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Medikament

Einigung in Streit um Kampfpreise für Krebsmedikament

Pharmahändler Merck Sharp & Dohme einigt sich mit Kartellbehörde.

Wien. Die Wettbewerbshüter haben dem Pharmahändler Merck Sharp & Dohme auf die Finger geklopft. Untersucht wurde der Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung beim Vertrieb von Medikamenten mit dem Wirkstoff Temozolomid. Dem Unternehmen wurden Kampfpreise beim Verkauf des Hirntumormittels Temodal im Spitalsbereich vorgeworfen. Im März kam es nun zu einer Einigung vor dem Kartellgericht, wie die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) bekannt gab.

Merck machte Verpflichtungszusagen. Bei deren Einhaltung sieht die BWB ihre kartellrechtlichen Bedenken ausgeräumt. Die Entscheidung des Gerichts ist rechtskräftig. Sollte gegen die Verpflichtungszusagen verstoßen werden, kann die BWB beim Kartellgericht die Verhängung einer Geldbuße beantragen.

Die Kartellwächter nahmen den Pharmavertrieb ab 2018 unter die Lupe. Die Europäische Kommission hatte bereits im November 2016 bei dem Pharmaunternehmen eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Festgestellt wurde, dass die Merck Sharp & Dohme GmbH mit Sitz in Wien einen Marktanteil von mehr als 85 Prozent bei dem Wirkstoff Temozolomid im Bereich der Krankenanstalten hat. Sie verfolge eine Kampfpreisstrategie, durch die der Markteintritt von günstigen Generika (Nachahmerpräparaten) erschwert werde. Langfristig seien dadurch höhere Kosten für das heimische Gesundheitssystem sowie eine geringere Liefersicherheit zu befürchten.

 

Nachteile bei Weiterverschreibung

Konkret stellten die Kartellwächter fest, dass Merck Sharp & Dohme das Krebsmedikament unter den Kosten vertrieb und Verluste in Kauf nahm, um andere Anbieter vom Markt zu drängen. Manche Krankenanstalten sollen zeitweise ausschließlich Gratisabgaben zur Ersteinstellung bekommen haben. „Die Krankenanstalten profitierten zwar unmittelbar durch niedrigere Kosten bei der Erstverschreibung des Medikaments. Bei der Weiterverschreibung im niedergelassenen Bereich sind jedoch mittelfristig Preisnachteile durch höhere Kosten für das Gesundheitssystem zu erwarten“, so die BWB in einer Aussendung. Denn nach dem Spitalsaufenthalt muss das Medikament in Apotheken erworben werden.

Das Unternehmen sagte zu, die Kampfpreisstrategie einzustellen, eine Kostenberechnung vertraulich an die BWB zu übermitteln, alle kartellrechtlichen Bestimmungen einzuhalten und Compliance-Maßnahmen zu setzen. Ein internes Kontrollsystem und regelmäßige verpflichtende Compliance-Schulungen für Mitarbeiter sollen künftigen Verstößen vorbeugen. (APA/cka)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2021)