Medien-Messe: Migration ist in den Medien kein Thema

(c) Michaela Bruckberger
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Fritz Hausjell, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Wien, fordert Migrantenvertreter im ORF und rügt die Medienpolitik. Er ist einer der Referenten an der zum dritten Mal stattfindenten Medien-Messe Migration.

„Ich habe eine Diplomandin darauf angesetzt, die Parteien nach ihrer Medien-Integrationspolitik zu befragen. Das Ergebnis ist relativ knapp ausgefallen. Die FPÖ hat sich überhaupt geweigert, Stellung zu nehmen“, erzählt Fritz Hausjell, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Wien. „Von einer aktiven Medienpolitik, die das Thema Migration mit einschließt, kann man also nicht sprechen.“ Zum dritten Mal findet heuer die Medien-Messe Migration statt, die heute in der Wirtschaftskammer eröffnet wird – Hausjell ist einer der Referenten. Es geht generell um „Internationalität und Interkulturalität als Chance für die Wirtschaft“ – am zweiten Kongresstag stehen Medien und Migration auf der Agenda.

Wenn die Politik etwas verbessern wollte – Hausjell hätte einige Ideen: „Man könnte das Thema Migration in den Zielformulierungen für den ORF verankern – und vielleicht auch Mittel dafür bereitstellen.“ Und es gehörten Migrantenvertreter in den Publikums- und Stiftungsrat. Beides habe man im ORF-Gesetz verabsäumt, wie Hausjell moniert.

Während der ORF zumindest für die interne Auswertung mittlerweile auch das Zuschauerverhalten von Migranten erhebt, hätten private Medien diese Möglichkeit nicht: „In allen Messinstrumenten werden Menschen mit Migrationshintergrund nicht ausgewiesen.“ Dass es seit Kurzem Publizistikförderung auch für Ethno-Medien gibt, sei eine der wenigen konkreten Maßnahmen. „Man könnte auch Förderprogramme entwickeln, um Integration in den Redaktionen zu verbessern.“ Mit Ausnahme von „Presse“, „Standard“ und „Wiener Zeitung“ gebe es keine privaten Initiativen.

Retten Migranten die „Krone“?

Mit Claus Pandi, dem Innenpolitikchef der „Kronen Zeitung“, wird Hausjell diskutieren, ob Leser mit Migrationshintergrund den Auflagenschwund aufhalten können. „Die ,Krone‘ gilt ja nicht gerade als migrationsfreundlich, aber in den nächsten Jahren wird sie massiv mit der demografischen Entwicklung konfrontiert sein: einer jüngeren Gesellschaft, die stärker durch Migration geprägt ist.“ Das Medienangebot für diese Zielgruppen habe sich stark verbessert. „Da stellt sich die Frage: Kann ich weiter eine so große Gruppe vor den Kopf stoßen?“ Eine Möglichkeit wäre auch Ethno-Marketing. Aber: „Die Krise hat die österreichischen Medien offenbar zu wenig getroffen, als dass sie sich schon überlegen müssten, wo es noch Ressourcen gibt.“

22. und 23.9., Wirtschaftskammer Österreich. Eintritt frei. www.m-media.or.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2010)

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