegen auch Italien, Lettland, Slowenien oder Israel. Die mit Abstand meisten Tage mit geschlossenen Schultoren verzeichneten Costa Rica und Kolumbien mit über 170 bzw. über 150.

Relativ viele Länder seien aber auch mit um die 40 Schließtage und darunter "recht gut durchgekommen", sagte Schleicher. Dazu zählen etwa England, die Niederlande, Belgien, Frankreich, Deutschland und einige nordische Länder.

Große Auswirkungen

Insgesamt sei davon auszugehen, dass der Verlust an Schultagen mittelfristig große Auswirkungen auf Bildungskarrieren der Betroffenen haben könne, so Schleicher. Viele Länder würden aber nun Curricula und Bewertungskriterien anpassen. So würde in manchen Ländern mehr Fokus auf die Hauptfächer gelegt und andere Fächer reduziert unterrichtet. Portugal und Brasilien hätten etwa das Schuljahr verlängert.

"Es ist erwähnenswert, dass die Infektionsraten der Bevölkerung nicht davon abhängig erscheinen, wie viele Tage die Schulen geschlossen waren", heißt es in dem Bericht. Da im Schnitt davon auszugehen ist, dass Schüler aus bildungsferneren oder einkommensschwächeren Verhältnissen etwa wegen mangelnder Geräte weniger gut am Fernunterricht teilnehmen konnten, liege der Schluss nahe, dass die Bildungsschere innerhalb der Länder auseinandergegangen ist.

Viele Initiativen für Ausgleich

Es hätten sich aber viele Initiativen entwickelt, die versuchen dies auszugleichen, und Zugang zu Schulbildung im Corona-Modus ermöglichen. So wurden das Online-Lernen ausgebaut oder Lernangebote im TV oder Radio geschaffen. In vielen Länder wurde laut Schleicher "ein multimodaler Ansatz ausgerollt". Die Coronakrise hätte im Bildungsbereich "mehr technologische Innovationen angestoßen als in vielen Jahren davor" und "gezeigt, dass es viele Wege gibt, um Lernende zu erreichen".

Mit Sorge betrachtet die OECD, dass es krisenbedingt auch ein Aufgehen der Bildungsschere zwischen Ländern geben dürfte: Viele Staaten, wo Schüler in internationalen Vergleichsstudie eher schwächer abschnitten, "tendierten dazu, ihre Schulen auch für längere Zeit komplett zu schließen", so die OECD-Experten. Auf der anderen Seite zeige sich, dass Schulen dort eher offen gelassen werden können, wo Bildungssysteme insgesamt gut aufgestellt sind. Gehörte Österreich der OECD-Erhebung zufolge 2020 noch zu den 21 Prozent der untersuchten Länder, die die Bildungsausgaben nicht angehoben haben, findet es sich nun in der größeren Gruppe jener Ländern (71 Prozent), dies das für 2021 planen.

(APA)