USA: Hotdogs und Bohnen - Der Frust der Velma Hart

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(c) Reuters (Shannon Stapleton)

Im Juni 2009 ist die Rezession in den Vereinigten Staaten offiziell zu Ende gegangen, bestätigen Ökonomen. Die Mehrheit der Amerikaner teilt die Einschätzung indes ganz und gar nicht. So wie Exsoldatin Velma Hart.

WASHINGTON. Der Frust der Velma Hart wird Barack Obama noch länger verfolgen. „Ich dachte, ich hätte einen Mann gewählt, der versprach, die Dinge für die Mittelklasse zu verbessern. Ich warte noch darauf, Sir“, sagte die Afroamerikanerin. „Ganz ehrlich: Ich bin ausgelaugt; ausgelaugt, Sie zu verteidigen und Ihre Regierung und die Botschaft des Wandels.“

Der Präsident setzte ein gezwungenes Lächeln auf, das diesen Moment der Peinlichkeit im Newseum – dem Medienmuseum in Washington – überspielen sollte. Doch die Suada aus dem Publikum war noch nicht zu Ende. „Mein Mann und ich haben immer gescherzt, dass die Zeit der Hotdogs und Bohnen ein für allemal vorbei sei. Aber diese Zeit klopft jetzt wieder an unsere Tür und läutet an.“

Die Kritik der Exsoldatin und Finanzexpertin einer Veteranen-Organisation traf Obama ins Mark. Bei einer vom Finanzsender CNBC veranstalteten Fragestunde über die Wirtschaftslage stieß er auf die geballte Enttäuschung seiner Anhänger. Ted Brassfield pries den Präsidenten zwar für die Inspiration, die er während seines Wahlkampfes vor zwei Jahren ausgestrahlt habe. Der 30-Jährige, der gerade sein Jusstudium absolviert hat, sei jedoch kaum imstande, seine Studentenkreditraten zu zahlen, erzählte er einem vorwiegend aus Businessleuten zusammengesetzten Auditorium. Geschweige denn könne er es sich leisten, eine Hypothek aufzunehmen oder eine Familie zu gründen. „Ist der amerikanische Traum für mich gestorben?“, fragte er.

7,3 Millionen Jobs verloren

Kurz davor hatte das „National Bureau of Economic Research“, ein Gremium hochkarätiger Ökonomen, das offizielle Ende der Rezession in den USA mit Juni 2009 datiert. Mit einer Dauer von eineinhalb Jahren sei sie die längste Rezession seit Ende der Depression in den 1930er-Jahren gewesen, resümierten die Wirtschaftswissenschaftler. 7,3 Millionen Jobs seien verloren gegangen, lautete ihr Fazit. Nach Ansicht prominenter Wirtschaftsexperten werde es noch mindestens ein Jahr dauern, bis sich die Arbeitsmarktlage ein wenig entspannt und die Firmen im größeren Stil Arbeitskräfte anheuern. Die Arbeitslosenrate werde, so die Prognose, womöglich weiter um die neun Prozent liegen.

Für Velma Hart, Ted Brassfield und die Mehrheit der Amerikaner hat sich die Wirtschaftslage kaum gebessert. Parallel dazu schwindet das Vertrauen in die Wirtschaftskompetenz Obamas. 56 Prozent der US-Bürger glauben einer Umfrage zufolge, er verfüge über kein schlagkräftiges Konzept.

Während die Führung der US-Notenbank zusammenkam, um über etwaige Maßnahmen zur Stärkung der Konjunktur zu beraten, sprießen in Washington die Spekulationen über mögliche Rochaden im Wirtschaftsteam Obamas. Mit einem ausdrücklichen Lob für Finanzminister Timothy Geithner und Chefberater Larry Summers nahm er seine beiden prominentesten Mitarbeiter einstweilen aus der Schusslinie.

Indessen bemüht sich der Präsident seine Wirtschaftsbilanz herauszustreichen und die Republikaner – vor allem John Boehner, den Fraktionsführer im Repräsentantenhaus – als Verhinderer und Blockierer hinzustellen. Für die Rettung der Bankenbranche und die Sanierung der Autoindustrie bekommt Obama bei der Mehrheit der Wähler indes keinen Kredit – und an der Wall Street keine Dankbarkeit. Er fühle sich wie eine Piñata (eine Puppe, auf die ständig eingedroschen wird), lamentierte der Hedgefonds-Manager Anthony Scaramucci, ein Studienkollege Obamas in Harvard.