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Der Ford Explorer überschreitet die Fünfmetermarke
Fahrbericht

Ford Explorer: Autofahren wie in den USA

Plug-in-Hybrid macht es möglich: Ford bringt den Explorer wieder nach Europa. Viel amerika-nischer kann man kaum unterwegs sein.

Wien. Beim Ford Explorer kommen sentimentale Gefühle auf. Wenige Autos verkörpern für uns die USA so wie dieses SUV. Der Explorer hat einst den Boom der Stadtgeländeautos ausgelöst, Ende der 1990er-Jahre war er das meistverkaufte SUV der Welt.

Nach Europa hat er es seit 20 Jahren nicht mehr geschafft, weil es ihn nie mit Dieselmotor gab und Europäer keinen Benziner in dieser Größe kauften. Plug-in-Hybridsysteme bescheren uns jetzt ein freudiges Wiedersehen mit der mittlerweile sechsten Generation des Explorer – und man muss in Erinnerung an frühere Modelle sagen: Du bist aber groß geworden!

(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Das Urmodell 1990 kam auf 4,6 Meter, die beliebte dritte Generation auf 4,8 Meter – jetzt überschreitet der Explorer die Fünfmetermarke in der Länge und die Zweimetermarke in der Breite. Man sieht also gleich: Hier kommt nicht wieder ein weiteres Angebot für den Kompaktbereich, hier kommt ein echter Amischlitten (wobei es in den USA einst noch größer ging: der 2006 eingestellte Ford Excursion maß beachtliche 5,76 Meter).

Nicht nur die Größe ist typisch amerikanisch, beim ganzen Auto merkt man, für welchen Markt es gebaut ist. Die Lenkung ist schwergängiger, als man es in Europa gewohnt ist, die Motorisierung mit einem Drehmoment von 840 Nm brachialer – und im Menü fanden wir eine Einstellung, um zu verhindern, dass sich das SUV nach 30 Minuten im Leerlauf abschaltet. Das ist der US-Polizei geschuldet, bei der der Explorer den betagten Crown Victoria als Dienstfahrzeug abgelöst hat. Und Polizisten in den USA lassen ihr Fahrzeug grundsätzlich im Stand laufen.

Angenehm überrascht hat uns das Fahrwerk, das nicht US-typisch weich abgestimmt ist inklusive gefährlicher Aufschaukelung dieses 2,5-Tonnen-SUVs in der Kurve. Es ist dennoch komfortabel genug, um schlechte heimische Straßen (die in den USA verbreiteter sind) wegzuglätten.

Drei Reihen - und bei umgelegten Sitzen Platz für ein Nickerchen
Drei Reihen - und bei umgelegten Sitzen Platz für ein Nickerchen(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Reden wir über die Motorisierung: Den meisten Platz unter der Haube nimmt ein aufgeladener Dreiliter-V6-Benzinmotor ein, der 350 PS leistet. Dazu kommt ein Elektromotor mit 100 PS, gemeinsam ergibt das eine Systemleistung von 450 PS und eben das beachtliche Drehmoment von 840 Nm. Ford gibt den Verbrauch – testzyklisch korrekt – mit 3,4 Liter auf 100 Kilometer an und die rein elektrische Reichweite mit 40 Kilometer.

In der Praxis sind es rein elektrisch um die 30 Kilometer, der Verbrauch pendelte sich auf mittellangen Strecken bei 7,5 bis acht Liter ein. Die Überraschung bescherte uns der Explorer auf der Langstrecke, auf der der E-Motor friedlich schlummerte: Der Verbrauch lag bei knapp unter zehn Liter (9,7 Liter) auf 100 Kilometer.

Nickerchen im Fonds

Wenn man es darauf anlegt, den Sport-Modus wählt und den ausgezeichneten Dreilitermotor samt Zehngang-Automatik fordert, dann sind freilich recht problemlos 13 Liter und mehr drinnen. Dafür erlebt man aber auch ein unerwartet agiles SUV.

Im Innenraum grüßen ebenfalls die USA, mit deutschen Marken kann der Explorer weder optisch noch qualitativ mithalten. Wobei uns die Schalter und Knöpfe für Klimaanlage und Audiosteuerung lieber sind als die Steuerung per Touchscreen. Nicht mehr zeitgemäß ist die Auflösung des hochformatigen Displays des Infotainment-Systems, das sich bei der Bedienung hin und wieder Nachdenkpausen gönnt. Die Anzeige der Rückfahrkamera ist viel zu klein.

Die Auflösung des Displays ist nicht mehr zeitgemäß
Die Auflösung des Displays ist nicht mehr zeitgemäß(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

US-typisch ist die Ausstattung mit Getränkehaltern (zwölf Stück), die vielen Ablagen im Innenraum (insgesamt 123 Liter) und der Platz für sieben Personen – und noch etwas Gepäck. Die letzten zwei Sitze lassen sich per Knopfdruck elektrisch umlegen, dann ist auch Platz für den Kinderwagen. Bei allen umgelegten Sitzen fasst der Explorer 2274 Liter. Dann kann man auch gemütlich ausgestreckt ein Nickerchen im Auto machen.

So viel SUV und solche Dimensionen bekommt man bei deutschen Mitbewerbern erst im sechsstelligen Eurobereich. Ford bleibt fünfstellig. Der Startpreis des Ford Explorer liegt in Österreich bei 80.000 Euro, derzeit dank eines Leasing-Angebots sogar bei nur 71.000 Euro. Und das inkludiert ein ordentliches Gefühl USA.


[RC2QU]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2021)