Erstwählerstudie: FPÖ ist den Jungen "zu schrill"

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Laut aktueller Erstwählerstudie des Instituts für Jugendkulturforschung liegen bei den 16- bis 19-Jährigen Wienern und Wienerinnen die SPÖ und die Grünen vorne. Das Thema Migration ist den Jungen am wichtigsten.

Wien. Heinz-Christian Strache gilt als beispielhaft, wenn es um die Kontaktpflege zu jenen 76.292 Wienern geht, die heuer erstmals bei der Gemeinderatswahl ihre Stimme abgeben dürfen. Der FPÖ-Chef tourt durch Discos und rappt, bis er heiser ist. Jedoch: Was bringt's?

Laut aktueller Erstwählerstudie des Instituts für Jugendkulturforschung: viel. Zumindest auf den ersten Blick. 48 Prozent der 321 befragten 16- bis 19-Jährigen halten die FPÖ für die populärste Partei unter den Jungwählern (von der SPÖ glauben das 27,8%, von der ÖVP 6,1%). Und auch mit dem Thema Migration/Integration liegt die FPÖ richtig: Es ist, im Positiven wie Negativen, den Jungen am wichtigsten. So weit, so erwartet. Allerdings – Überraschung – wählen würden die FPÖ am 10. Oktober nur knapp 13 Prozent. In Worten: dreizehn. Wie ist das zu erklären?

Zunächst, indem man kurz relativiert: „Nachdem der Anteil der Unentschlossenen bei den Jungen mit 29,7 Prozent hoch ist und man weiß, dass die FPÖ bei den Spontanwählern dazugewinnt, darf man die 13 Prozent nicht wörtlich nehmen“, sagt Studienleiter Philipp Ikrath. Zudem vermutet er unter jenen 17,5 Prozent, die sich nicht deklarieren, viele Stimmen für Strache. Trotzdem: Als Tendenz sei das Ergebnis erstaunlich: „Es zeigt, dass die FPÖ nicht mehr die Oberherrschaft über das Thema Migration hat, das für Jugendliche wichtig ist, weil es Teil ihres Alltags ist.“ Generell sei anzunehmen, dass die FPÖ bei der Wahl bei der Jugend hinter den Erwartungen und klar hinter der SPÖ (36%)s bleibe.



Den Grund dafür sieht Ikrath darin, dass es die FPÖ „mit ihrer schrillen Rhetorik übertrieben hat“ – nicht nur beim Ausländerthema: „Strache ist kein Politiker für alle Jugendlichen, er hat sich zunehmend auf eine bestimmte Lebenswelt festgelegt: jene Jugendliche, die man in Großraumdiscos wie dem Praterdome findet.“ Ähnlich wie die Grünen am anderen Spektrumende sei die FPÖ bei den Jungen auf „ein Milieu“ beschränkt: Lehrlinge und junge Berufstätige, von denen sie 23,4 Prozent wählen würden. Viele andere würde die FPÖ aber verschrecken: „Die nehmen Strache zwar vielleicht ab, dass er sich für die Jugend interessiert, finden sein Verhalten aber prollig.“

Die grüne Unbekannte

Dass Jugendliche selbst glauben, die FPÖ sei bei der Jugend am populärsten, ist für Ikrath „auch ein Medienphänomen“: „Die lesen das in der Zeitung.“ So ist zwar Strache – anders als Grünen-Chefin Maria Vassilakou, die nur 36,4% (!) kennen – fast so bekannt wie Häupl (93,7 % bzw. 94,9%). Als Bürgermeister sehen ihn aber nur 13,7%. Keine Experimente, laute hier die Devise, so Ikrath. Generell bescheinigt die Studie den Jungen eine hohe Wahlbereitschaft. Zwei Drittel wollen wählen. Aber, so der Jugendforscher, dabei gehe es weniger um Politikinteresse. als um „staatsbürgerliche Folklore“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2010)

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