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Verpackungsdesign

Schnecken als Delikatesse: Die Verpackung macht's möglich

Appetitlich und zugleich umweltfreundlich verpackt: Schnecken aus dem Süden von Wien.
Appetitlich und zugleich umweltfreundlich verpackt: Schnecken aus dem Süden von Wien.[ Gugumuck ]
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Ein Wiener Züchter will Weinbergschnecken als Delikatesse öfter auf die Esstische der Österreicher bringen. Ganz aus dem Häuschen ist man darüber an der FH Campus Wien. Die multifunktionale, umweltfreundliche Verpackung dafür wurde dort entworfen.

Schnecken sind wie Pralinen: eine kulinarische Spezialität, die als etwas Besonderes wahrgenommen werden sollte.“ Das sagt Andreas Gugumuck. Der Wiener betreibt seit rund zehn Jahren im Süden von Wien eine Schneckenfarm auf der familieneigenen Landwirtschaft, kreiert Leckerbissen wie Schnecken-Burger oder Süßspeisen mit den Weichtieren als Hauptingredienz und sorgt damit u. a. in der gehobenen Gastronomie für zufriedene Mägen. Nun will er die Delikatessen vermehrt auf die heimischen Esstische bringen. Schnecken hat Gugumuck genug – er verarbeitet rund 300.000 Exemplare pro Jahr. Was bisher fehlte, war die geeignete Verpackung für die Belieferung des Einzelhandels: der Präsentierteller quasi, der die Köstlichkeiten in den Geschäften als etwas Besonderes erscheinen lässt. Wie Pralinen eben.

So streckte Gugumuck die Fühler in Richtung Fachhochschule Campus Wien aus. Dort ist Victoria Krauter Leiterin des Kompetenzzentrums für nachhaltige und zukunftsorientierte Verpackungslösungen. „Die Auswahl des Materials und das Design waren schon eine Herausforderung“, sagt sie. Gugumucks Produkte, wie die „Schnecken nach Beuschel-Art“ oder das „Wiener Schnecken-Erdäpfelgulasch“, stehen zwar schon seit Langem in schmucken Glasbehältern in den Regalen, „die ursprüngliche Art, Schnecken zu konsumieren, ist aber mit Kräuterbutter“, sagt der Züchter. Dafür eignet sich Glas nicht, denn: „Die Tiere werden bei uns vorgekocht und tiefgekühlt.“ Eine Aluschale mit Kunststoffhülle, wie man sie von vielen Tiefkühlwaren her kennt, kam als Alternative nicht infrage – „schon wegen der schlechten CO2-Bilanz“, waren sich der auf Nachhaltigkeit bedachte Landwirt und die Wissenschaftlerin einig.

 

Scharfkantige Schneckenhäuser

Es sollte ein Material sein, das eine lange Haltbarkeit garantiert und nicht durch die teilweise scharfen Kanten der Schneckenhäuser beschädigt wird. Ein Riss, durch den Sauerstoff ins Innere gelangt, könnte die eingeschlossene Kräuterbutter ranzig werden lassen. Entschieden hat man sich schließlich für Karton mit einer speziellen Beschichtung. „Die Beschichtung wurde so gewählt, dass sie wie Papier recycelt werden kann“, sagt Krauter. Die Verpackung hat noch eine weitere Besonderheit: Sie fungiert zugleich als Ofenform und als Teller. „Vor dem Verzehr schiebt man die Schnecken mit dem hitzebeständigen Karton in den Ofen, wobei die Tiere samt ihren Häusern durch Vertiefungen in Position gehalten werden und nicht umkippen, und schließlich kann man auch gleich daraus essen“, erklärt die FH-Expertin. Man erspare sich damit die speziellen Schneckenpfannen, die nicht jeder zu Hause hat. „Somit wird eine breite Konsumentenschicht angesprochen“, sieht Krauter einen Vorteil dieser „All in one“-Lösung.

 

Gutes Praxisbeispiel für Nachhaltigkeit

Gugumuck, dessen „Wiener Schneckenmanufaktur“ als einziger österreichischer Betrieb eine EU-Zulassung zur Verarbeitung von Weinbergschnecken hat, will die Delikatessen mit ihrer Präsentierbox als „Future Food“ etablieren. Das Fleisch der Weichtiere weist einen hohen Gehalt an Proteinen und Nährstoffen, aber nur wenig Fett auf.

Für Victoria Krauter war das Finden der optimalen Verpackung ein gutes Praxisbeispiel, wie Nachhaltigkeitsüberlegungen, Fragen der Wirtschaftlichkeit sowie Fachwissen über die Eigenschaften unterschiedlicher Materialien im Kontakt mit Lebensmitteln zusammenspielen. Und gerade bei Lebensmittelverpackungen muss das optische Design passen, damit man den Kunden auch den Inhalt schmackhaft macht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2021)