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Thrombosen

AstraZeneca: 30 Blutgerinnsel bei 18 Millionen Impfungen in Großbritannien

Ein Bild aus einer Impfstraße in London, in der das Vakzin von AstraZeneca verabreicht wird.
Ein Bild aus einer Impfstraße in London, in der das Vakzin von AstraZeneca verabreicht wird.REUTERS
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"Auf Basis dieser fortlaufenden Untersuchung sind die Vorteile der Impfungen gegen Covid-19 weiterhin größer als die Risiken“, heißt es vonseiten der britischen Arzneimittelbehörde. Pharmakologe Zeitlinger sieht die Risikoeinschätzung derzeit "extrem im Fluss“.

In Großbritannien sind bei mehr als 18 Millionen Impfungen mit AstraZeneca insgesamt rund 30 Fälle von seltenen Blutgerinnseln gemeldet worden. Das teilte die britische Arzneimittelbehörde MHRA in einem aktuellen Bericht mit. "Das Risiko, diesen speziellen Typ von Blutgerinnseln zu bekommen, ist sehr klein", heißt es darin.

Es seien bisher (Stand: 24. März) 22 Fälle der auch in Deutschland aufgetretenen Hirnvenenthrombosen und acht andere Arten von Thrombosen gemeldet worden. In einem anderen Dokument der Behörde wurden insgesamt 24 Fälle der Hirnvenenthrombosen aufgeführt - eine Erklärung für diese Differenz gab es zunächst nicht. "Auf Basis dieser fortlaufenden Untersuchung sind die Vorteile der Impfungen gegen Covid-19 weiterhin größer als die Risiken", schreiben die Experten der MHRA.

Zeitlinger: Risikoeinschätzung „extrem im Fluss"

Die Risikoeinschätzung für den Impfstoff von AstraZeneca sei derzeit "extrem im Fluss", so der Vorstand der Universitätsklinik für klinische Pharmakologie der MedUni Wien, Markus Zeitlinger, in Bezug auf mögliche Nebenwirkungen mit Thrombosen. "Aus heutiger Sicht ist ein Zusammenhang mit der Impfung nicht auszuschließen." Wenn dem so ist, komme es "extrem selten" vor. Daher arbeite man fieberhaft an der Frage, ob es eine Gruppe mit erhöhtem Risiko gibt.

Es gebe wöchentlich Treffen auf nationaler und EU-Ebene, in denen man die sich dynamisch entwickelnde Situation möglichst gut im Auge behalte. Aus aktueller Sicht ist die Abschätzung des Risikos gegenüber den Vorteilen der Impfung "positiv", betonte der Wissenschafter. Es könne aber durchaus sein, dass auch Österreich noch den Weg Deutschlands beschreitet und sagt: "Für bestimmte Gruppen ist das Kosten-Nutzen Verhältnis nicht mehr so gut wie für andere Impfstoffe. Momentan lässt die Datenlage diesen Schluss aber nicht zu."

Solche Entscheidungen könne man nur auf Basis der Daten treffen, die auf dem Tisch liegen. Zum Glück sei man hier im europäischen Verbund sehr gut vernetzt. So habe man auch die Chance, "etwas zu entdecken". Auch wenn es extrem schwierig sei, das "Signal zu beurteilen", sagte Zeitlinger.

Letztlich gehe es darum, ob der "grundsätzlich gute Impfstoff", der in Europa mit Sicherheit weiter verwendet werde, eine bestimmte Gruppe innerhalb der Gesellschaft entweder durch Nebenwirkungen mehr gefährdet oder für sie weniger "Benefit" hat. Zeitlinger: "Die Frage ist, können wir eine Population definieren, wo wir es einschränken oder nicht?"

Deutschland impft nur noch Ältere mit AstraZeneca

In Deutschland hatten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Dienstag beschlossen, dass das Präparat in der Regel nur noch Menschen ab 60 gespritzt werden soll - außer jüngere wollen es nach Klärung mit dem Arzt auf eigenes Risiko. Dort waren bis Anfang der Woche 31 Verdachtsfälle von Hirnvenenthrombosen nach einer AstraZeneca-Impfung gemeldet worden, wie das Paul-Ehrlich-Institut kürzlich berichtete. Bisher haben knapp drei Millionen Menschen eine erste Dosis des Mittels bekommen. Das bedeutet, dass es in Deutschland bezogen auf eine Million Geimpfte wesentlich häufiger einen Verdacht auf Hirnvenenthrombose gab als in Großbritannien. Über die Gründe dafür kann nur spekuliert werden.

In Großbritannien sind insgesamt bereits mehr als 31 Millionen Menschen erstgeimpft worden, mehr als 18 Millionen davon mit AstraZeneca. Die Infektionslage im Land hat sich seither deutlich verbessert, die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei 55 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Auch die Zahl der neuen täglichen Todesfälle ist massiv gesunken.

(APA/dpa)