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Einer stellt sein Leben ins Netz - und alle wollen es sehen

Der Streamer Ludwig Ahgren auf der Plattform Twitch.Twitch
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Essen, duschen, schlafen: Wochenlang streamt Ludwig Ahgren seinen Alltag nonstop. Er hat 2,3 Millionen Follower. Was kommt da auf uns zu?

Es gibt Momente, da fühlen wir uns verloren. Der Anlass kann banal sein: Man will etwas reparieren, steht allein einer feindlichen Technik gegenüber, die sich dem menschlichen Zugriff verweigert. Auch Ludwig Ahgren plagte sich jüngst eine Stunde lang fluchend mit dem Eiswürfelspender in seinem Kühlschrank herum. Aber was geht uns die existenzielle Erfahrung eines 25-Jährigen in Arizona an? 80.000 Menschen stellten sich diese Frage nicht. Sie schauten ihm gebannt beim Scheitern zu. Und das machte ihn, im dialektischen Umschwung auf eine mediale Metaebene, stolz und froh.

Sein Spiel treibt Ahgren seit drei Wochen, rund um die Uhr. Er streamt auf der Internetplattform Twitch seinen Alltag, lebt vor großem Publikum. Jeder kann ihm dabei zuschauen, wie er kocht, isst, schläft, am Computer spielt, seine Muskeln stählt und duscht (mit Unterhose). Ein digitaler Exhibitionist? Sicher kann die Isolation als Folge der Corona-Maßnahmen Menschen auf verzweifelte Ideen bringen. Aber nein, der Uni-Absolvent mit Abschlüssen „cum laude“ in Literatur und Kommunikation weiß, was er tut: Er verdient Geld dabei. Seinem Kanal folgen 2,3 Millionen Menschen. Und seine Fans haben mit ihren Dollars dafür gesorgt, dass seine Liveübertragung sich in die Länge zieht.