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Olympia-Skandal: Schweigegeld für Walter Mayer?

Walter Mayer
Walter Mayer(c) GEPA (Hans Simonlehner)
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Im Auftrag von Innenministerin Liese Prokop sollte ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser Ex-Langlauftrainer Walter Mayer besänftigen, um die Salzburger Olympia-Bewerbung nicht zu gefährden.

WIEN (red.). Am Wiener Handelsgericht wurde am Dienstag der Zivilprozess zwischen Ex-ÖOC-Präsident Leo Wallner und dem Olympia-Strategen Erwin Roth fortgesetzt. Roth hatte Wallner einst wegen Rufschädigung geklagt.

Der Grund dafür liegt weit zurück: 2007 war Salzburg noch im Rennen um die Winterspiele 2014. Die Bewerbung stand allerdings unter einem schiefen Licht. Nach dem Doping-Skandal bei den Winterspielen 2006 in Turin stand Österreich beim Internationalen Olympischen Comité (IOC) quasi auf der Watchlist. Der Chef der Welt-Antidoping-Agentur (Wada), Pound, hatte öffentlich behauptet, der frühere Langlauf-Trainer Walter Mayer sei die Keimzelle des heimischen Dopings. Diese Darstellung wurde vom IOC-Präsidenten Jacques Rogge geteilt. Und flugs wurden beide von Mayer geklagt.

Eine Klage, die für die Olympia-Bewerbung alles andere als förderlich ist, waren sich damals ÖOC und Bundesregierung bewusst. Irgendwer sollte Mayer dazu bewegen, die Klage zurückziehen. Und somit schließt sich der Kreis zum gestrigen Zivilprozess. Olympia-Lobbyist Roth behauptet, er sei auf Betreiben des damaligen ÖOC-Präsidenten Wallner auf Mayer angesetzt worden. Wallner bestreitet dies. Und Roth, der sich nun als Lügner bezichtigt sieht, klagte Wallner.

Oberhauser: "Kein Freund von Walter Mayer"

Also wurde die alte Geschichte vor Gericht wieder aufgewärmt. Mit interessanten Zeugen. Einer davon war ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser.  Er wurde damals gebeten, Mayer zu besänftigen. Ob er ein Freund Mayers ist, wollte das Gericht wissen. „Ich war kein Freund von Walter Mayer, ich hatte viel mit ihm zu tun. Meine Freunde sind aus anderem Leder gestrickt", sagte Oberhauser.

Warum gerade er diese heikle Mission erfüllen sollte, fragte die Richterin. „Frau Minister Liese Prokop hat mich gebeten, mit dem Walter Mayer zu sprechen, damit er seine Klage gegen Rogge und Pound zurückzieht", antwortet Oberhauser und erzählt, dass seine Intervention nicht gefruchtet hat. Mayer wollte seine Verleumdungsklage nicht zurückziehen. Oberhauser: „Walter Mayer hat Schulden gehabt und er hat sich Geld aus dem Prozess erhofft. Ich habe das der Frau Minister Prokop erzählt, und damit war die Sache für mich erledigt."

Nicht jedoch für das ÖOC, erzählt der nächste Zeuge unter Wahrheitspflicht. Es ist der frühere ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth. Im ÖOC sei der Plan geschmiedet worden, Mayer von seiner rund 300.000 Euro Schulden zu befreien, wenn dieser im Gegenzug die Klage zurück zieht. Für diese delikate Aufgabe sei der Lobbyist Roth erkoren worden. Wallner, vertreten durch Anwälten Huberta Gheneff, bestreitet, von dieser Aktion informiert worden zu sein. Es könne sein, dass Jungwirth und Roth über die Sache mit Mayer gesprochen hätten, während er auf der Toilette war, hatte Wallner bei einer vorangegangenen Verhandlung erklärt.

Fest steht: Walter Mayer hat damals seine Klage tatsächlich zurückgezogen. Mit dem Olympia-Strategen Roth hat Mayer einen gut dotierten Buch-Vertrag abgeschlossen. Noch immer ist nicht bekannt, wer die kolportierten 290.000 Euro für Mayer tatsächlich aufgebracht hat. Für ein Buch, das nie geschrieben wurde . . .