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Reproduktionswert

Oxford-Studie: Schließung von Handel und Gastronomie wirkt gegen Pandemie

Maskenpflicht am Donaukanal und prinzipiell strenge Kontaktbeschränkungen gelten derzeit in Wien - Maßnahmen, denen die Oxford-Studie anhand Daten vergangener Lockdowns eine gute Wirkung bescheinigt.
Maskenpflicht am Donaukanal und prinzipiell strenge Kontaktbeschränkungen gelten derzeit in Wien - Maßnahmen, denen die Oxford-Studie anhand Daten vergangener Lockdowns eine gute Wirkung bescheinigt.APA/GEORG HOCHMUTH
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Eine neue - noch nicht veröffentlichte - Studie soll die Wirkung von "harten" Lockdown-Maßnahmen belegen. Dazu untersuchte man die Wirkung einzelner Regeln auf die Neuinfektionszahlen. Eine tiefer gehende Analyse von Zusammenhängen steht aber aus.

Im Theater/Handel/Park/Schulbereich/Büro steckt sich ja niemand an. Und doch infizieren sich eben laufend Menschen mit Sars-CoV-2, dem derzeit alles beherrschenden Coronavirus. Welche Maßnahmen also welche Reduktion der Ansteckungen bewirken, das will eine neue Studie der britischen Universität Oxford mit anderen europäischen Wissenschaftlern herausgefunden haben, die allerdings erst den Review-Prozess durch die Wissenschaft durchlaufen muss und noch nicht in einem Fachmagazin veröffentlicht wurde. Es bleiben also viele wesentliche Fragen offen.

Die Wissenschaftler haben untersucht, wie stark verschiedene sogenannte nicht-pharmazeutische Interventionen die effektive Reproduktionszahl (R) beeinflussen. Peter Klimek, Komplexitätsforscher am Complexity Science Hub Vienna, erklärt im Ö1-Morgenjournal, dass der Studie zufolge das Zusperren des Handels und der Gastronomie die Infektionszahlen in der zweiten Welle im Herbst/Spätherbst am deutlichsten reduziert hätte - „jeweils mit einer Reduktion von 10 bis 20 Prozent“. Die Prozent beziehen sich auf den R-Wert, der angibt, wie viele Personen ein Infizierter ansteckt. Sinkt der Wert unter 1, geht die Zahl der Neuinfektionen also zurück, weil statistisch gesehen nicht mehr jeder Infizierte das Virus weitergibt.

Doch was der Studie noch nicht bietet, ist eine Erklärung für diesen Zusammenhang von Maßnahmen und Infektionszahlen. Sind es Handelsangestellte, die sich weniger anstecken, sind es die Einkaufenden oder sind es die fehlenden Gründe überhaupt, das Haus zu verlassen? Hier kann auch Peter Klimek vorerst nur jene Fragen in den Raum stellen, die mögliche Gründe dafür sein könnten.

Fest stehe jedenfalls: Das Schließen von Schulen in der zweiten Welle habe in der zweiten Welle deutlich weniger Einfluss auf die Ansteckungen gegeben habe, weil es bereits Präventionsmaßnahmen gegeben habe. Und Klimek betont: Kurze, harte Lockdowns seien zielführender als lange, weiche, die pandemiemüde machen würden. Der „Osterruhe“ genannte, rund zweiwöchige Lockdown sei durchaus sinnvoll.

Strenge Kontaktverbote am wirksamsten

Strenge Kontaktverbote - etwa die Begrenzung aller Treffen auf maximal zwei Personen - hat der Oxforder Untersuchung zufolge einen sehr großen Effekt und reduziert den R-Wert um geschätzt rund 26 Prozent. Bei weniger strengen Kontaktbeschränkungen - etwa erlaubten Treffen von zwei Haushalten mit mehreren Angehörigen - reduziert sich die Wirkung der Maßnahme deutlich. Nächtliche Ausgangsbeschränkungen sind den Forschern zufolge auch eine wirksame Maßnahme, ihr Beitrag zur Reduktion des R-Werts wird auf rund 13 Prozent geschätzt. Die Schließung der Gastronomie liegt mit zwölf Prozent Reduktion in einem ähnlichen Bereich.

Um diese geschätzten Werte berechnen zu können, haben die Wissenschaftler die Corona-Fallzahlen sowie die verhängten Maßnahmen zwischen August 2020 und 9. Jänner 2021 in sieben europäischen Ländern - darunter Österreich, Deutschland, die Schweiz und Tschechien - analysiert und die Wirkung der einzelnen Maßnahmen berechnet. Anders als in der ersten Welle sei es in der zweiten Corona-Welle leichter gewesen, den Beitrag einzelner Maßnahmen zu errechnen, da nicht alle gleichzeitig verhängt worden seien, hieß es.

Ungeachtet der Wirkungsmacht harter Maßnahmen empfehlen die Forscher den politischen Verantwortungsträgern, auch andere Aspekte bei der Verhängung von Corona-Maßnahmen einzubeziehen. So könne die Studie etwa keine Aussagen dazu machen, wie sich Impfungen sowie die zunehmende Ausbreitung von Corona-Varianten auswirke. Die Forscher haben sich bei ihren Analysen außerdem auf den Zeitraum beschränkt, in dem die hochinfektiöse britische Variante B.1.1.7 noch nicht in den untersuchten Regionen vorherrschend war. Denn natürlich spielt auch die Infektiosität der einzelnen Virusmutanten eine Rolle dabei, welche Maßnahmen sich wie auf die effektive Reproduktionszahl auswirken.

>> Der Beitrag im Ö1-Morgenjournal mit Komplexitätsforscher Peter Klimek in der Radiothek des ORF

(APA/dpa)